Antidepressiva bei/nach Herzinfarkt, Myokardinfarkt

Stimmungsaufhellende Psychopharmaka - Thymoleptika

Mit Antidepressiva behandelte Herzinfarkt-Patienten hatten schlechtere Ein-Jahres-Überlebensraten

12.05.2018 Herzinfarkt-Patienten, denen Antidepressiva verschrieben wurden, hatten niedrigere Ein-Jahres-Überlebensraten laut einer auf dem Acute Cardiovascular Care 2018 Congress vorgestellten Studie.

Studienautorin Nadia Fehr von der Universität Zürich sagte: Frühere Studien hätten gezeigt, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Wahrscheinlichkeit einer Depression erhöhen können.

Andererseits scheinen Depressionen die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sich kardiovaskuläre Risikofaktoren entwickeln. Allerdings ist wenig über die Auswirkungen der Depression auf den Krankheitsverlauf nach einem Herzinfarkt bekannt.

Krankheitsverlauf

herzinfarkt

Die aktuelle Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen der Verschreibung von Antidepressiva bei der Entlassung aus dem Krankenhaus und dem Einjahres-Krankheitsverlauf von Patienten mit akutem Myokardinfarkt (Herzinfarkt).

Die Daten von AMIS Plus, einem Register in der Schweiz für akute Myokardinfarkte, wurden für die Analyse von 8.911 Herzinfarktpatienten verwendet, die zwischen März 2005 und August 2016 in der Schweiz in Spitäler eingeliefert wurden. Die Patienten wurden 12 Monate nach der Entlassung telefonisch betreut.

Sterblichkeit, nachfolgende Herzinfarkte und Schlaganfälle

Die Forscher verglichen Patienten, die Antidepressiva nach der Entlassung erhielten, mit denen, die keine bekamen, in Bezug auf die Ausgangsmerkmale und die Ergebnisse nach einem Jahr einschließlich der Sterblichkeit, nachfolgenden Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Insgesamt 565 (6,3%) Patienten erhielten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus Antidepressiva. Im Vergleich zu denjenigen, die die Medikamente nicht erhielten, waren die mit Antidepressiva behandelten Patienten überwiegend weiblich, älter und hatten mit größerer Wahrscheinlichkeit Bluthochdruck, Diabetes, Dyslipidämie, Fettleibigkeit und andere Begleiterkrankungen.

Außerdem unterzogen sie sich mit geringerer Wahrscheinlichkeit einer perkutanen Koronarintervention oder erhielten eher seltener P2Y12-Blocker oder Statine, und sie blieben länger im Krankenhaus.

Nach der Anpassung an die Ausgangswerte fanden die Forscher heraus, dass die Schlaganfallraten und die nachfolgenden Herzinfarkte zwischen den beiden Gruppen ähnlich waren, aber die Patienten, denen Antidepressiva verschrieben wurden, hatten signifikant schlechtere Überlebenschancen.

Sterblichkeit (Mortalität)

Die Rate der Gesamtmortalität ein Jahr nach der Entlassung betrug 7,4% bei den Patienten, denen Antidepressiva verschrieben wurden, verglichen mit 3,4% bei denen, dies sie nicht erhielten (p<0,001).

Die Verschreibung von Antidepressiva war ein unabhängiger Prädiktor für die Sterblichkeit und erhöhte die Mortalitätsrate um 66% (Odds Ratio: 1,66; 95% Konfidenzintervall: 1,16 bis 2,39).

Dies war eine Beobachtungsstudie, so dass die Wissenschaftler nicht schlussfolgern können, dass Antidepressiva die höhere Sterblichkeitsrate verursacht haben, sagte Frau Fehr.

Weitere Forschungsarbeiten sind notwendig, um die Ursachen und die zugrundeliegenden pathologischen Mechanismen für die höhere Sterblichkeit, die die Forscher in dieser Patientengruppe beobachtet haben, zu identifizieren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Zürich; Acute Cardiovascular Care 2018 Congress; European Society of Cardiology

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