Antidepressiva: Stillen, Stillzeit

Stimmungsaufhellende Psychopharmaka - Thymoleptika

Komplikationen beim Stillen mit SSRI

Stimmungsaufhellende Psychopharmaka - Thymoleptika

Die oft zum Einsatz kommende Klasse von Antidepressiva, genannt 'Selektive Serotonin Wiederaufnahme Hemmer', kann die Verzögerung der Milchabsonderung bei neuen Müttern verursachen, was bedeutet, dass sie zusätzliche Unterstützung brauchen könnten, wenn sie ihre Babys mit der Brust stillen wollen, sagt eine neue Studie.

Stillen abhängig vom Hormon Serotonin

Die Forscher stellten fest, dass SSRI-Antidepressiva die sekretorische Aktivierung verzögern.

Die Brustdrüsen sind Serotonin-regulierte Drüsen, was bedeutet, dass die Fähigkeit der Brüste zur richtigen Zeit Milch abzusondern, eng mit der Produktion und Regulation des Hormons Serotonin im Körper verbunden ist, sagt Studienautor Nelson Horseman, Universität Cincinnati, in einer News-Ausgabe von Endocrine Society.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer machen Probleme

Dies bedeute, dass Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer "Einfluss nehmen können auf die Serotonin-Regelung in der Brust, mit größeren Risiken für eine Verzögerung bei der Bereitstellung eines vollen Milchangebots bei neuen Müttern."

Verzögerung durch SSRI

Horseman und Kollegen prüften die Wirkungen von SSRI Medikamenten auf die Milchabsonderung unter Verwendung von Laboruntersuchungen von Menschen- und Tierzelllinien. Sie beurteilten die Wirkung der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer bei 431 neuen Müttern und stellten fest, dass der mittlere Beginn der Milchabsonderung bei 85,8 Stunden nach der Geburt bei jenen lag, die Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer einnahmen, verglichen mit 69,1 Stunden bei denen, die diese Antidepressiva nicht nahmen.

"Weitere menschliche Forschungsstudien sind erforderlich, bevor wir bestimmte Empfehlungen machen können, die den Einsatz von SSRI während des Stillens mit der Brust betreffen."

Quelle: Journal of Clinical Endocrinology & Metabolisms, Jan. 2010

Probleme in der Stillzeit

Eine neue Studie hat herausgefunden, dass Frauen, die während der Schwangerschaft häufig verschriebene Antidepressiva einnehmen, bedeutend weniger wahrscheinlich ihre Babys stillen können.

Forscher der University of California, San Diego School of Medicine untersuchten Daten u.a. aus der Stillzeit, die durch Schwangerschaftsberatungsstellen erhoben wurden. Sie folgten zehn Jahre 466 schwangeren Frauen, die sich an die Schwangerschaftsberatungen wandten.

Die Studie untersuchte insbesondere das Stillen von Frauen, die sich bestimmten Antidepressiva, den SSRI (Selective Serotonin Reuptake Inhibitor - Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) zur Zeit der Geburt ausgesetzt hatten, und verglichen sie mit denjenigen, die diese Antidepressiva (AD) früher in der Schwangerschaft absetzten, und mit Frauen, die überhaupt keine AD eingenommen hatten.

Schadet das Stillen dem Baby?

Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen, die zu irgendeiner Zeit in der Schwangerschaft SSRI-Antidepressiva einnahmen, eine 60% geringere Wahrscheinlichkeit hatten, stillen zu können, als Frauen, die kein Antidepressivum nahmen.

Während der Vorteil des Stillens für den Säugling ziemlich klar ist, zeigt diese Studie, dass Frauen, die AD in der Schwangerschaft einnehmen, dieses nicht so oft praktizieren können, wie wir es gerne in der Stillzeit hätten, sagte Christina Chambers Ph.D., MPH, Professorin für Pädiatrie der UC San Diego School of Medicine und Mitautorin der Studie.

"Ob dies durch die Furcht davor geschieht, ihrem Baby durch das Stillen Schaden zuzufügen, wenn sie Psychopharmaka einnehmen, oder weil die Depression der Mutter selbst dies verursacht, ist unklar."

Die Forscher glauben, dass Frauen, die depressive Störungen haben und/oder Antidepressiva in der Schwangerschaft einnehmen, und ihren Säugling stillen möchten, zusätzliche Ermutigung und Unterstützung benötigen.
Quelle: The Journal of Human Lactation. März 2012

Studie stellt frühere Erkenntnisse in Frage, dass Antidepressiva das Stillen beeinflussen

17.06.2018 Eine neue im British Journal of Clinical Pharmacology publizierte Studie unterstützt nicht die zuvor beobachteten negativen Auswirkungen von Antidepressiva auf das Stillen.

Geringere Milchproduktion?

bruststillung
Bild: Ken Hammond

Dr. Luke Grzeskowiak von der australischen Universität Adelaide und Kollegen untersuchten den Einsatz von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern in der späten Schwangerschaft und konnten keine Verbindung mit einem erhöhten Risiko für eine geringe Milchproduktion finden.

Die Studie ergab jedoch, dass Frauen mit einer psychiatrischen Grunderkrankung das größte Risiko für eine geringere Milchmenge hatten.

Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Frauen mit psychischen Störungen über das Stillen aufzuklären und sie zu unterstützen, schreiben die Forscher. Die retrospektive Studie umfasste 3.024 Frauen, die zwischen 2004 und 2008 lebende Frühgeborene zur Welt brachten.

Entscheidungen über den Einsatz von Antidepressiva in der Stillzeit können herausfordernd sein, aber diese Ergebnisse unterstützen den weiteren Einsatz von Antidepressiva in dieser kritischen Zeit der Mutter-Kind-Bindung, schreiben die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: British Journal of Clinical Pharmacology, 2018; DOI: 10.1111/bcp.13575

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Stillzeit

25.03.2015 Kommentar von Crybaby:

Vielleicht sollten sie auch darin unterstützt werden, ihre Säuglinge nicht zu stillen, da die SSRI wohl kaum für die Gesundheit der Babys förderlich sein können, wenn das Absetzen dieser Psychopharmaka noch nicht so weit zurückliegt.

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