Sertralin

Antidepressivisch wirkende Psychopharmaka

Wirkung, Indikation

Sertralin
Wirkstoffgruppe: selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Wirkung auf Organismus: antidepressiv
Einordnung unter: Psychoanaleptika, Antidepressiva, Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer.
Das Medikament wird eingesetzt bei: Depression, Bipolare Störung, Angststörungen, PTBS, zwanghaften Störungen.

Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen können sein:

Sehr häufige unerwünschte Arzneimittelwirkungen können sein:

Häufig auftretende Nebenwirkungen können sein:

Gelegentlich können bei Sertralin auftreten:

Weitere Nebenwirkungen

Seltene unerwünschte Wirkungen, die auftreten können:

Sehr selten: nach Absetzen Absetzsymptomatik: Agitiertheit, Angst, Schwindel, Kopfweh, Übelkeit, Parästhesie.

Gegenanzeigen / Anwendungsbeschränkungen

Gegenanzeigen

Sertralin nicht anwenden bei: Kombination meiden mit Pimozid, serotonergen Mitteln wie Triptanen, Serotoninvorstufen wie Tryptophan u.a. Nicht bei gleichzeitiger Einnahme von MAO-A-Hemmer einnehmen (mind. 2 Wochen vor und nach Einnahme von Sertralin keine MAO-Hemmer anwenden). Überempfindlichkeit gegen Sertralin oder einen der sonstigen Bestandteile.

Anwendungsbeschränkungen

Sertralin nur bedingt anwenden bei: Alkoholismus, Krampfanfälle, Elektrokrampftherapie, Epilepsie in der Vorgeschichte, Frauen im gebärfähigen Alter - für zuverlässigen Empfängnisschutz sorgen, Glaukom, Hyponatriämie, Alter unter 18 Jahren, Leberinsuffizienz, Manie, Hypomanie, Suizidalität.

In der Schwangerschaft: Strenge Indikationsstellung!
Während der Stillzeit: Kontraindikation! Vorher Abstillen.

Wechselwirkungen von Sertralin

Folgende möglichen klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen sollten bei der Einnahme von Sertralin (Medikamentenform: Antidepressivum) bzw. der Präparate, die den Wirkstoff enthalten, beachtet werden:

Handelsnamen, Markennamen

Medikamente, die den Wirkstoff Sertralin enthalten:

Depression und Herzversagen

Sertralin scheint nicht besser als ein Placebo zu sein, depressive Symptome oder den kardiovaskulären Status bei Patienten mit sowohl Herzversagen als auch Depression zu verbessern, berichtet die 24. August Ausgabe des Journal of the American College of Cardiologys.

Sertralin versus Placebo

Christopher M. O'Connor, M.D. des Duke University Medical Center in Durham, N.C, und Kollegen studierten Ergebnisse von 469 Patienten (45 jährig oder älter) mit Herzversagen und depressiver Störung, die (randomisiert) entweder Sertralin oder Placebos (234 und 235 Patienten) bekamen.

Die Forscher nahmen keine Patienten in die Studie mit bedeutsamer kognitiver Beeinträchtigung, Psychose, jüngerer Medikamenten- oder Alkoholabhängigkeit, schwerwiegender Persönlichkeit oder bipolarer Störung, aktiven suizidalem Verhalten oder gegenwärtige Einnahme von Antidepressiva oder Antipsychotika.

Keine Verbesserung bei Depression

Die mittlere Änderung im Hamilton Depression Rating Scale Score vom Ausgangsniveaus nach 12 Wochen war -7,1 in der Behandlungsgruppe und -6,8 in der Kontrollgruppe (P = 0,89 zwischen den Gruppen).

Die kardiovaskulären Scores verschlechterten sich, verbesserten sich, oder blieben gleich: 29,9, 40,6 und 29,5 Prozent in der Sertralin Gruppe und ergaben 31,1, 43,8 und 25,1 Prozent in der Kontrollgruppe (P = 0.78).

"Sertralin war sicher bei Patienten mit bedeutendem Herzversagen. Jedoch, die Behandlung mit Sertralin verglichen mit Placebos ergab keine größere Reduktion der Depression oder Verbesserung des kardiovaskulären Status bei Patienten mit Herzversagen und Depression", schreiben die Autoren.

Pfizer lieferte das Sertralin für die Studie. Mehrere Autoren offenbarten finanzielle Verbindungen zu Pharma- und/oder medizinischen Geräteunternehmen einschließlich Pfizer.

Quelle: Journal of the American College of Cardiologys, August 2010

Sertralin bei depressiven Alkoholikern

Kombinationsbehandlung mit dem Antidepressivum Zoloft (Wirkstoff Sertralin) und dem Alkoholismusmedikament Naltrexon verbessert die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten mit sowohl Major Depression als auch Alkoholabhängigkeit in der Lage sein werden, mit dem Trinken aufzuhören, berichten US-Forscher.

Kombinationsbehandlung Zoloft und Naltrexon

Ihre 14 Wochen-Studie mit 170 Patienten fand heraus, dass 54 Prozent von jenen, die die Kombinationsbehandlung erhielten, in der Lage waren mit dem Trinken aufzuhören, verglichen mit 21 bis 28 Prozent der Patienten, die ein Placebo, nur Zoloft (aktive Substanz Sertralin) erhielten oder nur Naltrexon.

Verzögerung der Alkoholismus-Rückfälle

Die Patienten, die die Kombinationsbehandlung erhielten, hielten auch einen längeren Zeitraum durch, bevor sie wieder mit dem Trinken begannen -- 61 Tage verglichen mit 15 Tagen bei den Patienten in den anderen Gruppen.

Die Befunde können einen wichtigen Fortschritt in der Behandlung von Patienten mit Alkoholismus und Depression zeigen, sagten die Forscher der Universität von Pennsylvania.

Depression und Alkoholabhängigkeit

"Wenn Depression und Alkoholabhängigkeit zusammen auftreten, hat jede Erkrankung einen negativen Einfluss auf das Ergebnis des Anderen, und so beEinflusst die Paarung dieser Krankheiten nicht nur viele Patienten, es macht auch die einzelnen Störungen schlimmer", sagte Verfasserin Helen Pettinati in einer Pressemitteilung.

Kombination mit Naltrexon

Sertralin und Naltrexon zu kombinieren, könnte ein praktischer Ansatz für diese Patienten sein, weil beide die FDA (US-Nahrung und Medikament Adminstration) Genehmigung haben, schreiben die Wissenschaftler.

Die Studie wurde am 15. März in The American Journal of Psychiatry herausgegeben.

Quelle: The American Journal of Psychiatry, 2009

Dysgraphie (Schreibschwäche) als Nebenwirkung

27.01.2016 Ein in der Zeitschrift Journal of Clinical Pharmacy and Therapeutics veröffentlichter Fallbericht dokumentiert eine aufgetretene Dysgraphie nach der Einnahme des SSRI-Antidepressivums Sertralin.

Marta Gentili von der Luigi Sacco Universitätsklinik der Universität Mailand und Kollegen untersuchten das Auftreten der Schreibschwäche nach der Einnahme des Medikaments. Sie beschreiben den Fall eines 60-jährigen Mannes, der nach der Verabreichung des SSRIs (wegen einer klinischen depressiven Episode) Ruhetremor, bukkale Dyskinesie (Wange) und Dysgraphie erlebte.

Die psychiatrische Anamnese des unter einer bipolaren Störung Typ II leidenden Patienten begann im Jahr 2003. Der Patient wurde mit verschiedenen Medikamenten behandelt, die ihm vorübergehend halfen.

Im September 2014 wurde ihm Mirtazapin (15 mg/Tag) und eine niedrige Dosis Sertralin (50 mg/Tag) aufgrund wiederauftretender depressiver Episoden verschrieben. Sertralin wurde bis auf 200 mg/Tag erhöht.

Der Patient erlebte dann zwei Monate später Ruhe-Tremores und Episoden von bukkaler Dyskinesie und Schreibschwäche, die beschwerlich und behindernd waren. Die Sertralin-Dosis wurde allmählich zurück auf 50 mg/Tag gefahren, wobei es zu einer vollständigen Remission (Nachlassen) der Symptome kam.

Dysgraphie ist eine mögliche Nebenwirkung von Sertralin, und die Autoren vermuten, dass die Hemmung extrapyramidaler dopaminerger Aktivität der pharmakologische Mechanismus sein könnte.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Mailand, Journal of Clinical Pharmacy and Therapeutics; Jan. 2016

Wirksamkeit bei chronischem Nierenversagen, Niereninsuffizienz

19.11.2017 Die Behandlung mit Sertralin verbessert nicht wesentlich die depressiven Symptome bei schwer depressiven Patienten mit nicht-dialyseabhängigen chronischen Nierenerkrankungen (Niereninsuffizienz) laut einer im Journal of the American Medical Association veröffentlichte Studie.

Dr. S. Susan Hedayati von der Universität Texas, Southwestern Medical Center in Dallas, und Kollegen führten eine randomisierte Studie mit 201 Patienten im Stadium 3, 4 oder 5 einer nicht-dialyseabhängigen chronischen Niereninsuffizienz durch. Die Depressivität wurde mit Hilfe des Mini Neuropsychiatric Interview ermittelt.

Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip zugeteilt, und erhielten Sertralin oder Placebo für 12 Wochen (102 bzw. 99 Patienten). 193 Patienten, die nach der Randomisierung mindestens eine Ausgangsbeurteilung hatten, wurden in die Primäranalyse einbezogen.

Die Forscher stellten eine Veränderung beim 16-Item Quick Inventory of Depression Symptomatology Clinician Rated von -4,1 in der Sertralin-Gruppe und -4,2 in der Placebo-Gruppe (Gruppenunterschied 0,1; 95 Prozent Konfidenzintervall, -1,1 bis 1,3; P = 0,82) fest.

Bei der Studie zur Lebensqualität der Patienten wurde kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen beobachtet. Die Sertralin-Gruppe zeigte häufiger Übelkeit oder Erbrechen sowie Durchfall.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Texas; Journal of the American Medical Association - doi:10.1001/jama.2017.17131; Nov. 2017

Hirnaktivität kann den Erfolg der Depressionsbehandlung vorhersagen

15.04.2018 Eine neue Untersuchungsmethode könnte bei der Vorhersage der Behandlungsprognose von depressiven Patienten nützlich sein - bevor mit der Behandlung mit Sertralin begonnen wird - laut einer im Fachblatt JAMA Psychiatry veröffentlichten Studie.

Für die neue Studie wurden mehr als 300 Patienten an vier Standorten in den USA mit Sertralin oder Placebo behandelt.

Klinisches Ansprechen

Die Forscher um Dr. Diego A. Pizzagalli vom McLean Hospital zeigten, dass das Aktivierungsniveau des rostralen anterioren cingulären Cortex (ACC) das klinische Ansprechen acht Wochen später vorhersagte - auch bei statistischer Berücksichtigung der demographischen und klinischen Variablen, die zuvor mit dem Ansprechen auf die Behandlung verbunden waren, sagte Pizzagalli.

Je höher die Aktivität vor Beginn der Behandlung war, desto besser war das klinische Ansprechen 2 Monate später, sagte der Psychiater.

rACC-Theta-Marker

Denjenigen mit diesem ACC-Marker des guten Ansprechens könnte ein Kliniker sagen, dass sie eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, von der Intervention mit Sertralin (oder ähnlich wirkenden Antidepressiva) zu profitieren, und sie sollten bei der Behandlung bleiben, erklärte er.

Umgekehrt könnten Patienten mit einer geringen Reaktion bei diesem Marker mit einer aggressiveren Behandlung am Anfang beginnen, z.B. mit einer Kombination aus Pharmakologie und Psychotherapie, und vor allem, könnten die Kliniker diese Patienten genauer überwachen.

Der rACC-Theta-Marker in Kombination mit klinischen und demographischen Variablen machte schätzungsweise 39,6% der Varianz der Symptomveränderung aus (wobei 8,5% der Varianz eindeutig auf den rACC-Theta-Marker zurückzuführen waren).

© PSYLEX.de - Quellenangabe: McLean Hospital; JAMA Psychiatry. 2018 Apr 11. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.0252

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