Fluoxetin bei Anorexie; bei Kindern, Jugendlichen; Nebenwirkung Osteoporose

Antidepressivum - Psychopharmaka

Wirksam bei Anorexie (Magersucht)?

Die Verwendung des Antidepressivums Fluoxetin half keiner Patientin mit Anorexie, die ihr Körpergewicht wiederhergestellt hatten, dieses Gewicht zu erhalten oder das Risiko für einen Rückfall zu reduzieren (nach einer Studie in der Juni Ausgabe von JAMA).

Anorexie ist eine Essstörung, die in erster Linie junge Frauen betrifft, und ist gekennzeichnet von einer großen Angst davor, übergewichtig zu werden, was zu übermäßigem Diät-Halten bis zu schlechter Gesundheit, Krankheit und manchmal Tod führt.

Es ist eine schwere psychische Krankheit mit einer hohen Sterblichkeitsrate. Ein größerer Anteil an der schlechten Prognose dieser Krankheit hat die hohe Rate an Rückfallen mit etwa 30 bis 50 Prozent der Patienten. Diese benötigten eine Rehospitalisation innerhalb von einem Jahr nach der Entlassung nach erfolgreicher Wiederherstellung des Gewichts.

Rückfällen vorbeugen und Gewicht halten

Dies hat die Suche nach Behandlungsmöglichkeiten gefördert, um Rückfälle zu verhindern, und für die Wiederherstellung des Gewichts zu sorgen. Eine wesentliche Anzahl von Patienten mit Anorexie erhalten Antidepressiva. Fluoxetin wird z.B. unter dem Markennamen Prozac verabreicht.

B. Timothy Walsh, M.D. vom psychiatrischen Institut der Columbia Universität, Medizinisches Zentrum, New York, und Kollegen verglichen Fluoxetin mit einem Placebo, um die Rückfallraten und Verhaltenserholung zu bestimmen, die der Anfangsbehandlung von Anorexie folgen.

Der Versuch beinhaltete 93 Patienten mit Anorexia Nervosa, die intensive stationäre Behandlung oder eine Tagesprogramm-Behandlung bekamen und mindestens einen minimalen Body Mass Index (BMI) von etwa 19,0 behalten sollten.

Die Teilnehmer wurden dann per Zufall aufgeteilt in die Fluoxetin Gruppe (49 Versuchspersonen) und die Plazebo Gruppe.

Nicht wirksamer als Placebo

Die Forscher stellten fest, dass es zu ähnlichen Raten zwischen der Fluoxetin- und Placebo-Gruppe kam, bei Patienten, die einen BMI von mindestens 18,5 behaupteten und in der Studie für 52 Wochen blieben, (Fluoxetin: 26,5 Prozent; Placebo: 31,5 Prozent).

Die konservativste Analyse fand keinen bedeutsamen Unterschied bei der Rückfallzeit zwischen der Fluoxetin- und Placebogruppe. Nach 52 Wochen waren 45 Prozent der Placebogruppe und 43 Prozent der Fluoxetin-Gruppe nicht rückfällig geworden.

Antidepressivum nicht für Anorektiker geeignet

"Die gegenwärtige Studie hat Auswirkungen auf klinische Anwendung und Forschung. Die gegenwärtigen Befunde, verbunden mit jenen zuvor herausgegebener Studien, zeigen, dass die Praxis, Antidepressiva zu verordnen, keinen Nutzen für die meisten Patienten mit Anorexie liefert, wenn sie untergewichtig oder auf rasche Wiederherstellung des Gewichts aus sind.

Diese Daten implizieren, dass therapeutische Bemühungen besser psychologischen und Verhaltensinterventionen überlassen werden sollten, bei denen es, wenn auch bescheidene, Belege der Wirksamkeit gibt", schreiben die Autoren.

"Weitere Forschung über neuartige psychologische Behandlungen und innovative psychotrope und nicht-psychotrope Medikamente ist offensichtlich erforderlich".

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Columbia Universität

Wirksam bei Kindern und Jugendlichen

09.06.2016 Eine in der Zeitschrift The Lancet veröffentlichte Studie der Universität Oxford verglich Wirksamkeit und Sicherheit von 14 Antidepressiva (darunter Fluoxetin - Markennamen: Prozac, Fluxet etc.) hinsichtlich der Behandlung von Depression bei Kindern und Jugendlichen.

Dr. Andrea Cipriani und Kollegen verglichen in einer systematischen Rezension und Netzwerk-Metaanalyse aller veröffentlichten und unveröffentlichten randomisierter Studien, die Effekte von 14 Antidepressiva bei jungen Menschen mit klinischer Depression bis Ende Mai 2015.

Vergleich mit Placebo

In die Analyse einbezogen wurden: Amitriptylin, Citalopram, Clomipramin, Desipramin, Duloxetin, Escitalopram, Fluoxetin, Imipramin, Mirtazapin, Nefazodon, Nortriptylin, Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin.

Sie ordneten die Antidepressiva nach Wirkung (Veränderungen bei den depressiven Symptomen und Ansprechen auf die Behandlung), Verträglichkeit (Unterbrechung wegen Nebenwirkungen), Akzeptanz (Unterbrechung wegen jeder Ursache) und schweren Nebenwirkungen (d.h. Suizidgedanken und -versuche).

Die Analyse von 34 Studien mit 5.260 Teilnehmern (durchschnittliches Alter 9 bis 18 Jahre) zeigte, dass die Vorteile die Gefahren in Bezug auf Wirkung und Verträglichkeit nur bei Fluoxetin überwogen.

Bestes Nutzen-Risiko-Verhältnis

Bei der Wirksamkeit war nur Fluoxetin statistisch signifikant wirksamer als Placebo. Im Hinblick auf die Verträglichkeit schnitt es besser ab als Duloxetin und Imipramin.

Die Autoren warnen allerdings, dass wegen des Mangels an zuverlässigen Daten es nicht möglich war, die Gefahr der Suizidalität für alle Medikamente zu bewerten.

Auch die wahre Wirksamkeit und die Gefahren bleiben unklar wegen der kleinen Zahl und des ungenügenden Designs der Studien, sagten die Autoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Oxford, The Lancet - dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(16)30385-3; Juni 2016

Osteoporose, Knochenverluste ausgleichen durch Betablocker

18.09.2016 Das Antidepressivum Fluoxetin kann Knochenverlust und langfristig Osteoporose verursachen, indem es über das Gehirn Signale zur Erhöhung des Knochenabbaus aussenden lässt, aber der Beta-Blocker Propranolol kann die Signale abfangen, wie eine neue in Nature Medicine veröffentlichte Studie an Mäusen festgestellt hat.

Die Verwendung von selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), eine Klasse von Medikamenten zur Behandlung von affektiven Störungen sowie für nicht-psychiatrische Probleme verwendet, können mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche in Verbindung gebracht werden.

Langfristige Störung der Knochenbildung

Die neue Studie von Dr. Patricia Ducy und Kollegen von der Columbia Universität ergab, dass Fluoxetin, eines der am häufigsten verschriebenen SSRI auf die Knochenphysiologie durch zwei verschiedene Mechanismen wirkt. Zunächst schützt Fluoxetin den Knochen, indem es die Zellen im Skelett (Osteoklasten) hemmt, die ständig den Knochen abbauen und resorbieren. Aber nach ein paar Wochen der Behandlung löst das Medikament ein Gehirn-vermitteltes Signal aus, das nicht nur diesem Effekt entgegenwirkt, sondern auch die Knochenbildung stört, was zu Knochenverlust und evtl. auch Osteoporose führt.

Betablocker Propranolol

Die Gehirnsignale verursachen Knochenverlust, indem der Adrenalinspiegel im Blutkreislauf erhöht wird, und die Forscher fanden heraus, dass sie diese Signale durch die gleichzeitige Behandlung der Mäuse mit einer niedrigen Dosis des Betablockers Propranolol neutralisieren konnten. Bei diesen Tieren wurde kein Knochenverlust mehr beobachtet unter einer langfristigen Fluoxetin-Behandlung.

Das Verhalten der Mäuse änderte sich unter der Ko-Behandlung nicht, was nahelegt, dass der Effekt von Fluoxetin auf das Gehirn und die Stimmung nicht beeinträchtigt.

Niedrig dosiertes Propranolol gleichzeitig mit diesen Antidepressiva verabreicht, kann potentiell die schädlichen Effekte eines SSRI auf die Knochenmasse verhindern, sagt Ducy, und wäre besonders wichtig für peri- und postmenopausale Frauen, da sie bereits ein erhöhtes Risiko für Osteoporose haben.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Columbia Universität, Nature Medicine - DOI: 10.1038/nm.4166; Sept. 2016

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