Levetiracetam (Keppra)

Anti-Epileptika - Psychopharmaka

Aufbau, Wirkung, Indikation

Levetiracetam ist ein antikonvulsives Medikament zur Behandlung von Epilepsie. Es ist das S-Enantiomer von Etiracetam, strukturell ähnlich dem prototypischen nootropischen Medikament Piracetam.

Levetiracetam wird unter dem Handelsnamen Keppra vermarktet. Keppra wird von UCB S.A. hergestellt und ist in Deutschland zugelassen.

Levetiracetam wird nicht nur bei Epilepsie eingesetzt sondern auch bei anderen psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen wie Tourette-Syndrom, Autismus, bipolarer Störung und Angststörung sowie bei der Alzheimer-Krankheit.
Wie andere Antikonvulsiva wie Gabapentin wird auch manchmal bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt.

Nebenwirkungen

Levetiracetam wird im Allgemeinen gut vertragen. Nach Angaben der Packungsbeilage sind die Nebenwirkungen von Keppra:

Suizidgedanken

Antiepileptika, einschließlich KEPPRA XR, erhöhen das Risiko für Selbstmordgedanken oder Verhalten bei Patienten. Studien haben fast eine Verdoppelung des Risikos von Suizidgedanken von 0,2% bis 0,4% im Vergleich zum Placebo gezeigt. Die Symptome beginnen innerhalb 1 Woche nach Beginn der Medikation mit einer Besserung nach dem Absetzen. Eine 2005 veröffentlichte Studie (doi:10.1111/j.1528-1167.2005.460801_16.x) legt nahe, dass die Zugabe von Pyridoxin (Vitamin B6) einige der psychiatrischen Symptome verringern kann.

Somnolenz

Somnolenz (Benommenheit mit abnormer Schläfrigkeit): Eine Studie zeigte Somnolenz als berichtetes Symptom bei 7,8% der Patienten, die Keppra XR einnahmen, im Vergleich zu 2,5% in der Placebo-Gruppe. Patienten sollten vor dem Fahren und Bedienen von Maschinen auf Müdigkeit / Schläfrigkeit untersucht werden.

Schwerwiegende Hautreaktionen

Schwerwiegende Hautreaktionen: Obwohl selten, wurden bei Patienten, die mit Levetiracetam behandelt wurden, Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und toxische epidermale Nekrolyse (TEN) beobachtet. Keppra sollte abgesetzt werden bei Anzeichen von nicht erklärbaren Hautausschlag. Wenn Anzeichen oder Symptome auf SJS / TEN deuten, sollte die Einnahme von Levetiracetam nicht wieder aufgenommen und eine alternative Therapie in Betracht gezogen werden. Die Inzidenz von SJS beträgt bei Antiepileptiga wie Levetiracetam etwa 1 zu 3000. (Griebel ML. Acute management of hypersensitivity reactions and seizures. Epilepsia. 1998;39)

Hämatologische Anomalien

Patienten einer Studie zeigten unter Keppra IR verringerte RBC, Hämatokrit und Hämoglobin-Werte im Vergleich zu Placebo. Jedoch zeigte keiner der Patienten Symptome in Bezug auf die verringerten Blutwerte und die Medikation wurde fortgesetzt.

Eine Meta-Analyse im Jahr 2008 Journal of Neuropyschiatry Disease and Treatment verglich drei Studien zur Sicherheit der therapeutischen Dosen von Levetiracetam bei Patienten mit partiellen Anfällen und hielt die häufigsten Nebenwirkungen fest:

Epilepsiemedikament kann Hirnfunktion, Gedächtnis bei frühem Alzheimer wiederherstellen

12.03.2015 Levetiracetam, ein Medikament zur Behandlung von Epilepsie, könnte bei älteren Patienten die sogenannte leichte kognitive Beeinträchtigung (LKB, Leichte kognitive Störung genannt) umkehren. Diese geht normalerweise Demenzerkrankungen wie der Alzheimer-Erkrankung voraus.

Verbesserung bei Hyperaktivität und Merkfähigkeit

Levetiracetam (Markenname ist Keppra) beruhigt die Hyperaktivität im Gehirn (genauer im Hippocampus) von Patienten mit amnestischer leichter kognitiver Störung, eine klinisch anerkannte Erkrankung, bei der die Beeinträchtigung des Gedächtnisses größer als dem Alter entsprechend ist.

Hippocampale Überaktivität ist gut dokumentiert bei Patienten mit LKB, und deren Auftreten deutet auf einen weiteren kognitiven Verfall und Weiterentwicklung zur Alzheimer Demenz, sagen die Wissenschaftler.

"Wir konnten zeigen, dass sehr geringe Mengen des atypischen antiepileptischen Levetiracetams diese Aktivität reduziert", sagte Studienautorin Michela Gallagher von der Johns Hopkins University in der Zeitschrift NeuroImage: Clinical. "Zur gleichen Zeit verbesserte es die Merkfähigkeit."

Für die Studie untersuchte das Team 84 Teilnehmer: 17 waren gesund, die anderen zeigten Symptome der Prä-Demenzerkrankung LKB. Alle waren älter als 55 Jahre (durchschnittliches Alter war etwa 70).

Die Teilnehmer erhielten entweder verschiedene Dosen Keppra oder ein Placebo in einer Doppel-Blind-Studie. Es zeigte sich, dass schon niedrige Dosen sowohl die Merkfähigkeit verbesserten als auch die Überaktivität im Gehirn normalisierten (diese wurden durch Magnetresonanztomographie während der Gedächtnisaufgaben gemessen).

"Was wir nun herausfinden wollen, ist, ob die Behandlung über einen längeren Zeitraum weiteren kognitiven Verfall verhindern oder verlangsamen kann, und die Progression zur Alzheimer-Krankheit stoppt", sagte Gallagher.

Die Forscher hoffen, Levetiracetam in einer Groß- und längerfristigen klinischen Studie testen zu können.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Johns Hopkins University, NeuroImage: Clinical (Elsevier); März 2015

Antiepileptikum scheint normale Gehirnaktivität bei leichtem Alzheimer wieder herzustellen

24.06.2017 Patienten mit Alzheimer haben ein erhöhtes Epilepsie-Risiko und fast die Hälfte zeigen subklinische epileptische Aktivität / gestörte elektrische Aktivität im Gehirn, die nicht zu Krämpfen führen aber mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) oder anderen Gehirnscan-Technologien gemessen werden können.

Machbarkeitsstudie

In der doppelblinden Machbarkeitsstudie des Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) besuchte eine kleine Gruppe von Patienten mit leichter Alzheimer-Krankheit das BIDMC dreimal. Bei jedem Besuch erhielten die Patienten ein Baseline-EEG, um die elektrische Aktivität im Gehirn zu messen.

Als nächstes erhielten die Patienten Injektionen, die entweder ein inaktives Placebo oder das krampflösende Arzneimittel Levetiracetam enthielten, entweder mit einer niedrigen Dosis (2,5 mg / kg) oder einer höheren Dosis (7,5 mg / kg). Weder Patienten noch das medizinische Fachpersonal wussten, welche Injektionen die Patienten erhielten, aber jeder Teilnehmer bekam schließlich eine von jedem Typ (within-subject) in einer zufälligen Reihenfolge.

Nach der Injektion wurde bei den Patienten ein weiteres EEG gemacht, dann eine Magnetresonanztomographie (MRT), die den Blutfluss im Gehirn erfasste - eine weitere Möglichkeit, die Gehirnaktivität zu quantifizieren und zu bestimmen, wo im Gehirn Aktivität stattfindet.

Schließlich nahmen die Patienten an einem standardisierten kognitiven Test teil, der Gedächtnis, exekutive Funktionen, Benennen, visuospatiale Fähigkeit und semantische Funktionsfähigkeit maß - alles Fähigkeiten, die von der Alzheimer-Krankheit betroffen sind.

Veränderungen der Gehirnaktivität

Bei den sieben Patienten, die das Studienprotokoll erfolgreich abschließen konnten, analysierten Studienautor Daniel Z. Press und Kollegen die Veränderungen in den EEGs. Die Blutflussanalyse der MRT-Daten ist noch im Gange.

Insgesamt zeigten höhere Dosen Levetiracetam, dass sie die Anomalien bei den Gehirnaktivitäten normalisierten, die bei den EEG-Profilen der Patienten beobachtet worden waren.

Das heißt, die Forscher beobachteten insgesamt Erhöhungen der Hirnwellenfrequenzen, die bei den Alzheimer-Patienten vor dem Erhalt der höheren Dosis von Levetiracetam ungewöhnlich niedrig waren, und sie konnten ebenfalls Rückgänge bei denen beobachten, die anormal hoch waren.

Die Forscher bemerken, dass sie keine Verbesserung der kognitiven Funktionen nach einer einzigen Dosis von Levetiracetam in dieser Studie beobachten konnten. Es ist zu früh, das Medikament breit einzusetzen, doch die Wissenschaftler bereiten sich auf eine größere, längere Studie vor, sagte Press.

In den letzten Jahren haben sich Forscher auf die Entwicklung von Techniken konzentriert, um das Gehirn von Amyloid- und Tau-Protein-Plaques zu befreien, die sich im Gehirn von Patienten mit Alzheimer-Krankheit anhäufen und verheerende Wirkungen haben.

Diese Strategien haben bisher nicht zu neuen Therapien geführt, sagte Press im Fachblatt Journal of Alzheimer's Disease. Es gab viele Enttäuschungen, also stellen unsere Erkenntnisse eine interessante neue Möglichkeit dar, schließt er.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Beth Israel Deaconess Medical Center, Harvard Universität; Journal of Alzheimer's Disease; Juni 2017

Vergleich mit Phenobarbital bei Säuglingen mit Epilepsie

16.02.2018 Der Vergleich zweier der am häufigsten verschriebenen Medikamente für Säuglinge mit nicht-syndromischer Epilepsie ergab, dass Levetiracetam effektiver als Phenobarbital war, so eine multizentrische Beobachtungsstudie, die in JAMA Pediatrics veröffentlicht wurde.

Nach sechsmonatiger Monotherapie erreichten 40 Prozent der mit Levetiracetam behandelten Säuglinge die Kriterien für ein erfolgreiches Ergebnis - sie benötigten kein zweites Antiepileptikum, um ihre Anfälle zu kontrollieren, und sie waren innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Behandlung anfallsfrei.

Nur 16 Prozent der Säuglinge, die mit Phenobarbital behandelt wurden, erreichten das gleiche Ergebnis.

Die von Zachary M. Grinspan vom Ann & Robert H. Lurie Children's Hospital of Chicago und Kollegen durchgeführte Beobachtungsstudie, die robuste vergleichende Effektivitätsmethoden verwendete, umfasste 155 Säuglinge mit nicht-syndromischer Epilepsie, die an einem der 17 medizinischen Zentren in den USA behandelt wurden, die am Pediatric Epilepsy Research Consortium teilnehmen.

Die Säuglinge in der Studie hatten ihren ersten nicht-fieberbedingten Anfall zwischen einem Monat und einem Jahr, und sie wurden nach der Erstdiagnose mit Phenobarbital oder Levetiracetam behandelt. Alle Teilnehmer wurden sechs Monate nachbeobachtet.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: JAMA Pediatrics, 2018; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2017.5211; Feb. 2018

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