Antidepressiva: Herzerkrankung, Schlaganfall

Stimmungsaufhellende Psychopharmaka - Thymoleptika

Verbesserte Herz-Kreislauf-Gesundheit bei Depressiven durch AD

16.03.2015 Eine Studie hat herausgefunden, dass die Behandlung von Depression mit Antidepressiva wirkungsvoller bei der Verringerung des Herzerkrankungsrisikos ist als die Behandlung mit Statinen (Cholesterinsenker).

Für die Studie analysierten die Forscher die Krankengeschichten und Todesraten, koronaren Herzkrankheiten und Schlaganfälle von mehr als 26.000 Patienten, die während einer dreijährigen Dauer behandelt worden waren.

Bei den Patienten wurden Stimmung, Schlaf und Appetit zur Beurteilung der depressiven Symptome erfasst. Auf Grundlage der Ergebnisse der Fragebögen identifizierten die Forscher 5.311 Patienten mit moderater bis schwerer Depression und 21.517 Patienten mit keiner oder leichter Depression.

Geringeres Schlaganfall-, KHK-, Mortalitätsrisiko

Die Forscher vom Intermountain Medical Center Heart Institute in Salt Lake City entdeckten, dass Antidepressiva-einnehmende Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Depression ein niedrigeres Sterblichkeitsrisiko sowie ein geringeres Risiko für koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle hatten (53%) als Patienten mit moderater bis schwerwiegender Depression, die keine Antidepressiva oder Cholesterinsenker nahmen.

Die Einnahme von Statinen allein oder in Verbindung mit Antidepressiva war nicht mit einer deutlichen Verringerung des Risikos für diese Patienten verbunden. Ebenso waren Antidepressiva nicht mit einem reduzierten kardiovaskulären Risiko bei Patienten mit leichter oder keiner Depression verbunden, sagte Autorin Heidi May.

Moderat bis schwer Depressive hatten ein geringeres Risiko für diese Erkrankungen, wenn sie nur Antidepressiva nahmen. Nahmen sie Statine allein oder Antidepressiva und die Cholesterinsenker in Kombination war das Risiko (im Vergleich zur alleinigen AD-Einnahme) größer - obwohl diese Beziehungen nicht direkt analysiert wurden, bemerkten die Forscher.

Keine additive Wirkung

"Wir dachten, wir würden eine additive Wirkung sehen: Dass die Einnahme beider Medikamente das Risiko stärker senken würde als dies jedes Medikament für sich allein könnte. Das war aber nicht der Fall: Bei depressiveren Personen macht das Antidepressivum den größten Unterschied aus", sagte May beim März-Meeting des American College of Cardiology.

Depressionsbehandlung verringert Risiko für Herzerkrankungen

"Der Fokus liegt normalerweise mehr auf traditionelle kardiovaskuläre Risikofaktoren und Depressionen werden leider oft übersehen. Diese Studie verstärkt die Belege, dass Antidepressiva, wenn richtig eingesetzt, die kardiovaskulären Ergebnisse bei Depressiven verbessern können."

Während die Studie nicht auswertete, wie Antidepressiva das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringerten, glaubt May, dass der Zusammenhang durch Verhaltensänderungen bedingt sein könnte.

"Antidepressiva könnten relevante physiologische Vorteile bieten, aber ich denke auch, dass die Verhaltensänderungen, die die Stimmung einer Person verbessern, gleichfalls auch die kardiovaskuläre Gesundheit verbessern können", sagte May.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Intermountain Medical Center Heart Institute, American College of Cardiology; März 2015

Anxiolytika und Antidepressiva: Herzkrankheiten

Ein neuer Bericht besagt, dass die Einnahme von Medikamenten gegen Depressionen (Antidepressiva) und gegen Angst bzw. Angststörungen (Anxiolytika) ein gesteigertes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Frauen mit vermuteter koronarer Herzkrankheit verursachen kann.

Forscher der Uniformed Services University of the Health Sciences (USU) benutzten Daten einer Studie (an mehreren Orten) in den USA. Die epidemiologische Studie Women's Ischemia Syndrome Evaluation (WISE) sollte Methoden für eine verbesserte Beurteilung und Verständnis von koronaren Herzerkrankungen bei Frauen entwickeln.

Koronare Herzkrankheit

In dem Papier "Verwendung von psychotropen Medikamenten und Risiko für ungünstige kardiovaskuläre Ereignisse bei Frauen mit Verdacht auf koronarer Herzkrankheit" sagt Autor David S. Krantz, Ph.D, dass es mehrere wichtige Auswirkungen dieser Forschung auf Frauen mit Verdacht auf Koronare Herzkrankheit (KHK) gibt.

Jedoch, hebt er hervor, sind die Ergebnisse der Studie nicht definitiv, weil sie eine beobachtende statt klinische Studie war. Eine Beobachtungsstudie misst Verbindungen oder Beziehungen (Korrelationen), aber kann nicht eine definitive Ursache und Wirkung angeben.

Risikofaktor Depression

Da Depression ein wichtiger Risikofaktor für Koronare Herzkrankheit, Morbidität und Sterblichkeit ist, könnten Frauen mit vermuteter KHK eine unzureichende Behandlung hinsichtlich einer Depression bekommen, sagte Dr. Krantz.

Antidepressiva könnten gegen diese Depressionen helfen. Jedoch, sollte dieser Schritt genau überlegt werden, da die Einnahme von Antidepressiva und Anxiolytika für einige Frauen tatsächlich schädlich sein kann.

Dr. Krantz sagte auch: Frauen mit vermuteter koronarer Herzerkrankung haben oft ungeklärten Brustschmerz, und traditionelle Diagnoseverfahren für KHK, zum Beispiel Koronarangiographie, können die Präsenz der Krankheit nicht offenbaren.

Ungeklärter Brustschmerz

Viele Frauen sind durch den ungeklärten Brustschmerz beunruhigt und ihnen werden dagegen diese Antidepressiva verordnet, sagte Dr. Krantz. Vorherige Befunde der WISE Studie zeigen, dass Frauen mit anhaltenden ungeklärten Brustschmerzen eine verminderte Lebensqualität haben.

Weil die WISE Studie keine klinische Studie ist, müssen Forscher sehr vorsichtig mit dem Schluss sein, dass Anxiolytika und Antidepressivamedikamente selbst für die Ergebnisse der WISE Studie verantwortlich sind; es könnten viele Faktoren damit verbunden sein.

Deshalb, sagte Krantz, müssen weitere Forschungsstudien untersuchen, ob Faktoren wie eine zugrunde liegende Depression und Angst, und nicht die Medikamente per se für diese Ergebnisse verantwortlich sein können. Diese Befunde betonen auch die Wichtigkeit von emotionalen und psychosozialen Faktoren bei Frauen mit verdächtigter koronarer Herzkrankheit.

Quelle: Uniformed Services University of the Health Sciences (USU) Jan. 2010

SSRI-Antidepressiva nicht mit kardiovaskulären Erkrankungen verbunden

24.03.2016 Eine in der Zeitschrift BMJ veröffentlichte Studie der University of Nottingham untersuchte, ob von den häufig verschriebenen selektiven Serontonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) eine erhöhte Gefahr für kardiovaskuläre Erkrankungen (wie Herzattacken und Schlaganfälle) ausgehen.

Es ist bekannt, dass Depression die Gefahr für diese kardiovaskulären Probleme erhöht, aber ob Antidepressiva - insbesondere SSRI - sie erhöht oder reduziert war bislang umstritten.

Herzinfarkte, Schlaganfälle, TIA, Arrhythmien

Die Studie analysierte medizinische Aufzeichnungen der UK QResearch Datenbank von 238.963 Patienten im Alter von 20-64 mit einer Depressionsdiagnose (zwischen 2000 und 2011). Die Patienten waren auf Herzinfarkte, Schlaganfälle oder transitorische ischämische Attacken (TIA) und Arrhythmien (unregelmäßiger Herzschlag) kontrolliert und bis 2012 überwacht worden.

medikamente-verschreibung

Die Forscher schauten sich die Antidepressiva-Klassen - inkl. trizyklische und ähnliche Antidepressiva (AD), selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer und andere Typen, sowie Dosierung und Dauer der Anwendung an. Faktoren wie Alter, Geschlecht, Tabakkonsum, Alkoholkonsum, Begleiterkrankungen und Verwendung anderer Medikamente wurden kontrolliert.

Kein erhöhtes Risiko

Die Studie fand keine Belege, dass SSRI mit einer erhöhten Gefahr für Arrhythmien, Herzattacken oder Schlaganfälle / TIA bei depressiven Menschen im Laufe der fünfjährigen Periode verbunden waren.

Aber es gab eine deutliche Verdopplung der Gefahr für Arrhythmien während der ersten vier Wochen der Einnahme von Trizyklika und ähnlichen AD, sagte Studienautorin Professorin Carol Coupland.

Risikoreduktion durch SSRI, bes. Fluoxetin

Außerdem fanden die Forscher, dass SSRI das Risiko für Herzinfarkte verringerten - insbesondere Fluoxetin. Die absoluten Risiken für Herzattacken waren sechs auf 10.000 bei SSRI pro Jahr, und vier pro 10.000 bei Fluoxetin im Vergleich zu 10 pro 10.000 bei Personen, die keine einnahmen.

Keine Arrhythmien durch Citalopram

Citalopram, das am häufigsten verschriebene Medikament unter den Patienten in der Studie konnte nicht mit einer erhöhten Gefahr für Arrhythmien selbst bei höheren Dosen in Verbindung gebracht werden. 2011 hatten die US und europäischen Arzneiaufsichtsbehörden Warnungen zur Einnahme hoher Dosen des Medikaments ausgegeben.

Die Autoren können jedoch die Möglichkeit eines erhöhten Risikos für Arrhythmien bei Patienten nicht ausschließen, die Citalopram in hohen Dosen nehmen, da es nur eine relativ kleine Zahl von Citalopram-Verschreibungen (18 Prozent) an hohen Dosen in dieser Studie gab. Sie empfehlen hohe Dosen nur Patienten ohne Risikofaktoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Nottingham, BMJ; März 2016

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