Escitalopram

Antidepressivum - Psychopharmaka

Wirkung, Indikation

Einordnung unter: Psychoanaleptika, Antidepressiva, Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer.

Wirkung auf den Organismus: antidepressiv; Wirkstoffgruppe: selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Arznei wird verkauft in Österreich, der Schweiz und in Deutschland.

Strukturformel
Strukturformel

Indikation, Anwendung bei: Depressionen, Panikstörung, sozialen und generalisierten Angststörungen, Zwangserkrankungen.

Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen bei Escitalopram:

Häufig bis sehr häufig:

Gelegentlich: gestörtes Geschmacksempfinden, Schlafstörungen. Respiratorische, thorakale und mediastinale Störungen bei Escitalopram.

Neurologische und psychische unerwünschte Wirkungen

Neurologische Störungen: Krampfanfälle, Tremor, Bewegungsstörungen, Serotonin-Syndrom.

Psychische Störungen bei Escitalopram: Halluzinationen, Manie, Verwirrtheit, Erregung, Ängstlichkeit, Depersonalisation, Panikattacken, Nervosität, Anorexie.

Weitere unerwünschte Wirkungen

Gegenanzeigen, Wechselwirkungen, Handelsnamen

Gegenanzeigen

Escitalopram nicht anwenden bei: Einnahme von nicht selektive, irreversible MAO-Hemmern. Escitalopram nicht früher als 2 Wochen nach Therapieende mit einem irreversiblen MAO-Hemmer sowie nicht früher als einen Tag nach Absetzen des reversiblen MAO-Hemmers (RIMA) Moclobemid. Nicht selektive MAO-Hemmer dürfen nicht früher als 7 Tage nach Absetzen von Escitalopram angewendet werden. Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.

Anwendungsbeschränkungen

Beschränkungen bei der Anwendung von Escitalopram: Personen über 65 Jahre und unter 18 Jahren. Panikstörungen, Manie in der Vorgeschichte, bei kontrollierter Epilepsie sorgfältige überwachung. Diabetiker, Patienten mit suizidalem Verhalten oder Gedanken in der Vorgeschichte. Einnahme von SSRIs mit oralen Antikoagulantien und mit AM, die die Thrombozytenfunktion beeinträchtigen (atypische Antipsychotika und Phenothiazine, die meisten TZA, ASS und NSAR, Ticlopidin und Dipyridamol) und Patienten mit bekannter Blutungsneigung. Elektrokrampftherapie. Gleichzeitige Einnahme von AM mit serotonergem Effekt, wie Sumatriptan, andere Triptane, Tramadol oder Tryptophan (Risiko Serotonin-Syndrom). Johanniskrautpräperate: erhöhte Gefahr des Auftretens von NW. Hyponatriämie, Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz.

In der Schwangerschaft: Kontraindiziert.
Während der Stillzeit: Kontraindiziert.

Medikamente, die ebenfalls den Wirkstoff enthalten: Cipralex, Lexapro, Seroplex, Entact.

Warnung: QT-Intervall-Verlängerung

Die BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) hat eine Warnung für Cipralex® (Escitalopram) herausgegeben. Das Medikament gehört zu den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und ist ein Antidepressivum, wird aber auch zur Behandlung von Panikstörungen, Phobien, generalisierten Angststörungen und Zwangsstörungen benutzt.

Escitalopram (und die Generika) enthalten ein Risiko für dosisabhängige QT-Intervall-Verlängerung (Long-QT-Syndrom ist ein lebensgefährlicher Zustand, der bei sonst herzgesunden Menschen zum plötzlichen Herztod führen kann) und führen bei über 65-Jährigen zu geänderten Einnahmerichtlinien bei der Maximaldosis.

Hinweise zu Kontraindikationen, Nebenwirkungen, Sicherheitsmaßnahmen und Wechselwirkungen müssen angepasst werden:

Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Escitalopram bzw. Cipralex® oder deren Generika und einer QT-Intervall-Verlängerung.

Bei Patienten über 65 soll die maximale Tagesdosis von Escitalopram nicht mehr als 10 mg betragen.

Escitalopram Kontraindikation bei Patienten mit QT-Intervall-Verlängerung oder angeborenem Long-QT-Syndrom - Cipralex darf dann nicht eingenommen werden.

Ebenfalls kontraindiziert ist die gleichzeitige Einnahme von Escitalopram oder deren Generika mit mit anderen das QT-Intervall verlängernden Arzneimitteln.

Vorsicht bei der Einnahme von Escitalopram bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Torsade-de-Pointes-Tachykardie, z. B. bei denen mit dekompensierter Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt, Bradyarrhythmien oder Neigung zu Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie. Bei Auftreten von anormalen Herzfrequenzen oder Herzrhytmen sollen Escitalopram-Patienten sofort einen Arzt aufsuchen.

Kontraindikation

Kontraindikation von Escitalopram bei gleichzeitig eingenommenen folgenden Arzneimitteln. Diese verlängern ebenfalls das QT-Intervall:
Antipsychotika und trizyklische Antidepressiva, Antiarrhythmika der Klasse IA und III, einige antimikrobielle Wirkstoffe (insbesondere Halofantrin) z. B. Sparfloxacin, Moxifloxacin, Erythromycin IV, Pentamidin, Antimalaria-Mittel) und einige Anthistaminika (z. B. Astemizol, Mizolastin).

© PSYLEX.de - Quelle: BfArM, Nov. 2011

Escitalopram unterstützt KVT bei sozialer Angst / Phobie

06.07.2016 Soziale Phobie / Angst: Antidepressivum verstärkt Wirksamkeit von Kognitiver Verhaltenstherapie übers Internet; Emotionsverarbeitung im Gehirn wird verbessert.

Kombinationsbehandlung

soziale-angst-blicke
Bild: Gerd Altmann

Die Behandlung der Angststörung Soziale Phobie besteht häufig entweder aus Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder aus Kognitiver Verhaltenstherapie (KVT), aber eine neue Studie der Uppsala Universität zeigt, dass Sozialphobie am besten mit einer Kombination aus SSRI und KVT behandelt wird, wodurch auch die Emotionsverarbeitung im Gehirn verbessert wird.

Die Kombination von SSRI-Antidepressiva und KVT ist in der klinischen Praxis recht üblich, aber klinische Studien, die die Wirkung dieser Kombinationstherapie auswerteten sind knapp.

Zusammen mit KVT übers Internet

Die Forscher vom Fachbereich für Psychologie haben nun die Effekte des Antidepressivums Escitalopram untersucht, wobei die sozialphobischen Teilnehmer gleichzeitig an einer KVT teilnahmen, die übers Internet angeboten wurde.

Diese Teilnehmer wurden mit einer anderen Patientengruppe verglichen, die Internet-KVT plus Placebo erhielten, wobei weder Patienten noch Kliniker wussten, wer Placebo und wer Escitalopram bekam. Außerdem wurden bei allen Patienten MRT-Gehirnscans gemacht, um Veränderungen in der Nervenzelltätigkeit durch die Behandlung zu bewerten.

Überlegenheit im Vergleich mit Placebo

Die im British Journal of Psychiatry veröffentlichte Studie zeigte nach der neunwöchigen Behandlung, dass mit KVT und Escitalopram behandelte Patienten eine größere Verbesserung zeigten als diejenigen, die KVT + Placebo erhalten hatten.

Dieser Effekt zeigte sich sowohl bei der täglichen sozialen Angst als auch beim Sozialphobie-Test im Labor. Der klinische Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen zeigte sich noch stärker in der Langfrist-Auswirkung 15 Monate später, sagte Studienautor Malin Gingnell.

MRT zeigt emotionale Stabilisierung

Außerdem zeigten die fMRT-Scans, dass die größere Symptomverbesserung in der KVT-Escitalopram-Gruppe mit einer verringerten neuronalen Reaktion auf emotionale Stimuli in der Amygdala einherging - eine Gehirnstruktur, die eine wichtige Rolle bei der Erzeugung von Furcht und Angst spielt.

D.h. die emotionale Reaktion in Form von Angst auf angstbesetzte Stimuli wurde verringert, wobei dies durch die MRT-Aufnahmen zusätzlich belegt werden konnte.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Uppsala Universität, British Journal of Psychiatry - DOI: 10.1192/bjp.bp.115.175794; Juli 2016

Der Einfluss des CYP2C19-Gens auf die Wirksamkeit

12.02.2018 Das Antidepressivum Escitalopram wird überwiegend durch das polymorphe Enzym CYP2C19 verstoffwechselt. Die Forscher um Dr. Marin M. Jukic vom Karolinska-Institutet untersuchten die Wirkung des CYP2C19-Genotyps auf die Exposition und das therapeutische Versagen von Escitalopram bei einer großen Patientengruppe.

Cytochrom P450 2C19

Cytochrom P450 2C19 (abgekürzt CYP2C19) ist ein Enzym. Dieses Protein, Teil des Cytochrom P450 mischfunktionellen Oxidasen-Systems, ist am Stoffwechsel von Xenobiotika beteiligt, darunter viele Protonenpumpenhemmer und Antiepileptika.

Beim Menschen wird das CYP2C19-Protein durch das CYP2C19-Gen kodiert. CYP2C19 ist ein Leberenzym, das auf mindestens 10 % der derzeit in der klinischen Anwendung befindlichen Medikamente wirkt.

CYP2C19-Genotyp

Insgesamt 4.228 Messungen von Escitalopram-Serumkonzentrationen bei 2.087 CYP2C19-genotypisierten Patienten 10-30 Stunden nach der Medikamenteneinnahme wurden retrospektiv aus der Datenbank zur Medikamentenüberwachung im Diakonhjemmet Hospital in Oslo erfasst, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt The American Journal of Psychiatry.

Die Patienten wurden in Untergruppen eingeteilt, die auf dem CYP2C19-Genotyp basieren: Personen, die inaktive (CYP2C19Null) und Gain-of-Function (CYP2C19*17) Varianten-Allele trugen.

Die Unterschiede zwischen den Untergruppen in der Escitalopram-Exposition (Endpunkt: Dosis-harmonisierte Serum-Konzentration) und dem therapeutischen Versagen (Endpunkt: Wechsel zu einem anderen Antidepressivum innerhalb eines Jahres nach der letzten Escitalopram-Messung) wurden per statistischer Datenanalyse ermittelt.

Escitalopram-Serumkonzentrationen

Im Vergleich zur CYP2C19*1/*1-Gruppe wurden die Escitalopram-Serumkonzentrationen

Wohingegen die Escitalopram-Serum-Werte in der CYP2C19Null/*17-Gruppe um 10% und in der CYP1C19*17/*17-Gruppe um 20% gesenkt wurden.

Therapieversagen / Wechsel

Im Vergleich zur CYP2C19*1/*1-Gruppe waren die Wechsel von Escitalopram zu einem anderen Antidepressivum innerhalb eines Jahres bei der Gruppe

Der Genotyp CYP2C19 hatte einen erheblichen Einfluss auf die Exposition und das therapeutische Versagen von Escitalopram, ermittelt durch den Wechsel der Antidepressiva-Therapie. Die Ergebnisse unterstützen den potenziellen klinischen Nutzen der CYP2C19-Genotypisierung für die Personalisierung der Escitalopram-Therapie, schließen die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Karolinska-Institutet; The American Journal of Psychiatry - doi.org/10.1176/appi.ajp.2017.17050550; Feb. 2018

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