Citalopram

Antidepressivum - Psychopharmaka

Wirkung

Einordnung unter: Psychoanaleptika, Antidepressiva, Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer.

Wirkstoff Citalopram; Wirkstoffgruppe: SSRI
Wirkweise auf das Nervensystem / die Psyche als: Antidepressivum.
Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
Das Arzneimittel ist zugelassen für den Verkauf in Deutschland.

Medikament ist angezeigt bei Depression.

Mögliche Nebenwirkungen:

Sehr häufig sind:
Citalopram
Chemische Strukturformel
Häufig bei Citalopram sind:

Gelegentlich bei Citalopram : Euphorie, Libidosteigerung, extrapyramidale Störungen, Krampfanfälle, Herzschlag unter 60 Schläge pro Minute (Bradykardie (Langsamherzigkeit)), Anstieg der Leberenzyme, Husten, Photosensitivität, Ohrgeräusche (Tinnitus), Muskelschmerzen (Myalgie), allergische Reaktionen, kurz andauernde Bewusstlosigkeit (Synkope), Unwohlsein.

Selten: Blutungen (gynäkologische, gastrointestinale Blutungen; kleinflächige, fleckenförmige Blutung der Haut (kleinflächige Haut- oder Schleimhautblutung) und andere Hautblutungen oder Schleimhautblutungen).

In seltenen Fällen tritt das Serotonin-Syndrom auf.

Selten: zu niedriger Natriumspiegel im Blut (Hyponatriämie) und Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion.

Sehr selten:

Symptome, die beim Absetzen auftreten können (meist leicht und selbstlimitierend): Schwindel, Parästhesien, Kopfschmerzen, Übelkeit und Angst.

Gegenanzeigen u. Anwendungsbeschränkungen

Gegenanzeigen

Citalopram sollte nicht angewendet werden bei: Überempfindlichkeit, gleichzeitige Anwendung von MAO-Hemmern (einschließlich Selegilin mehr als 10mg/Tag. Nicht bei Personen unter 18 Jahren, intramuskuläre Injektion, intravenöse Injektion, Niereninsuffizienz.

Anwendungsbeschränkungen

Citalopram sollte in der Anwendung beschränkt werden bei: Alter über 65 Jahre, Blutgerinnungsstörung, Diabetes mellitus, Elektrokrampftherapie, Epilepsie / Krampfanfälle in der Vorgeschichte, Galaktose-Intoleranz, Glukose-Galaktose-Malabsorption, Laktase-Mangel, Glaukom, Hypomanie, Manie in der Anamnese, Hyponatriämie. Kombination meiden mit serotonergen Mitteln wie Triptanen, Tramadol, Serotoninvorstufen wie Tryptophan sowie mit Johanniskraut, Pimozid u.a.: kontraindiziert. Leberinsuffizienz, Suizidalität.

In der Schwangerschaft: Kontraindiziert.
Während der Stillzeit: Kontraindiziert.

Handelsnamen

Medikamente, die den Wirkstoff enthalten: Alutan, Cipramil, Citadura, Citalo-Q, Citalostad, Claropram, Futuril, CitaLich, Citalon, Citor, Eostar, Pram, Rudopram, Serital, Seropram.

Geldstrafe für Lundbeck wegen Wettbewerbsverstoß

Dem dänischen Pharmahersteller Lundbeck wurde eine 93 Millionen Euro Geldstrafe aufgebrummt, weil die Firma Generika-Hersteller bezahlt hat, damit diese die Markteinführung ihrer Versionen des Antidepressivum Citalopram verschieben.

Strafe für Lundbeck

Citalopram-Generika blockiert

Nach einer dreijährigen Untersuchung Lundbeck betreffend, schließt die Europäische Kommission, dass es zu einer Vereinbarung zwischen Lundbeck und mehreren Generika-Herstellern gekommen war, bei der verhindert wurde, dass günstigere Formen von Citalopram den Markt erreichen. Dies ist eine Verletzung des Wettbewerbsrecht.

Laut den Reglern, hat Lundbeck andere Unternehmen (Merck-Konzern, Generics UK, Arrow, Alpharma und Ranbaxy) bezahlt, damit diese ihre Generika nicht auf den Markt bringen. Insgesamt wurden alle beteiligten Pharmaunternehmen zu einer Geldstrafe von 146 Millionen Euro verdonnert. Es wurden "an die Konkurrenz Bestechungsgelder gezahlt, Generika-Bestände aufgekauft und dann vernichtet, sowie Gewinngarantien" gegeben.

Auf Kosten des Gesundheitssystems

"Dies geschah auf Kosten der Patienten, die so nicht an günstigere Medikamente kamen. Es schadete auch unseren Gesundheitssystemen, die für längere Zeit die Kosten für eines der am häufigsten verschriebenen Antidepressiva tragen mussten", ließ die Komission verlauten.

Die Kommission sagte weiterhin, dass Patienten und Konkurrenzfirmen diese Firmen nun auf Schadenersatz verklagen können. "Der EU-Bescheid werde dabei vor den nationalen Gerichten als Beweis anerkannt".

© PSYLEX.de - Quelle: EMA, Juni 2013

Weitere Citalopram News

Update: Nov. 2011. Zusammenhang mit QT-Zeit-Verlängerung:
Warnung der BfArM für Citalopram: Zusammenhang mit QT-Intervall-Verlängerung zum Artikel

Warnung: Potenziell tödlich anormale Herzrhythmen

Update: April 2012: In einer Nachfolge-Warnung weist die FDA darauf hin (wie auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte), dass das beliebte Antidepressivum Celexa (USA - wird in Deutschland unter dem Handelsnamen Cipramil und weltweit unter Cipram verkauft) potenziell tödliche anormale Herzrhythmen verursachen kann; die U.S. Food and Drug Administration hat neue Dosierungs- und Verwendungsempfehlungen herausgegeben.

Im letzten August sagte die FDA, dass Dosen von mehr als 40 Milligramm Celexa (bzw. Citalopram) größere Veränderungen in der elektrischen Aktivität des Herzens verursachen können, welches zu anormalen Herzrhythmen führen kann, inklusive tödliche Arrhythmie, bekannt als Torsade de Pointes.

Hier sind die letzten FDA Empfehlungen

Celexa bzw. Citalopram gehört zu einer Klasse von Antidepressiva, die Selektive Serotonin Wiederaufnahme Hemmer (SSRI - selective serotonin reuptake inhibitors) genannt werden, zu denen auch weit verbreitete Psychopharmaka wie Paxil (Paroxetin), Prozac (Fluoxetin) und Zoloft gehören.

© PSYLEX.de - Quelle: U.S. Food and Drug Administration. April 2012

(Update: Doch keine Gefahr)

Citalopram: Negatives Nutzen-Risiko-Verhältnis

Veränderungen des QT-Intervalls

Das BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, weist darauf hin, dass Änderungen und Ergänzungen in den Hinweisen und Informationen für Citalopram bzw. citalopramhaltige Medikamente ergänzt bzw. umgeschrieben werden müssen.

Das BfArM zieht dafür Aussagen der Pharmakovigilanz-Arbeitsgruppe (PhVWP) des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) heran.

Es gäbe Hinweise darauf, dass es zu Veränderungen des QT-Intervalls (Long-QT-Syndrom ist eine lebensgefährliche Erkrankung, die bei sonst herzgesunden Menschen zum plötzlichen Herztod führen kann) durch die Einnahme von Citalopram komme. Diese Veränderungen seien dosisabhängig.

Ebenso kann das BfArM nach eigener Aussage es nicht mehr vertreten, dass Medikamente mit mehr als 60 mg Citalopram Inhalt vertrieben werden. Diese Medikamente hätten ein negatives Nutzen-Risiko-Verhältnis. Ein dementsprechendes Stufenplanverfahren ist inzwischen eingeleitet worden. Die Hinweise der entsprechenden citalopramhaltigen Medikamente mit Wirkstoffstärken bis zu 40 mg Citalopram sollen geändert werden.

So sollen z.B. bei Erwachsenen mit Depressionen oder Zwangsstörungen die Einzeldosis 20 mg (und pro Tag max. 40 mg) betragen.

Bei Erwachsenen mit Panikstörungen beträgt die empfohlene orale Einzeldosis 10 mg pro Tag in der ersten Anwendungswoche und kann dann auf 20 mg Einzeldosis pro Tag (max. 40 mg) erhöht werden.

Bei älteren Patienten (älter als 65 Jahre) soll nunmehr nur noch die Hälfte der empfohlenen Dosis gegeben werden, also 10 - 20 mg pro Tag (max. 20 mg pro Tag).

Kontraindikation von Citalopram

Citalopram ist kontraindiziert bei:
Patienten mit bekannter Verlängerung des QT-Intervalls oder angeborenem Long-QT-Syndrom (z.B. Romano-Ward-Syndrom, Pseudohypokaliämie-Syndrom oder Jervell- und Lange-Nielsen-Syndrom; JLNS);
gleichzeitiger Anwendung von Medikamenten, die eine Verlängerung des QT-Intervalls herbeiführen können.

© PSYLEX.de - Quelle: BfArM, Jan. 2012

SSRI beeinflusst Gesundheitsentscheidungen

Verstärkt Serotonin den Fokus auf langfristige Ziele?

09.04.2017 Eine Einzeldosis des Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmers Citalopram kann offenbar beeinflussen, wie gesund man sich ernährt laut einer in Cognitive, Affective, & Behavioral Neuroscience veröffentlichten Studie der Universität Warwick.

Serotonin

Serotonin wurde mit der Förderung der Selbstkontrolle, der Regulation des Hungers und der physiologischen Homöostase, sowie der Kalorienzufuhr in früheren Forschungsarbeiten in Verbindung gebracht.

Es blieb jedoch unklar, ob die Effekte von Serotonin auf die Kalorienzufuhr rein homöostatische Mechanismen widerspiegeln oder ob Serotonin auch kognitive Prozesse verändert, die an der diätetischen Entscheidungsfindung beteiligt sind.

Studienleiter Ivo Vlaev und Kollegen untersuchten die Effekte einer akuten Dosis des Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitors (SSRI) Citalopram auf die Wahl zwischen Nahrungsmitteln, die sich in Bezug auf Geschmack und Gesundheitsattribute unterschieden.

Gesündere Entscheidungen

Insgesamt 27 Teilnehmer nahmen an drei Sitzungen teil und wurden zufällig auf einzelne Dosen von Atomoxetin, Citalopram und Placebo in einer doppelblinden Cross-Over-Studie verteilt.

Die Forscher stellten fest, dass Citalopram deutlich die Wahl gesunder Nahrungsmittel erhöhte im Vergleich zu Placebo. Das Medikament war auch mit einer erhöhten Emphase bezüglich gesünderer Entscheidungen verbunden.

Im Vergleich zu Placebo zeigte Atomoxetin keine Beeinflussung des Entscheidungsverhaltens.

Fokus auf langfristige Ziele

Die Befunde unterstützen die Annahme, dass Serotonin die Nahrungsmittelwahl beeinflussen kann, indem es den Fokus auf langfristige Ziele verstärkt, schreiben die Autoren.

Die Ergebnisse sind wichtig, um Entscheidungen zur Nahrungsaufnahme zu verstehen, und auch um Gesundheitsprobleme wie Essstörungen und Übergewicht zu behandeln, schlossen die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Warwick, Cognitive, Affective, & Behavioral Neuroscience - DOI: 10.3758/s13415-016-0496-2; März 2017

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