Methylphenidat

Psychostimulans - Psychopharmaka

Einordnung des Medikaments unter: Psychoanaleptika, Psychostimulanzien, Mittel zur Behandlung von ADHS und Nootropika, Zentral wirkende Sympathomimetika (s.a. ADHS-Medikamente).

Wirkung

Der Wirkstoff Methylphenidat ist ein Psychostimulans;
Wirkung auf die Psyche als: stimulierend, anregend. Das Medikament wirkt als selektiver Dopamin-Wiederaufnahmehemmer.
Das Arzneimittel ist zugelassen und wird verkauft in Deutschland.

Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen:

Sehr häufig

Häufig

Gelegentlich bei Methylphenidat

Selten

Akkommodationsstörungen, verschwommenes Sehen, Mundtrockenheit, abnorme Leberfunktion z.B. Transaminasenerhöhung, Hepatitis, Palpitationen, Arrhythmien, Arthralgie, Leukopenie, Thrombopenie, Wachstumsverzögerung/Gewichtsverlust, Konvulsionen, Agitiertheit, Psychose. Angina pectoris.

Sehr selten

Hyperaktivität, Krampfanfälle, Muskelkrämpfe, choreoathetoide Bewegungen, Exazerbatorische bestehende Tics, Tourette-Syndrom, exogene Psychose (evtl. mit visuellen und taktilen Halluzinationen), depressive Gemütslage, zerebrale Arteriitis / Gefäßverschluss, malignes neuroleptisches Syndrom (MNS), hepatitisches Koma, thrombozytopen. Purpura bei Methylphenidat, exfoliatische Dermatitis, Erythema multiforme, Anämie.

Bei psychotischen Patienten evtl. Verschlimmerung von Verhaltensstörungen und Denkstörungen. Herabsetzung der Krampfschwelle. Erhöhung Ruhepuls, Erhöhung systolischer und diastolischer Blutdruck. Symptome einer Obstruktion bei Patienten mit bekannter Stenose bei Methylphenidat.

Handelsnamen

Medikamente, die den Wirkstoff Methylphenidat enthalten:

Warnhinweise / Gegenanzeigen

Schwangerschaft: kontraindiziert.
Während der Stillzeit möglichst nicht anwenden.

Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Methylphendidat oder sonstige Bestandteile. Schwerer Depression, Angsterkrankungen, Magersucht, schwerem Gilles-de-la-Tourette-Syndrom, schizophrenen Erkrankungen, Bluthochdruck (mittelschwer/schwer), arterielle Verschlusskrankheit, schwerer Angina pectoris, tachykardischen Arrhythmien, akutem Stadium des Schlaganfalls, Schilddrüsenüberfunktion, erhöhtem Augeninnendruck, vergrößerter Prostata mit Restharnbildung, MAO-Hemmer (während oder innerhalb 14 Tagen nach Einnahme). Zurückliegender Drogenabhängigkeit bzw. Arzneimittel- oder Alkoholmissbrauch. Alter unter 6 Jahren.

Nur vorsichtig und geringer dosiert einsetzen bei: Gilles-de-la-Tourette-Syndrom in der Familienanamnese, motorische Tics bzw. familiäre Vorkommen von motorischen-verbalen Tics, leichte Hypertonie, Epilepsie, emotional instabile Patienten.

Arzneimittelwechselwirkungen

Wechselwirkungen mit Methylphenidat bzw. Methylphenidat-HCl

Mit folgenden Medikamenten/Wirkstoffen kann es zu Wechselwirkungen bei der Einnahme von Methylphenidat bzw. der Präparate, die den Wirkstoff enthalten, kommen:

MAO-Hemmern, Hypotoniemedikament, Guanethidin, Amantadin
Antikoagulantien (Cumarintyp)
Antiepileptika (z. B. Phenobarbital, Phenytoin, Primidon)
Neuroleptika
trizyklische Antidepressa (Imipramin, Desipramin)
Phenylbutazon, Carbamazepin, Antazida, Alkohol.

Forschung und News

Methylphenidat für Erwachsene zugelassen

Die BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, erweiterte am 14.04.2011 die Zulassung einiger Methylphenidat-Medikamente auf die Anwendung bei Erwachsenen. Zuvor war die Anwendung auf Kinder und Jugendliche (ab sechs) begrenzt. Neue Forschungsergebnisse aus klinischen Studien sollen Wirksamkeit und Sicherheit in Hinblick auf die Behandlung von Erwachsenen absichern.

Der Präsident des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Prof. Dr. Walter Schwerdtfeger, sagte zu dieser Erweiterung:

"Die Indikationsausweitung bei Methylphenidat für Erwachsene bedeutet für Patientinnen und Patienten mit ADHS eine ganz wesentliche Ausweitung ihrer Behandlungsmöglichkeiten. Ärztinnen und Ärzte haben jetzt mehr Handlungssicherheit bei der Verordnung, da die Anwendung bei Erwachsenen bisher nur "off-label" möglich war."

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung) ist eine psychische Krankheit. Die Störung zeigt Symptome wie: Unaufmerksamkeit, überaktivität, Hyperaktivität, Impulsivität. Die Störung beginnt im Kindesalter und bleibt dann häufig bis man erwachsen ist.

Methylphenidat wird oft zusammen mit einer Psychotherapie verabreicht, wenn die Therapiemaßnahme allein nicht erfolgreich war. Mit der Zulassungserweiterung ist können Erwachsene mit einer im Kindes- und Jugendalter angefangenen Methylphenidat-Therapie weiter behandelt werden. Außerdem ist es nun auch möglich, dass Erwachsene eine solche Methylphenidat-Therapie erhalten, wenn bei Ihnen ADHS festgestellt wird.

Grundsätzlich sagt die BfArM auch bei Methylphenidat:
"Wenn Arzneimittel nach der Zulassung in den Verkehr gebracht und von vielen Patientinnen und Patienten angewendet werden, können Nebenwirkungen auftreten, die zuvor im Rahmen klinischer Studien nicht immer erkannt werden können."

© PSYLEX.de - Quelle: BfArM, April 2011

ADHS-Medikament Methylphenidat: Priapismus-Risiko - Sicherheitswarnung

Die FDA warnt davor, dass Methylphenidat-Produkte in seltenen Fällen zu längeren und manchmal schmerzhaften Erektionen, auch als Priapismus bekannt, führen können.

Priapismus

Die FDA (U.S. Food and Drug Administration) aktualisiert die Verpackungs- und Gebrauchsinformationen hinsichtlich des seltenen aber gefährlichen Risikos für Priapismus bei der Behandlung mit Methylphenidat-haltigen Arzneimitteln. Wenn nicht sofort behandelt, kann Priapismus zu bleibenden Schäden am Penis führen.

Betroffene Arzneimittel sind (Handelsnamen): Concerta, Daytrana, Equasym, Medikinet, Medikinet adult, Ritalin und diverse Generika, die den Wirkstoff Methylphenidat enthalten.

Priapismus kann bei Männern jeden Alters auftreten, wenn das Blut im Penis zurückgehalten wird, was zu einer ungewöhnlich langanhaltenden und manchmal schmerzhaften Erektion führen kann. Ein weiteres ADHS-Medikament - Strattera (Wirkstoff Atomoxetin) - ist ebenfalls mit Priapismus bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verbunden.

Methylphenidat-Arzneimittel

Methylphenidat-Arzneimittel sind Stimulanzien des zentralen Nervensystems (ZNS), und werden zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt.

EMPFEHLUNG der FDA: Angehörige der Gesundheitsberufe sollten männliche Patienten und ihre Angehörigen auf die Anzeichen und Symptome von Priapismus und auf die Notwendigkeit einer sofortigen medizinischen Behandlung hinweisen, sollte Priapismus auftreten.

Quelle: FDA, Dez. 2013.

Wirksamer bei Erwachsenen als Psychotherapie

17.12.2015 Laut einer in JAMA Psychiatry veröffentlichten Studie des Universitätsklinikums Freiburg erwies sich eine Behandlung mit dem Medikamet Methylphenidat wirksamer als ADHS-Gruppentherapie.

Methylphenidat Strukturformel
Strukturformel

In der bislang weltweit größten Studie verglichen die Wissenschaftler die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung mit der Gruppentherapie und der Kombination beider Behandlungsformen.

Mehr als 400 Patienten im Alter von 18-58 erhielten dazu (randomisiert) entweder 22 Sitzungen Gruppen-Psychotherapie (basierend auf kognitiver Verhaltenstherapie) oder 22 Sitzungen unterstützende Einzelgespräche (nicht spezifisch auf ADHS ausgelegt); die Patienten erhielten Methylphenidat oder ein Placebo.

Nach drei Monaten zeigten die Patienten Verbesserungen (Conners Adult ADHD Rating Scale), jedoch gab es keine signifikanten (deutlichen) Unterschiede zwischen der Gruppentherapie und den Einzelsitzungen. Methylphenidat war Placebo deutlich überlegen

Auch nach einem Jahr erwiesen sich die Behandlungseffekte als stabil. Die Analyse zeigte die Überlegenheit des Arzneimittels gegenüber der Placebogabe bei den Patienten der Gruppentherapie. Hinsichtlich Depression gab es keine Unterschiede.

Bei der Clinical Global Impression Scale zeigte sich die Gruppentherapie den individuellen Einzelgesprächen überlegen.

Hinsichtlich des primären Endpunkts (Verbesserung von ADHS) war die Gruppen-Psychotherapie den Einzelgesprächen nicht überlegen, es sei denn, sie wurde mit dem Medikament kombiniert.

Prof. Dr. Mathias Berger, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sagt: "Diese große Studie zeigt, dass die hier angewandten psychologischen Behandlungen nicht ausreichend erfolgreich sind, um eine Medikation zu ersetzen."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universitätsklinikum Freiburg, JAMA Psychiatry; Dez. 2015

Neue Verabreichungsform mit verzögerter Freisetzung verbessert ADHS-Symptome am Morgen und die ganztägige Leistungsfähigkeit

24.11.2017 Eine Phase-3-Studie mit Kindern im Alter von 6-12 Jahren mit Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hat gezeigt, dass eine verzögerte Freisetzung, langwirkende Verabreichungsform des Stimulans Methylphenidat, wenn am Abend eingenommen, zu einer signifikanten Verbesserung bei ADHS-Symptomen und funktioneller Beeinträchtigung am nächsten Morgen, verglichen mit einem Placebo, führte.

Die Kinder, die das Medikament mit verzögerter Freisetzung einnahmen, mussten nicht auf eine Morgendosis warten, um die Wirkung zu erhalten und profitierten auch von verbesserten Symptomen am späteren Nachmittag und Abend, so die Ergebnisse einer neuen Studie.

Der Artikel mit dem Titel "Effektivität und Sicherheit von HLD200, verzögerte Freisetzung und verlängerte Freisetzung von Methylphenidat bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung" der Forscher Dr. Steven Pliszka von der Universität Texas und Kollegen wurde in der Zeitschrift Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology veröffentlicht.

Die Wirkstoff-Formulierung, die aus zwei Schichten von Microbeads mit einem inneren Arzneimittelkern besteht, verzögert die Freisetzung des Wirkstoffs für 8-10 Stunden und sorgt dann für eine kontrollierte, verlängerte Freisetzung, die für den frühen Morgen bis in den Abend hinein ausgelegt ist.

Das Medikament wurde gut vertragen, wobei die wichtigsten unerwünschten Wirkungen eine Unterdrückung des Appetits und Schlaflosigkeit waren; diese werden auch häufig für andere Verabreichungsformen von Methylphenidat berichtet.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Texas; Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology - DOI: 10.1089/cap.2017.0084; Sept. 2017

Potenzieller Fehlgebrauch / Missbrauch

07.03.2018 Eine neue Studie des British Journal of Clinical Pharmacology weist darauf hin, dass Methylphenidat, ein Stimulans des Zentralnervensystems, das zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Narkolepsie zugelassen ist, möglicherweise nicht adäquat eingesetzt und / oder missbraucht wird.

Unter Verwendung der Datenbank der französischen allgemeinen Krankenversicherung mit etwa 4 Millionen Versicherten untersuchten die Forscher um Vanessa Pauly von der Faculté de médecine, Aix-Marseille Université eine Gruppe von 3.534 neuen Nutzern von Methylphenidat (zwischen 2010 und Juni 2013).

Nutzungsverhalten von Kindern

Das Nutzungsverhalten von Kindern (66%) war charakterisiert durch eine lange Behandlungszeit mit wenigen begleitenden Medikamenten, und entsprach den Richtlinien, mit regelmäßigen Arztbesuchen, angemessener Dosierung und langer Behandlungsdauer.

Nutzungsmuster der Erwachsenen

Die Nutzungsmuster der Erwachsenen waren jedoch recht unterschiedlich, mit einigen potenziell missbräuchlichen Verhaltensweisen, insbesondere bei Erwachsenen im Alter von 25-49 Jahren, die Methylphenidat viel häufiger als die anderen Altersgruppen verwendeten.

Sie hatten die höchste mittlere Dosis und ihnen wurden öfter andere ZNS-Medikamente mitverordnet. Die Gruppe der über 50-Jährigen nahm häufiger zusätzlich Antidepressiva und Antiparkinson-Mittel ein.

Die pharmakoepidemiologische Studie mit Methylphenidat-Anwendern und einer Reihe von Merkmalen zeigt unterschiedliche Muster des Gebrauchs bei Kindern und Erwachsenen.

Die Ergebnisse der Gruppe unter 25-49 Jahren deuten darauf hin, dass das Stimulans von Erwachsenen auch für andere medizinische Beschwerden als für ADHS oder Narkolepsie eingenommen wird, und dass es möglicherweise fehleingesetzt und / oder missbraucht wird, schließen die Forscher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: British Journal of Clinical Pharmacology - DOI: 10.1111/bcp.13544

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