Amitriptylin

Antidepressiva - Psychopharmaka

Amitriptylin (Saroten, Tryptizol, Elavil, Endep, Levate und viele andere) ist ein trizyklisches Antidepressivum (TCA). Es ist das am häufigsten eingesetzte und trizyklische Antidepressivum und eine wirksame Behandlungsform bei klinischer Depression. Der ATC-Code ist N06AA09.

Einordnung

Wirkstoff bzw. Wirkstoffgruppe: Amitriptylin / Trizyklika
Wirkt auf den Organismus, als: Antidepressivum / Antidepressiva. Dieses Psychopharmakon gehört zu den Trizyklischen Antidepressiva. Der chemische Name ist 3-(10,11-Dihydro-5H-dibenzo[a,d] cyclohepten-5-yliden)-N,N-dimethylpropylamin.

Einordnung unter: Psychoanaleptika, Antidepressiva, Nichtselektive Monoamin-Wiederaufnahme-Hemmer.

Indikation

Das Medikament (gehört zu den Psychopharmaka), ist zugelassen und wird verkauft in Deutschland.

Amitriptylin-Produkte werden bei Depressionen eingesetzt, sowie bei chronischen Schmerzen. Die Arznei wird auch bei der Behandlung von Migräne und bei Spannungskopfschmerzen eingesetzt.

(Weiterer) Off-Label Gebrauch bei Trigeminusneuralgie, bei Schlafstörungen, Reizdarmsyndrom, Fibromyalgie, posttraumatisches Belastungsstörung (PTBS).

Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen sind:

Sehr häufige Nebenwirkungen bei Amitriptylin:

Häufige unerwünschte Wirkungen von Amitriptylin:

Amitriptylin
Amitriptylin Strukturformel

Gelegentlich

Gelegentlich kommt es Kollapszuständen, Bluthochdruck, Darmverschluss oder Durchfall, Harnsperre, Blutbildveränderungen (Leukopenien), Galaktorrhoe, Funktionsstörungen der Leber (z.B. allergisch-toxisch bedingte 'Verquellung' der Gallenwege mit Gallenstau), Störungen der Erregungsleitungen. Herzinsuffizienz kann verstärkt werden. Auch Tinnitus, Angst, Paranoia und Manie können auftreten. Allergische Hautreaktionen, Vaskulitis und Ödeme (Gesicht, Zunge) können erscheinen. In einem Fall kam es zu Hypersensitivitätsmyokarditis.

Seltene Nebenwirkungen

Selten bei Amitriptylin sind:

Sehr selten

Sehr selten auftretende Nebenwirkungen bei Amitriptylin sind:

Bei QT-Intervall Verlängerung oder Torsade de pointes sollte die Behandlung abgebrochen werden. Bei hirnorganischen Psychosyndrom ist ein pharmakogenes Delir möglich.
Man sollte das Arzneimittel nicht abrupt absetzen, wenn es längere Zeit oder hochdosiert eingenommen wurde.
Es kann zu erhöhtem Auftreten von Karies bei Kindern kommen.

Gegenanzeigen

Warnhinweise

Absetzen bei: Überempfindlichkeit, akute Alkoholvergiftungen, Schlafmittelvergiftungen, Schmerzmittelvergiftungen und Psychopharmakavergiftungen, Harnretention, Delirien, unbehandeltes Engwinkelglaukom, Prostatahypertrophie mit Restharn, Pylorusstenose, paralytischer Ileus.

Rel.: Prostatahypertrophie ohne Restharn, Leber- oder Niereninsuffizienz, erhöhte Krampfbereitschaft, Störungen der Blutbildung, Hypokaliämie, Bradykardie, angeborenes langes QT-Syndrom oder andere klinisch signifikante kardiale Störungen (insbesondere koronare Herzkrankheit, Erregungsleitungsstörungen, Arrythmien); gleichzeitige Behandlung mit AM, die ebenfalls das QT-Intervall im EKG verlängern oder eine Hypokaliämie hervorrufen können.

Neugeborene und Säugl. bis zum Alter von 6 Monaten. Kndr bis 16 Jahre nur bei zwingender Indikation behandeln.

Bei älteren oder geschwächten Patienten und bei Patienten mit hirnorganischen Veränderungen, Kreislauf- und Atmungsschwäche (chronischer obstruktive Ateminsuffizienz) sowie eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion ist Vorsicht geboten.

Schwangerschaft, Stillen

Kontraindiziert bei Schwangerschaft und in der Stillzeit, insbesondere im ersten sowie im letzten Trimenon, es sei denn, dies ist dringend erforderlich, informiert der Beipackzettel. Die Herstellerfirma empfiehlt, das Medikament nicht während Schwangerschaft und Stillzeit anzuwenden. Bei Schwangerschaft oder Schwangerschaftsplanung, vor dem Stillen oder der Absicht zu stillen sollten Sie mit dem verschreibenden Dienstleistungspersonal sprechen.

Wenn Sie Amitriptylin-enthaltende Medikamente einnehmen, sollte vorher abgestillt werden, da der Wirkstoff und seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen kann (Milch / Plasma-Ratio ca. 1). Daher sollte es nicht während der Stillzeit eingenommen werden. Nach Einnahme höherer pränataler Antidepressivadosierungen wurden beim Neugeborenen Entzugserscheinungen in Form von Störungen der Atem- und Herzfunktion, Stuhl- und Harnentleerung sowie Unruhe beobachtet.

Handelsnamen - Markennamen

Medikamente, die ebenfalls den Wirkstoff Amitriptylin enthalten: Amineurin, Novoprotect, Pantrop, Saroten, Syneudon, Tryptizol, Limbitrol (Kombination von Arzneimitteln).

Siehe auch Amitriptylinoxid

Gedächtnisverluste durch trizyklische Antidepressiva ?

04.09.2014 Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin haben herausgefunden, dass die Unterdrückung des REM-Schlafs durch bestimmte Antidepressiva (untersucht wurde Amitriptylin) Lernprozesse stört und Gedächtnisstörungen bewirken kann.

Nach den Forschern ist eine der effektivsten Behandlungen von Depression die Unterdrückung des REM-Schlafs mit spezifischen Antidepressiva. Dadurch werden aber auch das Abspeichern von Erinnerungen im Langzeitgedächtnis und die Förderung des prozeduralen Lernens (wie bspw. Gitarrespielen oder Autofahren) beeinträchtigt.

Frühere Forschungsstudien haben zeigen können, dass Personen mit einer Depresssion eine beeinträchtigte Fähigkeit des prozeduralen Lernens und ein größeres Risiko für kognitive Störungen oder Gedächtnisverluste (Demenz) zeigten.

Dieter Kunz vom Institut für Physiologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin und seine Kollegen wollten herausfinden, ob Depression diese Symptome nach sich zieht oder ob die Antidepressiva verantwortlich sind.

Schlechtere Erinnerung mit Amitriptylin

In einem Experiment bekamen 25 gesunde Teilnehmer vor dem Schlafen eine Merkaufgabe. Eine Gruppe der Teilnehmer bekam dann ein Placebo die andere das Trizyklikum Amitriptylin.

Es zeigte sich, dass die Placebo-Teilnehmer am nächsten Tag sich signifikant schneller erinnerten, als die Amitriptylin-Teilnehmer.

"Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass kognitive Störungen bei depressiven Patienten durch das Antidepressivum Amitriptylin zumindest mit verursacht werden. Das Eindringen von psychoaktiven Substanzen in die komplizierten Schlafabläufe kann eine Vielzahl der bekannten Nebenwirkungen wie kognitive Defizite, Gewichtszunahme und morgendliche Apathie erklären", schreibt Kunz in der Zeitschrift Sleep.

Er führte weiter aus, dass die Entwicklung von neuen Wirkstoffen voranzutreiben ist, die sowohl die Symptome von Depressionen lindern als auch deren Schlafqualität.

© PSYLEX.de - Quelle: Charité - Universitätsmedizin Berlin / Sleep, August 2014

Amitriptylin versus Placebo bei klinischer Depression

Die Überprüfung umfasste 39 Studien mit insgesamt 3.509 Teilnehmern. Die Studiendauer lag zwischen drei und 12 Wochen. Amitriptylin war signifikant wirksamer als Placebo bei der Erreichung des akuten Ansprechens (18 RCT (randomised controlled trials), n = 1987, OR 2,67, 95% CI 2,21-3,23).

Deutlich weniger Teilnehmer in der Wirkstoffgruppe schieden aus den Studien wegen Wirkungslosigkeit aus im Vergleich zu Placebo (19 RCTs, n = 2017, OR 0,20, 95% CI 0,14-0,28), aber mehr Teilnehmer aus den Wirkstoffgruppen beendeten die Studien aufgrund von Nebenwirkungen (19 RCT, n = 2174, OR 4,15, 95% CI 2,71-6,35).

Das Medikament verursachte auch mehr anticholinerge Nebenwirkungen, Tachykardie, Schwindel, Nervosität, Sedierung, Tremor, Dyspepsie, Sedierung, sexuelle Dysfunktion und Gewichtszunahme.

Bei der Analyse der Untergruppen und Meta-Regression waren die Ergebnisse des primären Endpunkts robust zu den Veröffentlichungsjahren (1971-1997): Teilnehmeralter zu Beginn der Studie, Amitriptylin-Dosis, Studiendauer in Wochen, Pharma-Sponsor, stationäre gegenüber ambulante Behandlung und zweiarmiges im Vergleich zu dreiarmiges Studien-Design.

Eine höhere Schwere der Depressionssymptome zu Beginn der Studie war mit einem deutlichen Vorsprung von Amitriptylin (P = 0,02) assoziiert, während höhere Responderraten in der Placebo-Gruppe mit einer niedrigeren Überlegenheit des Wirkstoffs (P = 0,05) verbunden waren.

Die Ergebnisse des primären Endpunkts waren ziemlich homogen, was die Vergleichbarkeit der Studien widerspiegelt. Allerdings wurden Methoden der Randomisierung und Kontrollbedingungen in der Regel alls eher schlecht bewertet. Nicht alle Studien verwendeten Intention-to-treat-Analysen und in vielen von ihnen wurden die Standardabweichungen nicht berichtet und mussten oft erreichnet werden.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Technische Universität München Klinikum rechts der Isar, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, München; DOI: 10.1002/14651858.CD009138.pub2; 12 December 2012

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