Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)

Stimmungsaufhellende Psychopharmaka - Thymoleptika

Die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer hemmen selektiv (also insbesondere) die Rezeptoren, die für die Wiederaufnahme des Transmitters Serotonin zuständig sind. Da es keinen Eingriff in andere Transmittersysteme gibt, sind die verursachten Nebenwirkungen bei der SSRI-Behandlung andere als die der trizyklischen Antidepressiva bzw. die der NSMRI: Non Selective Monoamine Reuptake Inhibitor bzw. Nichtselektive Monoamin-Wiederaufnahme-Hemmer.

Wirkung

SSRI sind die am häufigsten eingesetzten Antidepressiva. Die Wirkung der SSRI auf Depressionen hängt von der Schwere der Depression ab. Bei leichten Depressionen sind in verschiedenen Untersuchungen keine signifikante Erhöhung der Wirksamkeit gegenüber Placebos (Zuckerpillen) festgestellt worden. Bei schwereren Depressionen, z.B. Major Depression sprechen 50-75 Prozent der Depressiven auf SSRI's an, etwa 25-33 Prozent auf Placebo. Mehr zur Wirkung bzw. wie sie funktionieren.

Nebenwirkungen

Schon kurz nach Einführung der ersten Wirkstoffe der Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer wurden gewalttätiges Verhalten und Suizide unter SSRI-Einfluss gemeldet; suizidalitätssteigernde Wirkungen dieser Substanzen werden angenommen (sind aber inzwischen durch Studien widerlegt). Beim Absetzen von Selektiven Serotoninwiederaufnahme-Hemmer nach längerer Einnahme kann sich ein Absetzsyndrom (SSRI Discontinuation Syndrome) entwickeln. Eine Sucht nach Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer entsprechend der DSM-IV-Definition scheint es nicht zu sein.

Mehr zu den Nebenwirkungen

Liste der SSRI-Wirkstoffe

Warnung vor Einsatz bei Kindern und Jugendlichen

Die medizinische Regulierungsbehörde der EU hat eine Warnung mit hoher Dringlichkeit betreffend Antidepressiva herausgegeben. Es sollen Ärzte und Eltern gewarnt werden, da zwei Arten von Antidepressiva besonders für Kinder und Jugendliche gefährlich wären.

Ein Experten-Kommittee stellte fest, dass Prozac-ähnliche Serotonin Wiederaufnahme Hemmer (SSRI) und Serotonin-Norepinephrine Wiederaufnahme Hemmer (SNRI) mit erhöhtem Suizidverhalten und feindseligem Verhalten in Verbindung zu bringen seien.

"Es sei daher eine Dringlichkeitswarnung an sämtliche Länder der EU herauszugeben, an alle Ärzte und Eltern. Ihnen sei anzuraten diese Antidepressiva nicht Kindern und Jugendlichen zu geben."

Diese Warnung ist das letzte Zeichen einer weltweiten Abkehr vom Gebrauch von Prozac-typ Pillen bei Kindern und Jugendlichen aufgrund der Beweise, dass diese Antidepressiva suizidales und aggressives Verhalten fördern.

Die meisten dieser Antidepressiva seien nur für den Gebrauch bei Erwachsenen geprüft worden. Doch die Ärzte hätten sie manchmal auch gegen die Gebrauchshinweise bei Kindern angewandt.

Einige der Antidepressiva seien auch für den Gebrauch bei Kindern bei z.B. Hyperaktivität zugelassen (Eli Lilly and Co's Strattera). Der Sprecher der EU Martin Harvey sagte, die neuen Warnungen sollten nicht die Anwendung in solchen Fällen blockieren.

Im Fall von Strattera, sagte Harvey: es gäbe keine Verbindung zu suizidalen Verhaltensweisen, aber die Experten meinten, dass dieses Antidepressivum einen Warnhinweis auf Nebenwirkungen wie aggressives und feindseliges Verhalten tragen sollte.

Die Warnungen schlossen folgende Antidepressiva ein:

  1. GlaxoSmithKline Plc's Paxil, oder Seroxat;
  2. Lundbeck's Antidepressiva Celexa und Lexapro;
  3. Pfizer Inc's Zoloft;
  4. Wyeth's Efexor;
  5. Akzo Nobel's Remeron; und zwei andere Antidepressiva von
  6. Lilly, Cymbalta and Prozac.

© PSYLEX.de - Quelle: London Reuters - 25 April 2005

Beeinträchtigung der Spermienqualität durch SSRI

Das BfArM hat einen Bescheid erlassen, nach dem Fach- und Gebrauchsinformationen zu Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI) hinsichtlich der Nebenwirkung der reversiblen Beeinträchtigung der Spermienqualität geändert werden sollen.

Aufgrund der Empfehlung der Pharmakovigilanz-Arbeitsgruppe des Ausschusses für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittelagentur hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte den Bescheid für folgende Antidepressiva erlassen:

Änderung der Fachinformation:
Im Abschnitt 4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit soll darauf hingewiesen werden, dass es in tierexperimentellen Studien zu einer Beeinträchtigung der Spermienqualität gekommen ist, die jedoch beim Menschen reversibel zu sein scheint.

Änderung der Gebrauchsinformation:
Im Abschnitt Schwangerschaft, Stillzeit und Zeugungsfähigkeit soll auf die mögliche Qualitätsminderung der Spermien hingewiesen werden, die theoretisch die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen könnte, wobei jedoch bislang beim Menschen keine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit festgestellt werden konnte.

© PSYLEX.de - Quelle: BfArM, Mai 2013

Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer und gastrointestinale Blutungen

Obere gastrointestinale Blutungen

Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) werden mit einem gesteigerten Risiko für Blutungen mit Ursprung im Verdauungstrakt oberhalb des distalen Duodenums verbunden.

Es wird gewarnt, dass diese Medikamente bei Patienten zu verschreiben, mit einem erhöhtem Risiko für diese Art zu bluten verbunden ist, laut Dezemberausgabe von Clinical Gastroenterology and Hepatology.

Michael Dall, M.D. von der Universität Süddänemark in Odense und Kollegen analysierten Daten von 3.652 Patienten von ins Krankenhaus eingewiesene Patienten mit peptischem Geschwür oder Magenschleimhautentzündung mit bedeutsamer Blutung, wie auch mehr als 36.000 Kontrollpersonen.

Erhöhtes Risiko bei SSRIs

Allein

Die Forscher stellten fest, dass gegenwärtige, neue und frühere Benutzer von Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer ein höheres Risiko oberer gastrointestinaler Blutung hatten, (relative Risiken 1.67, 1.88 und 1.22).

Mit Nicht-steroidalen Entzündungshemmern

Die gleichzeitige Einnahme von SSRIs und nicht-steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten waren mit einem noch höheren Risiko (relatives Risiko, 8.0) verbunden.

Wirkmechanismus

"Mehrere Fallberichte zeigten, dass Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer Blutungen herbeiführen können. Der pharmakologische Mechanismus, der dieser potentiellen Nebenwirkung zugrundeliegt, ist gut beschrieben. Die Freigabe von Serotonin (5-HT) in Blutplättchen ist für ihre Ansammlung wichtig.

Blutplättchen sind außerstande Serotonin zu synthetisieren, die durch die Zirkulation von Serotonintransportern aufgenommen werden. SSRI hemmen diese Transporte und senken das Serotoninniveau nach mehreren Wochen der Behandlung in den Plättchen", schreiben die Autoren.

"Der Entschluss, einen Patienten mit Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer zu behandeln, sollte sehr sorgfältig bei Patienten mit hohem Risiko oberer gastrointestinaler Blutung und bei Benutzern von ulcerogenen Medikamenten überdacht werden."

Zwei Mitautoren berichteten von finanziellen Beziehungen zu AstraZeneca wie auch anderen Pharmakonzernen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Clinical Gastroenterology and Hepatology; Dez 2009

Essen von Fisch verbessert Reaktion auf Antidepressiva

21.10.2014 Fast die Hälfte der Depressiven reagieren nicht auf die Behandlung mit SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer). In einer neuen Studie konnte gezeigt werden, dass die Reaktionsrate auf diese Antidepressiva durch das Essen von fettem Fisch verbessert wurde.

Forscher Roel Mocking von der Universiteit van Amsterdam präsentierte die Befunde auf dem Kongress des European College of Neuropsychopharmacology in Berlin.

Fettsäurestoffwechsel und Stresshormonregulation

Die Wissenschaftler suchten nach biologischen Veränderungen, die die fehlende Reaktion bei vielen Depressiven auf diese Antidepressiva erklären würden; deshalb kombinierten sie zwei offenbar nicht verbundene Maße: die Verstoffwechselung von Fettsäuren und die Stresshormonregulation.

Interessanterweise entdeckten sie, dass depressive Patienten einen veränderten Fettsäurestoffwechsel hatten, und dass dieser veränderte Metabolismus auf eine unterschiedliche Weise von den Stresshormonen reguliert wurde.

Die Forscher sahen sich die Beziehung zwischen Depression und Fettsäuren und verschiedenen Hormonen einschließlich des Stresshormons Cortisols an. Sie verglichen das Fettsäureniveau und das Cortisolniveau von 70 depressiven Patienten und 51 gesunden Kontrollteilnehmern. Die depressiven Teilnehmer erhielten täglich 20 mg SSRI 6 Wochen lang, und bei denjenigen, die nicht auf die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer reagierten, wurde die Dosis allmählich auf bis zu 50 mg/Tag gesteigert. Fettsäure- und Cortisolspiegel wurden während des Versuchs gemessen.

Fetter Fisch in Ernährung

Sie stellten fest, dass die depressiven Teilnehmer, die nicht auf das SSRI reagierten, eher einen anormalen Fettsäurestoffwechsel hatten. Also überprüften die Wissenschaftler die Ernährungsgewohnheiten aller, die am Versuch teilnahmen. Fetter Fisch ist reich an Fettsäuren (wie Omega-3 DHA). Die Forscher sahen sich also die Menge an fettem Fisch in der Ernährung bei den Studienteilnehmern an.

Sie kategorisierten die Patienten in 4 Gruppen entsprechend ihrer Aufnahme von fettem Fisch.

Sie stellten fest, dass diejenigen, die am wenigsten Fisch zu sich nahmen, am schlechtesten auf Antidepressiva reagierten, während die Teilnehmer, die den meisten Fisch aßen, am besten auf diese Medikamente reagierten. Jene, die mindestens einmal in der Woche fetten Fisch aßen, zeigten eine 75%ige Wahrscheinlichkeit, auf die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zu reagieren, während diejenigen, die nie fetten Fisch aßen, nur eine 23%ige Wahrscheinlichkeit hatten, auf Antidepressiva zu reagieren.

"Dies bedeutet, dass die Veränderungen im Fettsäurestoffwechsel (und der Beziehung zur Stresshormonregulation) mit der zukünftigen antidepressiven Reaktion verbunden war. Wichtig ist, dass diese Verbindung mit dem Essen von fettem Fisch zusammenhing, welcher eine wichtige Ernährungsquelle für Omega-3 Fettsäuren ist.

Zeichen und Behandlung

Diese Befunde legen nahe, dass die Maße von Fettsäurestoffwechsel und ihrer Verbindung mit der Stresshormonregulierung in der Klinik als ein frühes Zeichen zukünftiger antidepressiver Reaktion von Nutzen sein könnte. Außerdem könnte der Fettsäurestoffwechsel durch das Essen von Fisch beeinflusst werden, was die antidepressiven Reaktionsraten verbessern könnte".

"Bislang ist dies ein Zusammenhang zwischen Fettsäuren im Blut und der Reaktion auf SSRI; es ist also nicht unbedingt eine kausale Wirkung. Wir werden als nächstes einen Blick darauf werfen, ob diese Veränderungen bei Fettsäurestoffwechsel und hormonaler Aktivität auf die Depression beschränkt sind; wir werden diese Messungen bei Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen und Schizophrenie wiederholen", sagte Mocking.

© PSYLEX.de - Quelle: European College of Neuropsychopharmacology / Universiteit van Amsterdam, Oktober 2014

Anm.: Das Essen - gerade von fettem - Fisch sollte nicht mehr empfohlen werden, angesichts der heutigen Schadstoffbelastung der Fische.

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