Off-Label Gebrauch: Atypische Antipsychotika

Antipsychotisch wirkende Psychopharmaka

Zweifel an Wirksamkeit

Neuere antipsychotische Medikamente, die für die Behandlung von Schizophrenie und bipolare Störungen genehmigt wurden, werden Millionen von US-Amerikanern bei Depression, Demenz und andere psychische Störungen verordnet.

Eine neue Analyse von Agency for Healthcare Research Quality findet keine signifikanten Belege dafür, dass die Medikamente bei diesen (Off-Label) Behandlungen wirksam sind.

Die Untersuchung der Wirksamkeit dieser Medikamente - sogenannte atypische Antipsychotika - identifizierte das Potential der Psychopharmaka für ernste Nebenwirkungen, und somit einen "dringenden Bedarf" nach mehr Forschung, da sie bei immer mehr Patienten mit Demenz eingesetzt werden.

"Dieser Bericht hebt die Wichtigkeit hervor, die Risiken und den Nutzen der verschiedenen Medikamente zu verstehen", sagte AHRQ Direktorin Carolyn M. Clancy, M.D.

"Vorsicht ist bei der Off-Label Verwendung von atypischen Antipsychotika besonders angebracht, wenn sie bei älteren eingesetzt werden und wenn die Belege für die Wirksamkeit nicht gut sind."

Atypische Antipsychotika sind Erzeugnisse der 2. Generation, die dafür entworfen wurden, weniger neurologische Komplikationen als konventionelle Antipsychotika zu verursachen.

Atypische Antipsychotika

Typische Vertreter sind:

Jedes ist von der Food and Drug Administration genehmigt, um Schizophrenie und bipolare Störung zu behandeln, und Risperidon wurde auch genehmigt, um Reizbarkeit bei Kindern zu behandeln, Alter 5 bis 16, die Autismus haben.

"Einige Studien sagen, atypische Antipsychotika können Patienten mit den psychischen Störungen helfen, für welche es keine von der FDA genehmigten Alternativen gibt. Risperidon und Quetiapin helfen zum Beispiel bestimmten Patienten mit Zwangsstörungen, wenn sie in Verbindung mit Antidepressiva eingesetzt werden.

Risperidon und Olanzapin verbessern Schlafprobleme, Depression und andere Symptome bei Männern mit kampfgebundener posttraumatischer Belastungsstörung, wenn sie in der Therapie durch Antidepressiva oder anderen psychotropen Medikamenten erweitert werden.

Ungenügende Belege für Off-Label Einsatz

Allgemein fanden die Forscher jedoch, dass die wissenschaftlichen Belege zum Off-Label Gebrauch von Antipsychotika von unzulänglicher Qualität waren, weil die Studien zu klein waren oder ihnen wissenschaftliche Strenge fehlten.

Die Studienautoren, die die potentiellen Nutzen und Risiken der Medikamente beurteilten, fanden starke Belege dafür, dass die atypischen Antipsychotika die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen steigern. Manche der Medikamente erhöhen die Risiken für Schlaganfall, Tremor, bedeutsame Gewichtszunahme, Schläfrigkeit/Müdigkeit und gastrointestinale Probleme.

Die neue Überprüfung wurde von AHRQs wirksamen Gesundheitsversorgungsprogramm ausgeführt. Sie wurde von AHRQ's Southern California/RAND Evidence-based Practice Center verfasst. Das Zentrum prüfte 84 herausgegebene Studien über atypische Antipsychotika und fasste die Belege zu mehreren Erkrankungen folgendermaßen zusamen:

Einsatz bei folgenden Erkrankungen und Störungen

Demenz

Demenz: Eine Analyse zeigte einen kleinen Nutzen bei Risperidon und Aripiprazol bei der Behandlung von Erregung und Psychose. Eine andere zeigte, dass Olanzapin bei Psychosen helfen kann.

Aber eine große klinische Studie, die erforschte, ob Risperidon, Olanzapin und Quetiapin Verhaltensstörungen bei Alzheimer Patienten kontrollierten, schloss, dass die Risiken ungünstiger Ereignissen die potentiellen Nutzen ausgleichen. Insgesamt identifizierten die Analysen potentielle Schäden, wie eine leichte Anhebung des Risikos für Tod und gesteigerte Wahrscheinlichkeit für Schlaganfall, neurologische Probleme (wie Tremor oder Muskelkontraktionen) und Gewichtszunahme.

Depression

Depression: Für Patienten, die nicht von selektiven Serotonin Wiederaufnahmehemmern profitieren (SSRIs), war die ergänzende Verwendung von atypischen Antipsychotika nicht hilfreich. Keine der Studien zeigte, dass die Medikamente einen klaren Nutzen für Patienten mit größerer depressiver Störung mit psychotischen Merkmalen lieferten. Die Belege widersprechen sich für bipolare Depression.

Zwangsstörungen

Zwangsstörungen: atypische Antipsychotika halfen Patienten, die nicht adäquat auf selektive Serotonin Wiederaufnahmehemmer, SSRI-Therapie ansprachen. Insgesamt hatten Patienten, die die Medikamente nahmen, eine etwa 2,7-mal so grosse Wahrscheinlichkeit eine Verbesserung zu erwarten, als Patienten die Placebos nahmen. Die Chancen zu profitieren waren am besten bei Risperidon und Quetiapin.

Posttraumatische Belastungsstörung

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): bei Studien über Männer, die durch Kampfhandlungen posttraumatische Belastungsstörung bekamen, zeigten Risperidon und Olanzapin, wenn sie mit Antidepressiva oder anderen psychotropen Medikamenten verordnet wurden, Verbesserungen bei der Qualität des Schlafs, weniger Ängste und andere Symptome. Studien bei Frauen zeigten keine konkreten Ergebnisse.

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen: Für Patienten mit Borderline Persönlichkeitsstörung zeigte eine Studie, dass Olanzapin wirksamer als das Placebo war; aber der gezeigte Nutzen war kleiner, als bei einer supportiven Therapie. Alle Studien zu Olanzapin waren sehr klein, und die Patienten zeigten eine bedeutende Gewichtszunahme. Zwei andere kleine Untersuchungen sagten, dass Risperidon Patienten mit schizotypischer Persönlichkeitsstörung nützen kann, und Aripiprazol konnte Patienten mit Borderline Persönlichkeitsstörung helfen.

Tourette Syndrom

Tourette Syndrom: Risperidon war bei Tourette Syndrom wirksamer als das Placebo, laut einer kleinen Studie. Der Nutzen von Ziprasidon ist unsicher.

Off Label

Off-Label Medikation ist eine übliche doch relativ unerforschte Praxis im Gesundheitswesen. Eine 2001 beendete von der AHRQ finanzierte Studie fand heraus: etwa 21 Prozent der verschriebenen Medikamente waren nicht für auf dem Etikett genannte Störungen. Herzmedikamente und Antiepileptika waren die Medikamente, die am häufigsten Off-Label benutzt wurden. Die meisten Off-Label Verwendungen treten ohne wissenschaftliche Unterstützung auf, sagte die Studie.

Quelle: Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ) - 2007

Zusätzliche Antipsychotika sind bei Depression eher schädlich

23.03.2013 Atypische antipsychotische Medikamente für die adjunktive (zusätzlich eingesetzte) Behandlung von Depression zeigen nur geringen Nutzen und keine Verbesserung bei der Lebensqualität, dafür Nebenwirkungen, laut einer online in PLOS Medicine herausgegebenen Forschungsstudie.

Glen I. Spielmans, Ph.D. von der Metropolitan State University in St. Paul, Minn, USA, und Kollegen führten eine systematische Übersichts- und Metaanalyse von 14 kurzfristigen (vier bis 12 Wochen) randomisierten klinischen Studien mit 3.549 Teilnehmern durch, die adjunktive Antipsychotika mit Placebos bei der Behandlung von Depression verglichen.

Eingesetzte atypische Neuroleptika

Die Antipsychotika, die in der Studie untersucht wurden, waren

Die Ergebnisse zeigten nur einen kleinen Nutzen der Antipsychotika bei der Reduzierung der Depressionssymptome. Aber als die Forscher nach den wichtigeren Ergebnissen schauten - ob die Patienten eine Verbesserung der Lebensqualität erfuhren - wurde keine Wirkung entdeckt.

"Bei der Lebensqualität und bei der Bewältigung des täglichen Lebens gab es so gut wie keine Hinweise darauf, dass die Neuroleptika irgendwas bewirkten", sagte Spielmans.

Nebenwirkungen

Atypische Antipsychotika stehen im Zusammenhang mit recht negativen Nebenwirkungen, wie: Gewichtszunahme, Akathisie (ein Gefühl der Unruhe), Schläfrigkeit und anormale Ergebnisse bei Cholesterin und andere stoffwechselbezogenen Labortests.

Keine Empfehlung für zusätzliche atypische Neuroleptika

"Zusammengefasst", schreiben Spielmans und seine Koautoren", zeigt unsere Meta--Analyse folgendes:

  1. eine leichte Verbesserung bezüglich klinischer depressiver Symptome,
  2. so gut wie keinen Nutzen für das allgemeine Wohlbefinden und
  3. reichliche Belege für potenzielle behandlungsgebundene schädliche Auswirkungen"
"Wir empfehlen depressiven Patienten vorsichtig zu sein, sich über die aktuelle Forschung zu informieren und sich mit ihrem Arzt über Risiken und Nutzen zu unterhalten", sagte Spielman.

© PSYLEX.de - Quelle: PLOS Medicine, März 2013

Off-Label Gebrauch - Belege für Wirksamkeit fraglich

Trotz massiver Werbung und explodierenden Verschreibungen, Konsum und Verkäufen der neuen atypischen neuroleptischen Medikamente für die Behandlung von Schizophrenie, bipolare Störung, Depression und andere Krankheiten - fehlen ausreichende Belege, die ihre Verbreitung und allgemeinen Gebrauch rechtfertigen.

Ernste Nebenwirkungen

Dies sagt eine neue Studie der Stanford University School of Medicine und University of Chicago.

Im letztem Jahrzehnt sind atypische Neuroleptika wie Seroquel und Abilify bei den Verschreibungen an den älteren Antidepressiva und anderen psychiatrischen Psychopharmaka vorbeigeschossen.

Obwohl anfangs mit wenigen Nebenwirkungen eingestuft, haben Nachteststudien aufgedeckt, dass atypische Antipsychotika ernste Nebenwirkungen haben, z.B. bedeutsame Gewichtszunahme, die zu Diabetes und Herzkrankheit führen kann.

Risiken

"Weil diese Psychophamaka Sicherheitsmängel haben, sollten Ärzte sie nur verordnen, wenn sie sicher sind, dass die Patienten einen wesentlichen Nutzen davon haben", sagte Randall Stafford, M.D., Ph.D, außerordentlicher Professor der Medizin in Stanford und Senior-Autor der neuen Studie.

Die neue Forschung analysierte die Ergebnisse einer Arzt-Studie der Gesundheitsversorgungsinformationsgesellschaft IMS Health. Die IMS Health National Disease and Therapeutic Index Studie gibt einen aktuellen Status der Erkrankungen, die Ärzte behandeln und über die Medikamente, die sie verordnen. Über 1.800 Ärzte nehmen jedes Kalendervierteljahr daran teil, und jeder wird zufällig zwei Tage pro Quartal dazu eingeteilt, Daten zur Verfügung zu stellen.

Nach der Identifizierung, welche Neuroleptika (auch Antipsychotika genannt) gebraucht werden und wofür, beurteilten die Forscher die Stärke der Belege, die die Medikamente unterstützten, denen die FDA Genehmigung fehlte, unter Verwendung der Wirksamkeitseinschätzungen des weit verbreiteten Medikamentenhandbuchs Drugdex.

Statistik

Die Forscher fanden dies:

Verschreibungen für atypische Neuroleptika haben stetig zugenommen, seit sie zuerst auf den US-Markt 1989 gekommen waren und die erste Generation der Neuroleptika im Wesentlichen ersetzt, die hauptsächlich verwendet wurden, um Schizophrenie zu behandeln.

Off Label Behandlung von:

Die ursprüngliche Genehmigung der FDA für die neuen Medikamente diente zur Behandlung von Schizophrenie, aber sie werden heute bei immer mehr Krankheiten eingesetzt, für andere Psychosen, Autismus, bipolare Störung, Delirium, Demenz, Depressions- und Persönlichkeitsstörungen. Und während manche dieser Verwendungen in letzter Zeit von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) genehmigt worden, sind es viele nicht.

Im Jahr 2005 gab die FDA die stärkste Art einer Warnung aus - die "black box" Warnung - für den Gebrauch der Neuroleptika der neuen Generation: wegen eines gesteigerten Sterblichkeitsrisikos für Demenzpatienten.

Off Label nicht illegal, aber auch nicht sicher

"Die meisten Leute denken, dass 'wenn mein Doktor dies verordnet, dann hat die FDA beurteilt, ob dieses Medikament sicher und wirksam gegen meine Krankheit ist'. Das ist nicht wahr, "sagte Stafford. Wenn Ärzte Medikamente gegen etwas anderes außer dem Vorgesehenen verschreiben, was von der FDA genehmigt wurde, wird es "Off-Label" Verwendung genannt. Obwohl es für Patienten riskanter ist, ist es nicht illegal und kann in einigen Fällen medizinisch Sinn machen, sagte Stafford; besonders wenn es keine genehmigten Medikamente gibt oder wenn ein Patient nicht auf genehmigte Medikamente reagiert hat.

"Ärzte könnten durch mehr Rückmeldungen profitieren, welcher Prozentsatz ihrer Rezepte Off-Label Verwendung ist, sagte Stafford. "In vielen Fällen merken Ärzte nicht, dass sie Off-Label verschreiben", sagte er.

Einige Psychiater und andere Mediziner sind dem Pushen durch Pharmakonzerne, die Verwendung von atypischen Neuroleptika auszudehnen, über seine Anwendung auf Schizophrenie hinaus, kritisch eingestellt. Wie Daniel Carlat, M.D. in seinem angesehenen Carlat Psychiatrie Blog schreibt, "warum ein Antidepressivum genehmigen, das Gewichtszunahme, Diabetes und Herztod verursacht, wenn es gleich wirksame Alternativen gibt, die keine dieser Nebenwirkungen verursachen?"

Die neue Studie wurde online in der 7. Januar Ausgabe von Pharmacoepidemiology and Drug Safety herausgegeben.

Quelle: Stanford University Medical Center, Jan. 2011

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