Antipsychotika / Neuroleptika bei Kindern, Jugendlichen

Antipsychotisch wirkende Psychopharmaka

Stoffwechseleffekte von antipsychotischen Medikamenten bei Heranwachsenden

25.06.2018 Psychiater wissen, dass mit antipsychotischen Medikamenten (Neuroleptika) behandelte Patienten tendenziell Gewicht zunehmen.

Nun zeigt eine im Fachblatt JAMA Psychiatry veröffentlichte Forschungsarbeit, dass mit Antipsychotika behandelte Kinder und Jugendliche bereits nach 12 Wochen deutliche Zuwächse an Körperfett verzeichnen und auch weniger sensitiv auf Insulin reagieren.

Oft bei ADHS verschrieben, wenn keine andere Behandlungsoptionen

neuroleptika

Obgleich ursprünglich entwickelt und genehmigt, um Erkrankungen wie pädiatrische Schizophrenie zu behandeln, werden antipsychotische Medikamente vielen Jugendlichen zunehmend auch bei Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verschrieben, wenn sie nicht auf Psychostimulanzien wie Ritalin ansprechen.

Die Forscher untersuchten 144 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren, denen antipsychotische Medikamente zur Behandlung von Verhaltensstörungen verschrieben wurden. Die Heranwachsenden in der Studie erhielten randomisiert eines von drei Antipsychotika: Aripiprazol, Olanzapin oder Risperidon.

Körperfett und Insulinempfindlichkeit

Mit Hilfe der Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DEXA) maßen die Forscher das gesamte Körperfett der Patienten, bevor ihnen Antipsychotika verschrieben wurden, sowie nach sechs und 12 Wochen Behandlung (Ende der Behandlung).

Die Kinder und Jugendlichen wurden zu Beginn der Studie und 12 Wochen später auch mit MRT untersucht, um deren subkutanes und viszerales Fett im Bauchraum zu messen - bekannte Risikofaktoren für Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auch die Insulinempfindlichkeit der Kinder wurde zu Beginn und am Ende der 12-wöchigen Studienzeit gemessen.

Zu Beginn der Studie waren etwa 30 Prozent der Heranwachsenden in unserer Stichprobe übergewichtig oder fettleibig, das ist genau die gleiche Rate, die wir in der allgemeinen Bevölkerung sehen, sagte Dr. John W. Newcomer von der Universität Florida Atlantic.

Erhöhte Gewichtszunahme

Aber nach nur 12 Wochen Behandlung sprang die Rate derjenigen, die als übergewichtig oder fettleibig galten, auf 46,5 Prozent.

Olanzapin sorgte für die größten Zunahmen des Körperfetts, aber auch die anderen beiden Medikamente erzeugten Gewichtszunahmen.

Die DEXA-Scans zeigten, dass etwa die Hälfte der Gewichtserhöhung aus Wasser und die Hälfte aus neuem Fett bestand.

Abnahme der Insulinempfindlichkeit

Die Forscher konnten auch eine Abnahme der Insulinempfindlichkeit feststellen.

Die Zunahme an Körperfett und die Verringerung der Insulinsensitivität wurden beobachtet unabhängig davon, ob die Jugendlichen Stimulanzien einnahmen oder nicht.

Dies ist zu beachten, trotz der Tatsache, dass viele Kinder unter Ritalin oder anderen Psychostimulanzien Gewicht verlieren oder langsamer wachsen als ihre Altersgenossen, die diese Medikamente nicht nehmen, schreiben die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: JAMA Psychiatry. Published online June 13, 2018. doi:10.1001/jamapsychiatry.2018.1088

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