Antizytokine / Anti-Cytokine gegen Depression

Medikamente gegen Depressionen

Antizytokine oder Anti-Cytokine sind Entzündungshemmer und werden (in klinischen Studien) zur Behandlung von Immunerkrankungen, Depression eingesetzt.

Entzündungshemmende Anti-Zytokine wirksam gegen Depressionssymptome

31.10.2016 Bestimmte entzündungshemmende Medikamente - sogenannte Antizytokine - die denen ähnlich sind, die bei Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Schuppenflechte eingesetzt werden, könnten in der Zukunft verwendet werden, um einige Fälle von Depression zu behandeln laut einer in Molecular Psychiatry veröffentlichten Studie, die damit auch das Immunssystem mit der psychischen Gesundheit verbindet.

Antidepressive Wirkung

Forscher vom Fachbereich für Psychiatrie an der Cambridge Universität analysierten die Ergebnisse von 20 klinischen Studien mit Antizytokinen, in denen eine Reihe von Autoimmunerkrankungen behandelt wurden.

Die Wissenschaftler konnten feststellen, dass es zu einer deutlichen antidepressiven Wirkung dieser Medikamente im Vergleich zu Placebo kam.

Inflammation

Wenn wir mit Grippe oder einem Magen-Darm-Erreger infiziert werden, setzt sich unser Immunsystem zur Wehr, um die Infektion zu kontrollieren und zu beseitigen. Während dieses Prozesses überschwemmen Immunzellen das Blut mit Proteinen - bekannt als Zytokine bzw. Cytokine. Dieser Prozess ist als systemische Inflammation oder Entzündung bekannt.

Selbst wenn wir gesund sind, tragen unsere Körper Spuren dieser Proteine - bekannt als 'entzündliche Marker' - die sich exponentiell als Reaktion auf eine Infektion erhöhen.

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Bild: George Hodan

Frühere Arbeiten des Teams zeigten, dass Kinder mit erhöhten täglichen Werten dieser Marker ein größeres Risiko für die Entwicklung von Depression und Psychose im Erwachsenalter haben, was nahelegt, dass das Immunsystem - besonders chronische niedergradige systemische Inflammation - eine Rolle bei psychische Krankheiten spielt.

Autoimmun-Entzündungen

Entzündung kann auch infolge des Immunsystems selbst auftreten, wenn dieses fälschlicherweise gesunde Zellen mit infizierten verwechselt und den Körper angreift, was zu autoimmun-inflammatorischen Krankheiten wie rheumatische Arthritis, Schuppenflechte (Psoriasis) und Morbus Crohn führen kann.

Neue Typen entzündungshemmender Medikamente - genannt anticytokine monoklonale Antikörper und zytokine Hemmer wurden kürzlich entwickelt, von denen einige jetzt bei Patienten alltäglich verwendet werden, die schlecht auf herkömmliche Behandlungen ansprechen. Viele weitere werden derzeit untersucht, um Wirkung und Sicherheit zu prüfen.

Symptomverbesserungen unabhängig von körperlicher Erkrankung

Die Forscher führten eine Meta-Analyse dieser klinischen Studien aus und fanden, dass die Antizytokine zu einer Verbesserung bei der Schwere der depressiven Symptome unabhängig der Verbesserungen bei den körperlichen Krankheiten führte.

Mit anderen Worten: Unabhängig davon, ob das Medikament erfolgreich z.B. rheumatoide Arthritis behandelte, half es, die depressiven Symptome eines Patienten zu verbessern.

Entzündung und Depression

Studienleiter Dr. Golam Khandaker sagte, dass Inflammation eine Rolle bei Depression zumindest für einige Menschen spielt, und die neuen Befunde auf den Nutzen einiger entzündungshemmender Medikamente weisen. Diese sind jedoch nicht mit täglich verwendeten Entzündungshemmern wie Ibuprofen zu verwechseln.

Doch erst weitere klinische Studien können sagen, ob die Antizytokine in der klinischen Praxis eingesetzt werden können, und wie effektiv sie sind, sagte Koautor Prof. Peter Jones. Auch können einige potenziell schwere Nebenwirkungen haben, die erst untersucht werden müssen.

Hoffnung für behandlungsresistente Patienten

Die Forscher nehmen aber an, dass die entzündungshemmenden Anticytokine Hoffnung für Patienten bieten können, die nicht auf die gegenwärtigen Antidepressiva ansprechen.

Etwa ein Drittel der Patienten, die resistent gegen Antidepressiva sind, zeigen Hinweise auf eine Entzündung, fügte Dr. Khandaker hinzu. Also könnten Entzündungshemmer für viele depressive Menschen relevant sein.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Cambridge Universität, Molecular Psychiatry - DOI: 10.1038/mp.2016.167; Okt. 2016

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