Erythropoetin (EPO)
Psyche, Gehirn, Depression

Erythropoetin - Synonyme Erythropoietin, Epoetin, EPO oder Epo, Hämatopoetin) ist ein Glykoprotein-Hormon, das als Wachstumsfaktor für die Bildung roter Blutkörperchen während der Blutbildung von Bedeutung ist.

Handelsnamen sind: Abseamed, Binocrit, Epoetin alfa HEXAL, Erypo (Epoetin alfa); NeoRecormon (Epoetin beta); Retacrit, Silapo (Epoetin zeta); Biopoin, Eporatio (Epoetin theta).

Bei Depression, Bipolare Störung

24.09.2016 Laut einer im Fachblatt European Neuropsychopharmacology vorgestellten Studie der Universität Kopenhagen hat herausgefunden, dass das Hormon Erythropoietin (EPO) die kognitiven Funktionen bei Patienten verbessern kann, die unter einer Bipolaren Störung oder Depression leiden.

Blutproduktion und Dopingmittel

Bis zu 70 Prozent der Patienten in Remission bei Bipolarer Störung und bis zu 40 Prozent bei Depression haben dennoch kognitive Probleme, sagen die Experten. Zurzeit gibt es keine verfügbare wirksame Behandlung, um die kognitiven Funktionsstörungen des Gehirns bei diesen Patienten zu behandeln.

epo
Bild: R.S.Syed et al., 3D-Oberflächenmodell

Das Glykoprotein-Hormon Erythropoietin, das größtenteils durch die Niere erzeugt wird, ist für die Produktion von roten Blutzellen notwendig. EPO erlaubt dem Blut mehr Sauerstoff aufzunehmen und zu transportieren, was es besonders attraktiv als leistungssteigerndes Dopingmittel bei Ausdauersportlern macht. Medizinisch wird rekombinantes EPO für die Behandlung der Anämie eingesetzt.

Kognitive Probleme, Funktionsstörungen

Die meisten Menschen denken bei affektiven Störungen wie Bipolarer Störung oder Depression an Erkrankungen, die die Stimmung beeinflussen; aber tatsächlich beeinträchtigen sie auch die kognitiven Funktionen - wie schnell und wie gut ein Gehirn arbeitet.

Diese Verlangsamung im Denken kann ernste Effekte auf die Betroffenen haben, was es schwieriger machen kann, einen Job zu behalten, eine Prüfung zu bestehen oder eine Beziehung aufrechtzuerhalten.

Nun hat eine Gruppe dänischer Wissenschaftler vom psychiatrischen Zentrum von Kopenhagen des Kopenhagen Universitätskrankenhaus entdeckt, dass EPO helfen kann, die kognitiven Funktionen bei Patienten wieder herzustellen, die unter diesen mentalen Störungen leiden.

Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Planungsfähigkeit

In zwei randomisierten Studien bewerteten die Forscher die kognitiven Funktionen bei 79 Patienten, die unter Depression oder Bipolarer Störung litten. Sie gaben 40 der Patienten für 9 Wochen Erythropoietin, den restlichen 39 ein Placebo.

Es stellte sich heraus, EPO vorteilhafte Effekte auf das Abschneiden bei einer Reihe von kognitiven Tests hatte, einschließlich Tests des verbalen Gedächtnisses, der Aufmerksamkeitsspanne und der Planungsfähigkeit.

Die Tests zeigten, dass diese Verbesserungen für mindestens 6 Wochen nach dem Ende der Behandlung anhielten (dies war das längste Follow-Up in den Studien).

Die leitende Forscherin Dr. Kamilla Miskowiak sagte, dass die Patienten unter EPO eine fünfmal größere kognitive Verbesserung von ihrem individuellen Grundlinien-Niveau im Vergleich zur Placebo-Gruppe zeigten. Mit Erythropoietin behandelte Patienten demonstrierten eine Verbesserung bei den Werten von 11% im Vergleich zu 2% unter Placebo.

Behandlung von kognitiv besonders Beeinträchtigten

Interessanterweise zeigten Patienten, die besonders schlecht bei den neuropsychologischen Tests abschnitten, bemerkenswert größere kognitive Gewinne, wenn sie EPO erhielten. Miskowiak sagte, dies sei deshalb interessant, weil Behandler Patienten für die EPO-Therapie aufgrund deren Abschneiden bei neupsychologischen Tests qualifizieren könnten.

Doch diese Resultate müssen erst in größeren Studien repliziert werden, um die Dosis, Häufigkeit etc. zu bestimmen, sagte sie.

Mögliche Risiken

EPO wird bereits medizinisch eingesetzt, und es ist bereits vieles über die Sicherheit des Medikaments bekannt. Obwohl Erythropoietin generell sicher ist, wenn die roten Blutzellwerte der Patienten regelmäßig kontrolliert werden, gibt es bestimmte Gruppen, für die die Gefahr von Blutgerinnsel bestehen - zum Beispiel: Personen, die rauchen oder vorher schon Blutgerinnsel hatten. Obwohl diese Ergebnisse vielversprechend sind, ist die EPO-Behandlung noch nicht generell einsatzbereit, sagte sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Kopenhagen, European Neuropsychopharmacology - DOI: 10.1016/j.euroneuro.2016.05.009; Sept. 2016

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