Clozapin

Neuroleptikum - Psychopharmaka

Wirkung

Einordnung unter: Neuroleptika, Psycholeptika, Antipsychotika; Diazepine, Oxazepine und Thiazepine.

Wirkstoff: Clozapin (Handelsname u.a. Leponex)
Wirkweise auf das Nervensystem / die Psyche als: Neuroleptikum. Es ist ein atypisches Antipsychotikum.
Arznei wird verkauft in Deutschland. Einsatz bei Schizophrenie, Psychosen, Parkinson-Krankheit (psychotischen Zuständen).

Wirksamkeit

In einem Studienvergleich von 15 Neuroleptika hinsichtlich der Wirksamkeit bei der Behandlung schizophrener Symptome war Clozapin das Wirksamste. 25% wirkungsvoller als Amisulprid, 33% wirkungsvoller als Olanzapin und doppelt so wirkungsvoll wie Haloperidol, Quetiapin und Aripiprazol. (The Lancet. 382 (9896): 951-62. doi:10.1016/S0140-6736(13)60733-3)

Die Wirkung spiegelt sich jedoch zumindest kurzfristig nicht in Werten des globalen Funktionierens, wie z. B. der Fähigkeit, das Krankenhaus zu verlassen und einen Beruf auszuüben wider. Die Rückfallquote ist geringer und die Patientenakzeptanz besser. Es gibt einige Hinweise darauf, dass Clozapin bei schizophrenen Patienten die Neigung zu Drogenmissbrauch verringern könnte.

Es kann besser als andere Antipsychotika bei Menschen mit Schizophrenie und Parkinson-Krankheit eingesetzt werden.

Es wird nicht für die Behandlung von Verhaltensproblemen bei älteren Erwachsenen mit Demenz empfohlen.

Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen:

Sehr häufig:

Häufig bei Clozapin: Leukopenie / verminderte Leukozytenzahl / Neutropenie, Eosinophilie, Leukozytose; Gewichtszunahme; verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen, Tremor, Rigor, Akathisie, extrapyramidale Symptome, Krampfanfälle / Konvulsionen, myoklonische Zuckungen; EKG-Veränderungen; Hypertonie, orthostatische Hypotonie, Synkope; Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, trockener Mund; erhöhte Leberenzymwerte; Harninkontinenz, Harnverhalten; Müdigkeit, Fieber, benigne Hyperthermie, Störung der Schweiß- und Temperaturregulation.

Gelegentlich bei Clozapin: Agranulozytose; malignes neuroleptisches Syndrom.

Selten: Verminderte Glukosetoleranz und Diabetes mellitus; Unruhe, Agitation; Konfusion, Delirium; Kreislaufkollaps, Arrhythmie, Myokarditis, Perikarditis / Perikarderguss; Thromboembolie; Aspiration von aufgenommener Nahrung; Dysphagie; Hepatitis, cholestatischer Ikterus, Bauchspeicheldrüsenentzündung; erhöhte Kreatinphosphokinase-Werte.

Sehr selten bei Clozapin: Mangel an Thrombozyten, Thrombozythämie; Ketoazidose, hyperosmolares Koma, schwere Hyperglykämie, Hypertriglyzeridämie, Hypercholesterolämie; Spätdyskinesie; Erkrankungen des Herzmuskels, Herzstillstand; Atemdepression / Atemstillstand; Vergrößerung der Ohrspeicheldrüse, Darmverschluss / paralytischer Ileus / Koprostase; fulminante Lebernekrose; Hautreaktionen; interstitielle Nephritis; Priapismus; unerklärlicher plötzlicher Tod.

Einzelfälle: Leukämie.

Warnhinweise

Sollte nicht während der Schwangerschaft angewendet werden. Kontraindiziert.
Während der Stillzeit: Kontraindiziert.

Gegenanzeigen:

Erkrankungen des Blutes oder der blutbildenden Systeme, Leukopenie, Neutropenie, Agranulozytose. Akute Vergiftung mit zentralwirksamen Mitteln (Alkohol u. Medikamente), Epilepsie, Kreislaufkollaps und/oder ZNS-Depression, vergiftungsbedingte Psychosen und Bewusstseinstrübungen, schwere Erkrankungen des Herzens. Schwere Erkrankungen der Gallenwege, der Niere, aktive und progressive Lebererkrankungen, Leberschaden, Darmatonie, Engwinkelglaukom, Kombination mit trizyklischen Depotneuroleptika. Bei Überempfindlichkeit gegen Clozapin.

Nur vorsichtig und geringer dosiert einsetzen bei: Reduzierter Allgemeinzustand, Thrombose - Immobilisierung vermeiden, Parkinson-Syndrom (oder andere Stammhirnerkrankungen), Lungenemphysem, Pneumonitis.

Wenn Alter über 65 Jahre oder unter 16.

Bei Arteriosklerose, Asthma bronchiale, chronischen Atemstörungen, Blutbildungsstörung, Darmstenosen, schwere Depression, Engwinkelglaukom, Epilepsie (antiepileptische Therapie nicht unterbrechen, da die Senkung der Krampfschwelle durch Clozapin möglich ist).

Glaukom, Harnverhaltung, Kardiomyopathie, organischen Hirnschäden, schwere Hypotonie, Krampfanfälle in der Anamnese, schwere Leberdysfunktionen, Niereninsuffizienz, Nierenschaden, Magenausgangsstenose, malignes neuroleptisches Syndrom in der Vorgeschichte, prolaktinabhängige Tumoren, chronische Obstipation, orthostatische Hypotonie, Phäochromozytom (mögliche Rebound-Hypertonie), Prostatahyperplasie mit Restharnbildung; Pylorusstenose, Sonnenexposition (wegen evtl. Photosensibilisierung).

Kombination mit anderen potenziell blutschädigenden Arzneimitteln meiden.

Medikamente, die den Wirkstoff Clozapin enthalten: Clopin, Elcrit, Froidir, Lanolept, Leponex.

Neue Medikamentenempfehlung für behandlungsresistente Schizophrenie

17.11.2015 Patienten mit Schizophrenie, die nicht auf Standardantipsychotika ansprechen, erzielen bessere Resultate, wenn sie gleich das Medikament Clozapin einnehmen statt es mit einem anderen klassischen Antipsychotikum zu versuchen, sagt eine Studie der Columbia University.

medikamente-verschreibung

Normalerweise versuchen es Kliniker mit einem anderen traditionellen antipsychotischen Medikament, wenn ein Standardmedikament die erwünschten Resultate nicht zeigt. Clozapin wird oft als Medikament der letzten Instanz betrachtet, obwohl es das einzige von der FDA für behandlungsresistente Schizophrenie (bis zu 30% der Schizophrenen) genehmigte Medikament ist.

Für die Studie sahen sich die Forscher nationale Medicaid-Daten von 6.246 Schizophreniepatienten an, deren Behandlungsmuster mit der Behandlungsresistenz übereinstimmten. Es ist die größte Studie, die die Wirksamkeit von Clozapin direkt mit Standardantipsychotika in der normalen Praxisroutine verglich.

Die Befunde zeigen, dass die Patienten unter Clozapin

sagte T. Scott Stroup in der Zeitschrift American Journal of Psychiatry.

Die Befunde sind ermutigend, und dem erhöhten Risiko für Agranulozytose (starke Verminderung der Granulozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen, wodurch es zu vermehrten Infektionen kommen kann) kann durch regelmäßige Überwachung begegnet werden, sagte er.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Columbia University, American Journal of Psychiatry; Nov. 2015

Darmträgheit, Verstopfung - Studie

25.02.2016 Eine neue Studie der Universität Otago zu den gastrointestinalen Nebenwirkungen zeigt, dass das antipsychotische Medikament Clozapin deutlich die Darmfunktionen verlangsamt. Dies kann in seltenen Fällen schwerwiegende Folgen haben.

Wichtiges Antipsychotikum

Professor Pete Ellis vom Fachbereich für Psychopharmaka sagt, dass Clozapin ein nützliches antipsychotisches Medikament ist, das selbst dann oft noch wirksam ist, wenn andere Medikamente nicht wirken.

Für viele Menschen kann der Wirkstoff das Leben verändern. Insgesamt leben diese Personen besser und länger mit diesem als mit anderen Medikamenten, aber es hat beträchtliche Nebenwirkungen, die wir kontrollieren müssen, sagte er in der Zeitschrift EBioMedicine.

Obwohl bekannt ist, dass es Verstopfung verursachen kann, werden den seltenen - aber potentiell schwerwiegenden - Folgen oft nicht die nötige Aufmerksamkeit zuerkannt, sagt er.

"Diese Studienergebnisse bedeuten, dass wir jetzt beginnen können, den Mechanismus zu untersuchen, und dass wir hoffentlich eine wirksame Behandlung finden, die gestörte Darmtätigkeit zu verringern oder zu verhindern, so dass das Medikament sicherer eingesetzt werden kann."

Darmbewegungen verringern sich beträchtlich

Die Forscher verfolgten die Bewegungen im Darm anhand kleiner Marker. So wurde die Geschwindigkeit der Nahrung im Darm gemessen bei Teilnehmern, die antipsychotische Medikamente einnahmen.

Die Studie zeigt: Das Medikament verlangsamt die Darmfunktion beträchtlich und verursacht Verstopfung. Dies erstreckt sich von moderat bis schwerwiegend. Wenn es zum kompletten Darmverschluss führt, kann dies potenziell tödliche Folgen haben - was schon vorgekommen ist, sagte Studienleiterin Dr. Susanna Every-Palmer.

Laxativum (Abführmittel)

Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei Clozapin einnehmenden Patienten die Marker im Schnitt viermal so lange brauchten, den Darm zu passieren als bei Patienten, die keine oder andere Antipsychotika einnahmen.

Etwa 80% der Clozapin-einnehmenden Teilnehmer wurden in ihrer Darmfunktion beeinflusst - unabhängig vom Geschlecht, Alter, Ethnizität oder Länge der Behandlung. Deshalb empfehlen die Forscher, dass jedem ein Laxativum (Abführmittel) verschrieben werden sollte, der mit diesem Medikament beginnt, um dieses Problem zu verringern.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Otago, EBioMedicine; Feb. 2016

Risiko-Allel für Nebenwirkungen identifiziert

Clozapin (CLZ) ist ein "Goldstandard"-Medikament für die Kontrolle von behandlungsresistenter Schizophrenie (TRS) bei Patienten, die nicht angemessen auf First-Line-Antipsychotika ansprechen.


Bild: Chemische Strukturformel

Trotz seiner Wirksamkeit bei TRS wird die Verwendung von CLZ signifikant durch schwere Nebenwirkungen eingeschränkt, wie etwa Clozapin-induzierte Agranulozytose (CIA) oder Clozapin-induzierte Granulozytopenie (CIG), die selten (CIA: 1% und CIG: 3%) aber potenziell lebensbedrohlich sind.

Ryota Hashimoto, Associate Professor an der Universität Osaka, Nakao Iwata, Professor an der Fujita Health University und Taisei Mushiroda von RIKEN führten eine genomweite pharmakogenetische Analyse durch und erfassten eine signifikante Verbindung zwischen HLA-B*59:01 und CIA / CIG (CIAG).

HLA-B*59:01 ist eines der Allele des HLA-B-Gens, das bei der Erkennung von "self" und "non-self" und der Induktion von Immunreaktionen beteiligt ist.

HLA-B*59:01 kann klinisch nützlich sein als Marker für die Priorisierung der CIG-Patienten, die ein geringes Risiko für die Entwicklung von CIA haben, indem eine wissenschaftliche Grundlage über prospektive klinische Studien basierend auf Forschungen zu dieser Gruppe geschaffen wird. Die Analyse der Funktionen von HLA-B*59:01 ist auch wichtig für die Aufklärung des Mechanismus für CIAG.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Osaka, Biological Psychiatry - DOI: 10.1016/j.biopsych.2015.12.006; April 2016

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

02.12.2014 - Hat jemand Erfahrung mit clozapin? - Kommentar von Michi:

Offenbar denkt mein Psychiater Olanzapin und Quetiapin, die ich einnehme gegen meine angenommenen "Psychosen", nicht helfen, also überlegt er mir Clozapin zu geben. Ich habe einige sehr böse Dinge über dieses Medikament gehört. Ich frage mich, ob irgendwelche 'psylexer' das schon mal genommen haben und was ihre Erfahrungen waren.

07.12.2014 - re: Erfahrung - Kommentar von syntehol:
Clozapin ist eigentlich eines der ersten atypischen Antipsychotika, die hergestellt wurden. Ehrlich gesagt, wenn die neueren atypischen nicht helfen, wird dieses wahrscheinlich auch nicht wirken, denn es funktioniert nach dem gleichen Wirkmechanismus nur mit mehr Nebenwirkungen. es wird nur noch selten verschrieben, und ich bin überrascht, dass dein Psychiater nicht etwas wie Haldol, ein typisches Antipsychotikum, das alt und bewährt ist, aber effektiv wirkt, wenn Leute nicht auf atypische reagieren.

Ich habe niemals Antipsychotika - mit Ausnahme von Haldol - genommen (und das nur kurz während ich Amphetamin abgesetzt hatte und Psychosen bekam). Ich kann sagen, dass es definitiv meine paranoiden Gedanken beendet hat, aber ebenfalls jeden anderen Gedanken zusammen mit ihnen, ich war eine Walking Dead Zombie.

Darf ich nach deiner Krankheit fragen und warum dir diese Medikamente verschrieben wurden?

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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