Antidepressiva bei Kindern, Jugendlichen

Stimmungsaufhellende Psychopharmaka - Thymoleptika

Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener AD bei Heranwachsenden

17.09.2017 Eine im Fachblatt JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie der Universität Basel untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener Antidepressiva-Gruppen bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit verschiedenen psychischen Erkrankungen.

Die Psychologen verglichen in ihrer Metaanalyse die Daten von 6.778 Kindern und Jugendlichen aus 36 Forschungsarbeiten zu Wirksamkeit und Sicherheit von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und Serotonin-Norepinephrin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) sowie Placebo bei häufigen psychiatrischen Störungen von Heranwachsenden (mittleres Alter knapp 13 Jahre).

Psychische Erkrankungen

Es wurden veröffentlichte und unveröffentlichte randomisierte klinische Studien mit SSRI oder SNRI bei Kindern/Jugendlichen mit depressiven Störungen (17), Angststörungen (10), Zwangserkrankungen (8) oder Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) (1) aufgenommen. Studien mit anderen Antidepressiva (z.B. trizyklische Antidepressiva, Monoaminoxidase-Hemmer) wurden ausgeschlossen.

Wirksamkeit

Die Analyse zeigte, dass SSRI und SNRI im Vergleich zu Placebo statistisch deutlich wirksamer die Symptome der psychischen Störungen linderten.

Der Effekt zeigte sich stärker bei der Behandlung von Angststörungen (g = 0,56) und nicht so ausgeprägt bei depressiven Störungen (g = 0,20 [Effektstärke - Hedges g]).

Dieser Unterschied wurde vor allem durch das Placebo-Ansprechen hervorgerufen, schreiben die Wissenschaftler: Patienten mit depressiven Störungen zeigten signifikant ein größeres Placebo-Ansprechen (g = 1,57) im Vergleich zu Patienten mit Angststörungen (g = 1,03). Die SSRI erzeugten eine relativ große Effektgröße bei Angststörungen (g = 0,71).

Nebenwirkungen

Verglichen mit Teilnehmern, die Placebo erhielten, berichteten mit Antidepressiva behandelte Patienten über mehr behandlungsbedingte Nebenwirkungen (Relatives Risiko: 1,07 bzw. 1,49; je nach Berichtsmethode), schwere unerwünschte Ereignisse (RR 1,76) oder Behandlungsabbrüche (RR 1,79).

Die Psychologinnen Dr. Cosima Locher und Helen Koechlin von der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie von der Fakultät für Psychologie schreiben, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Serotonin-Norepinephrin-Wiederaufnahmehemmer im Vergleich zu Placebo wirksamer sind, aber auch mehr Nebenwirkungen hätten.

Daher sei "es wichtig, das Verhältnis zwischen klinischem Nutzen und möglichen Nebenwirkungen im Gespräch mit dem behandelnden Arzt individuell abzuklären", schließen sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Basel, JAMA Psychiatry - doi:10.1001/jamapsychiatry.2017.2432; Sept. 2017

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