Sertralin bei Fragiles-X-Syndrom, Schädel-Hirn-Trauma

Antidepressivisch wirkende Psychopharmaka

Fragiles-X-Syndrom: Studie

29.08.2016 Laut einer im Fachblatt Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics veröffentlichten Studie der University of California (Davis MIND Institute) kann die Behandlung mit einer niedrigen Dosis Sertralin (Zoloft) zu Verbesserungen der kognitiven und sozialen Fähigkeiten bei sehr jungen Kindern mit Fragilem-X-Syndrom führen.

Fragiles-X-Syndrom

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Bild: Position des Gens FMR1
auf dem X-Chromosom

Das Fragiles-X-Syndrom (FXS) ist die häufigste genetische Ursache intellektueller Behinderung und die häufigste monogen vererbte Ursache für Autismus. Grund hierfür ist eine genetische Veränderung auf dem X-Chromosom im Gen FMR1 (fragile X mental retardation 1).

Die Behinderung kann in ihrer Schwere stark variieren und von leichten Lernschwierigkeiten bis zu extremer kognitiver Beeinträchtigung reichen.

Die aktuelle Studie ist die erste kontrollierte klinische Studie mit einer niedrigen Dosis Sertralin - Handelsname ist Zoloft - bei kleinen Kindern mit dieser Störung, die bedeutende Verhaltensprobleme, Lern- und emotionale Schwierigkeiten verursacht.

Etwa 60 Prozent der Kindern mit FXS werden auch mit Autismus diagnostiziert, und bei diesen Kindern konnte auch die Sprachentwicklung verbessert werden.

Selektiver Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer

Sertralin ist ein Selektiver Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Das Serotonin-Niveau ist während der frühen Entwicklung niedrig, wenn die Synapsen-Bildung am schnellsten ist, was auf ein Entwicklungsfenster in den ersten fünf Jahren des Lebens deutet, in dem ein SSRI vorteilhaft sein könnte.

Maus-Modelle zeigten auch, dass SSRI den Wachstumsfaktor BDNF (Brain-derived neurotrophic factor - Vom Gehirn stammender neurotropher Faktor) stimulieren können, wenn sie in der frühen Entwicklung gegeben werden.

In Anbetracht des Mangels bei der Reifung der Synapsen bei FXS zusammen mit der Rolle von BDNF bei der synaptischen Reifung, Plastizität und Neurogenese, sind SSRI von besonderem Interesse für die Behandlung des Fragilem-X-Syndrom, sagten die Wissenschaftler.

Niedrige Dosierung in Placebo-kontrollierter Studie

Die kontrollierte Studie wurde mit 2-6-jährigen Kindern mit FXS zwischen Februar 2012 und August 2015 durchgeführt. Die meisten waren männlich und weiß. 52 Kinder nahmen an der sechsmonatigen klinischen Studie bis zum Ende teil, wobei etwa die Hälfte eine niedrige Dosis Sertralin (titriert auf Alter und Gewicht) erhielt, die andere Hälfte ein Placebo.

Die kognitiven und sozialen Fähigkeiten der Kinder wurden regelmäßig mit einer Reihe von Tests bewertet, einschließlich Tests zur Erfassung der Kognition, Feinmotorik, visuellen Wahrnehmung, expressiven und rezeptiven Sprache, sowie der sensorischen Prozesse und sozialen Partizipation.

Wirksamkeit bei Fragilem-X-Syndrom

Sertralin demonstrierte nicht nur eine Auswirkung auf bestimmte Aspekte der Entwicklung und des Erkennens, sondern zeigte auch Belege für soziale Verbesserungen, sagte Studienautor Randi Hagerman.

Die Forscher beobachteten auch deutliche Verbesserungen bei der frühen expressiven Sprachentwicklung unter den Kindern mit Autismus und Fragilem-X-Syndrom, die mit dem Medikament behandelt wurden - aber nicht bei den mit dem Placebo behandelten Kindern.

Hagerman sagte, dass das Entwicklungsfenster der schnellen Synapsen-Bildung und Netzkonnektivität in den ersten paar Jahren des Lebens wohl die beste Zeit für eine effektive Behandlung sei.

Diese Studie rechtfertigt weitere Forschungsarbeiten zur Wiederholung dieser vorläufigen Ergebnisse und Studien, die mit verbesserten Sprach- / pädagogischen Interventionen verbunden sind, bei FXS und Autismus-Spektrum-Störung, sagte sie.

Alle Familien, die bis zum Studienende dabeiblieben, wollten die Behandlung ihrer Kinder mit Sertralin fortsetzen, sagte sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of California, Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics - DOI: 10.1097/DBP.0000000000000334; August 2016

Bei Schädel-Hirn-Verletzung, Schädel-Hirn-Trauma

19.09.2016 Antidepressiva wie Sertralin sollten nach Schädel-Hirn-Verletzungen nicht erst eingesetzt werden, wenn sich eine Depression zeigt laut einer in JAMA Psychiatry veröffentlichten Studie des Baylor College of Medicine und der Universität Iowa.

Hohe Prävalenz für Depression

Die Forscher zeigen, dass der Beginn von Depressionen verhindert werden kann, wenn Patienten nach Schädel-Hirn-Traumata sofort Antidepressiva nehmen, bevor die Depression eine Chance hatte, sich zu entwickeln.

schaedel-hirn-trauma

Forscher Dr. Ricardo Jorge sagte, dass die Häufigkeit von Depression nach Schädel-Hirn-Verletzungen sehr hoch ist (s.a. Depression durch Gehirnverletzung (Kinder/Jugendliche), Schädel-Hirn-Trauma und Depression). Bis zu 50 Prozent der Patienten entwickeln während des ersten Jahres nach einer Schädel-Hirn-Verletzung eine Depression. Nicht nur, dass die Prävalenz für Depression hoch ist, es wirkt sich auch auf die Genesung, insbesondere die Reintegration von Patienten mit Schädel-Hirn-Traumata in die Gemeinschaft aus.

Die Prävalenz der Depression bei Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzungen ist nicht nur hoch im ersten Jahr, sondern auch weiterhin höher nach vielen Jahren. Zusätzlich neigt Depression selbst sich in einen chronischen Prozess zu verwandeln und behandlungsresistent zu werden, sagte Jorge.

Sertralin vs. Placebo bei SHT

In der Studie mit 94 nicht-depressiven Patienten mit Schädel-Hirn-Traumata erhielten die einen das Antidepressivum Sertralin und die anderen ein Placebo innerhalb von vier Wochen nach der Verletzung. Die Forscher beobachteten die Effekte der Behandlung über 24 Wochen oder bis der Patient eine Stimmungsstörung entwickelte.

Jorge und Kollegen konnten bei 20 Prozent der Patienten in der Placebo-Gruppe Stimmungsstörungen während der Beobachtungszeit feststellen, aber nur 5 Prozent in der Sertralin-Gruppe zeigten affektive Störungen. Die Forscher stellten auch fest, dass die Patienten in der Sertralin-Gruppe länger im Vergleich zur Placebo-Gruppe brauchten, um eine affektive Störung zu entwickeln.

Die Ergebnisse waren nicht überraschend für die Forscher, da sie zuvor auch eine ähnliche Wirkung auf Schlaganfall-Patienten beobachten konnten, sagte Jorge.

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus der Studie war, dass Patienten, die das Medikament für sechs Monate genommen hatten, nur minimale Nebenwirkungen bemerkten. Jorge nimmt an, dass dies an den niedrigeren Dosen des Sertralins lag. Diese waren niedriger als sie in der Regel bei Patienten verordnet werden, die bereits mit Symptomen einer Depression zu tun haben.

Jorge sagte, die Resultate der Studie müssen nun mit größeren Proben repliziert werden.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Baylor College of Medicine, Universität Iowa, JAMA Psychiatry - DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2016.2189 ; Sept. 2016

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