Haloperidol gegen Delirium

Neuroleptikum - Psychopharmaka

Haloperidol verhindert weder Delirium noch verbessert es die Überlebenschancen von Patienten auf der Intensivstation

21.02.2018 Der prophylaktische Einsatz des Medikaments Haloperidol (Handelsnamen sind: Haldol, Haloper, Sigaperidol) hilft nicht, Delirium bei Intensivpatienten zu verhindern oder ihre Überlebenschancen zu verbessern laut einer aktuellen Studie.

Prävention von Delirien?

Daher gibt es keinen Grund mehr, das Medikament präventiv zu verabreichen, um die Deliriumbelastung zu reduzieren, schreiben die Studienautoren. Dies ergab sich aus einer dreijährigen, groß angelegten Studie mit 1.800 Patienten in 20 niederländischen Intensivstationen unter Leitung des Universitätsklinikums Radboud.

Chemische Strukturformel
Chemische Strukturformel

Die Ergebnisse dieses weltweit größten Forschungsprojektes zur Deliriumprävention auf der Intensivstation wurden im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht.

Akute Verwirrung oder Delirium auf der Intensivstation

Akute Verwirrung oder Delirium tritt bei etwa einem Drittel bis zur Hälfte aller Patienten auf der Intensivstation auf und hat schwerwiegende kurz- und langfristige Folgen.

Patienten, die ein Delirium entwickeln, benötigen eine mechanische Beatmung über einen längeren Zeitraum, und auch ihr Aufenthalt auf der Intensivstation und im Krankenhaus ist länger.

Auch sterben Patienten mit Delirium häufiger als Patienten ohne. Wenn ein Patient ein Delirium entwickelt, wird das Medikament Haloperidol oft zur Behandlung eingesetzt.

Prophylaktischer Einsatz

Es gab Hinweise darauf, dass Haloperidol nicht nur zur Behandlung, sondern auch zur Vorbeugung von Delirien wirksam sein könnte. Eine groß angelegte Studie unter der Leitung von Mark van den Boogaard untersuchte, ob der prophylaktische Einsatz von Haloperidol das Delirium und dessen Folgen reduzieren könnte.

Die Intensivpatienten mit einem hohen Deliriumrisiko erhielten dreimal täglich intravenös niedrige Dosen Haloperidol (1 mg oder 2 mg) oder ein Placebo.

Der primäre Endpunkt war die Anzahl der Tage, die die Patienten im Untersuchungszeitraum von 28 Tagen überlebten. Es gab 15 sekundäre Ergebnisse, einschließlich Delirium-Inzidenz, 28-tägige Delirium-freie und Koma-freie Tage, Dauer der mechanischen Beatmung und Intensivstation und Krankenhausaufenthalt.

Die prophylaktische Therapie mit Haloperidol hatte keinen signifikanten Einfluss auf die untersuchten Endpunkte.

Van den Boogaard schreibt, dass der Einsatz von vorbeugendem Haloperidol bei Intensivpatienten keinerlei positive Auswirkungen hatte.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universitätsklinikum Radboud; JAMA - DOI: 10.1001/jama.2018.0160; Feb. 2018

Weder Haloperidol noch Ziprasidon verkürzen Delirium- oder Koma-Dauer auf der Intensivstation

26.10.2018 Für Patienten mit akutem Lungenversagen oder Schock und hypoaktivem oder hyperaktivem Delirium auf der Intensivstation ändern weder Haloperidol noch Ziprasidon die Dauer von Delirium oder Koma im Vergleich zu Placebo laut einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie.

Atemversagen oder Schock und hypoaktives oder hyperaktives Delirium

Dr. Timothy D. Girard von der Universität Pittsburgh School of Medicine und Kollegen ordneten 566 Patienten mit akutem Atemversagen oder Schock und hypoaktivem oder hyperaktivem Delirium zufällig intravenösem Haloperidol, Ziprasidon oder Placebo zu (192, 190 bzw. 184 Patienten).

Die Forscher schreiben, dass die Patienten im Durchschnitt einer Dauer von vier Tagen einem Studienmedikament oder Placebo ausgesetzt waren. Die mittlere Anzahl der Tage ohne Delirium oder Koma betrug 8,5, 7,9 bzw. 8,7 in der Placebo-, Haloperidol- bzw. Ziprasidongruppe (P = 0,26 für die Gesamtwirkung über die Versuchsgruppen hinweg).

Vergleich mit Placebo

Im Vergleich zu Placebo hatte die Verwendung von Haloperidol oder Ziprasidon (die Substanz zählt zu den atypischen Neuroleptika, also zu den Antipsychotika) keinen signifikanten Einfluss auf den primären Endpunkt der Anzahl der Tage ohne Delirium oder Koma während des 14-tägigen Interventionszeitraums (Quotenverhältnisse 0,88 bzw. 1,04).

Die Studienautoren haben nach eingehender Untersuchungen in medizinischen Zentren im ganzen Land festgestellt, dass die Patienten, die diese potenziell gefährlichen Medikamente erhalten, keinerlei Verbesserungen bei Delirium, Koma, Verweildauer oder Überleben erreichen, schlossen sie.

Mehrere Autoren informierten über Verbindungen zur Pharmaindustrie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: New England Journal of Medicine - DOI: 10.1056/NEJMoa1808217

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