Behindern Antidepressiva die Fähigkeit, Angst zu überwinden?

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Antidepressiva - Komorbide Angststörung - Behandlung

11.06.2013 Ein interessanter neuer Bericht aus der Tierforschung sagt, dass die Behandlung mit Antidepressiva eine klinisch wichtige Form des Lernens beeinträchtigen könnte.

Auswirkungen von SSRI

Selektive Serotoninwiederaufnahme-Hemmer, abgekürzt SSRI (Selective serotonin reuptake inhibitors), sind Antidepressiva, die häufig bei Depression aber auch bei einigen Angststörungen eingesetzt werden. Doch die Wirkungen dieser Medikamente auf Lernen und Gedächtnis sind kaum bekannt.

In einer früheren Studie demonstrierten Nesha Burghardt von der New Yorker Universität und Kollegen, dass langfristige Einnahme von SSRIs die Angstkonditionierung bei Ratten beeinträchtigt.

Extinktionslernen bei Expositionstherapie

In der neuen Studie untersuchten die Forscher die Wirkungen antidepressiver Medikamente auf Extinktionslernen (Extinktion = Löschung) bei Ratten. Die Forscher konditionierten die Ratten durch furchtauslösende Geräusche, welches die Amygdala involviert. Die Amygdala ist eine Region des Gehirns, die äußerst wichtig für die Verarbeitung von Erinnerungen und Emotion ist.

Sie fanden, dass eine langfristige, jedoch nicht kurzfristige, Gabe von SSRI-Antidepressiva, das Extinktionslernen (also die Fähigkeit zu lernen, dass ein konditionierter Reiz nicht mehr ein aversives Ereignis ankündigt) beeinträchtigt.

SSRI können kontraproduktiv sein

"Diese Beeinträchtigung kann wichtige klinische Folgen haben, da extinktionsbasierte Expositionstherapie (auch Konfrontationstherapie genannt) oft verwendet wird, um Angststörungen zu behandeln, und Antidepressiva oft simultan eingesetzt werden", sagte Dr. Burghardt. "Auf Grundlage unserer Arbeit können behandlungsinduzierte Beeinträchtigungen beim Extinktionslernen die positiven Wirkungen von Expositionstherapie tatsächlich unterbrechen."

Dieser Befund stimmt mit den Ergebnissen mehrerer klinischer Studien überein, und sie zeigen, dass die gleichzeitige Behandlung den Nutzen von Expositionstherapie oder sogar die natürliche Belastbarkeit gegenüber der Wirkung von traumatischen Stress auf lange Sicht behindern kann.

Antidepressiva verringern bestimmte Rezeptoren

Die Autoren geben eine Erklärung für den Mechanismus für diese Wirkung auf das Angstlernen an. Sie berichten, dass die Antidepressiva die Zahl einer bestimmten Untereinheit des NMDA Rezeptors (NR2B) in der Amygdala verringerten. Der NMDA Rezeptor ist besonders am furchtgebundenen Lernen beteiligt, so dass die Forscher glauben, dass diese Reduktion zu den beobachteten Wirkungen beitrage.

Quelle: New York University, Juni 2013

Mehr zu: Depression, Angststörung.

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