Valproinsäure (Valproat)

Anti-Epileptikum - Psychopharmaka

Wirkung

Valproinsäure
Wirkstoff: Valproinsäure; das Salz heißt Valproat
Wirkung auf die Psyche, das Gehirn als: Anti-Epileptikum (wird zuweilen auch bei Bipolarer Störung eingesetzt). Im Off-Label Bereich wird es auch oft bei Migräne eingesetzt.

Der Wirkstoff ist ein Antiepileptikum/Antikonvulsivum und wird bei epileptischen Anfällen, bei der bipolaren Störung (gegen die manischen Zustände) und Off-Label bei Migräne eingesetzt. ATC-Code ist N03AG01.

Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen:

Störung Blutsystems und Lymphsystems bei Valproinsäure:

Hemmung sekundäre Phase der Thrombozytenaggregation, dadurch Verlängerung der Blutungszeit und häufig Thrombopenie. Gewöhnlich bei Überschreiten der empfohlener Dosis - reversibel. Häufig bei Valproinsäure: reversible Knochenmarkssupressionen, Agranulocytose und gelegentlich Lymphocytose.

Selten: Erythrozytenhypoplasien, Leukopenien, starke Verminderung sämtlicher Blutzellen.

Störung des Immunsystems:

Gelegentlich: Entzündungen von Arterien, Arteriolen, Kapillaren, Venolen und Venen, Allergische Reaktionen.

Selten: syst. Lupus erythematodes. Endokrine Störung: Dysmenorrhoe, Amenorrhoe.

Sehr selten: ein- oder beidseitige Vergrößerung der männlichen Brustdrüsen.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörung:

Hyperammonämie. Isolierte, mittelgradige Hyperammonämien sind häufig, üblicherweise vorübergehend. Therapieabbruch wenn verbunden mit: Erbrechen, Ataxie und zunehmender Bewusstseinstrübung.

Selten: Auftreten von Ödemen.

Psychische/neurologische Störungen:

Depressive Störung Nervensystem: Ataxie, Schwindel, Tremor.

Gelegentlich: Sedierung.

Selten: Lethargie und Verwirrtheit, Stupor, Halluzinationen, Krampfanfälle.

Sehr selten bei Valproinsäure: Enzephalopathien und Koma, Aggression, Hyperaktivität, Verhaltensauffälligkeiten, reversible extrapyramidale Symptome einschließlich Parkinsonismus oder reversible Demenz gemeinsam mit reversibler zerebraler Dysfunktion, Steigerung der Aufmerksamkeitsschwelle, Gehörverlust.

Selten: Kopfweh, Nystagmus.

Gastrointestinale Beschwerden unter Valproinsäure:

Sehr selten: Bauchspeicheldrüsenentzündung, Appetitsteigerung, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Verstopfung.

Funktionsstörung der Leber und Galle:

Erhöhung Transaminasen. Selten: schwere Leberschäden, Porphyrie.

Funktionsstörung der Haut und Unterhautzellgewebes bei Valproinsäure:

Haarausfall, Porphyrie, Hautreaktionen z.B. Exanthem.
Sehr selten: Hirsutismus, Akne.

Einzelfälle:

Lyell-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom und Erythema multif. Funktionsstörung Niere und ableitende Harnwege bei Valproinsäure - weitere Einzelfälle: reversibles Fanconi-Syndrom (proximale Tubulopathie, die zu Glukosurie, Aminoazidurie, Phosphaturie und Urikosurie führt).

Handelsnamen

Medikamente, die den Wirkstoff Valproinsäure enthalten:

Schwangerschaft und Valproinsäure - FDA Warnung

Schwangere Frauen, die unter Migränekopfschmerzen leiden, sollten nicht Medikamente einnehmen, die Valproat enthalten, da sie den IQ ihrer Kinder senken können, sagte die FDA am Montag.

Warnung vor Einsatz bei Migräne

Die neue Warnung wird auf den Etiketten von Medikamenten gedruckt werden, die Valproat enthalten. Diese Medikamente enthalten schon eine Verpackungswarnung hinsichtlich fötaler Risiken einschließlich Geburtsfehler.

Valproatprodukte sind z.B.:

Valproat-Medikamente sollten nie bei schwangeren Frauen für die Prävention von Migränekopfschmerzen verwendet werden, denn wir haben jetzt mehr Daten zu den Risiken für die Kinder, die jeglichen Behandlungsnutzen überwiegen, sagte Dr. Russell Katz, Direktor der Abteilung für Neurologieprodukte des FDAs Center for Drug Evaluation and Research.

Kinder schnitten sehr viel schlechter in IQ-Tests ab

Diese neue Warnung wurde ausgegeben, nachdem eine Studie herausfand, dass Kinder, deren Mütter Valproat-Medikamente gegen Epilepsie in der Schwangerschaft einnahmen, acht bis 11 Punkte schlechter bei IQ-Tests im Alter von 6 abschnitten, als Kinder, die anderen antiepileptischen Medikamenten während der Schwangerschaft ausgesetzt waren.

Hinweise an schwangere Frauen

Die FDA sagte auch:

© PSYLEX.de - Quelle: U.S. Food and Drug Administration, Mai 2013

Valproinsäure in Schwangerschaft: Risikobewertungsverfahren

Die Europäische Arzneimittelagentur hat ein Risikobewertungsverfahren zu Valproat, Valproinsäure und verwandten Substanzen eingeleitet, da die Arzneimittel - wenn von schwangeren Frauen eingenommen - in Verbindung mit Fehlbildungen bei Kindern stehen.

Valproat ist als Antiepileptikum indiziert und zur Therapie manischer Zustände bei der bipolaren Störung (Valproinsäure wird auch ohne Zulassung zur Migräneprophylaxe eingesetzt).

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte berichtet, das Großbritannien beantragt hat, ein Risikobewertungsverfahren gegen Valproinsäure und verwandte Substanzen einzuleiten, weil die Arzneimittel mit einem erhöhten Risiko für angeborene Fehlbildungen der Kinder verbunden sind, wenn sie in der Schwangerschaft eingenommen werden. Weiterhin gibt es Berichte über psychische Entwicklungsstörungen und Autismus-Spektrum-Störungen.

Die U.S. Food and Drug Administration hat bereits im Mai 2013 schwangere Frauen davor gewarnt Valproat bzw. verwandte Substanzen einzunehmen.

© PSYLEX.de - Quelle: BfArM, Okt. 2013

Medikament verantwortlich für 'schwere Geburtsfehler' in Frankreich?

21.04.2017 Das Epilepsie-Medikament Valproat (Wirkstoff Valproinsäure) soll in Frankreich bei 2.150 bis 4.100 Kindern verantwortlich für "schwere Missbildungen" sein, seit das Medikament erstmals im Land im Jahr 1967 verkauft wurde laut einer Vorstudie der französischen Gesundheitsbehörden.

Frauen, die das Medikament während der Schwangerschaft zur Behandlung von Epilepsie einnahmen, hatten ein viermal höheres Risiko für Babys mit angeborenen Fehlbildungen, sagt der Bericht, der gemeinsam von der französischen Nationalen Agentur für die Sicherheit von Arzneimitteln (ANSM) und der nationalen Krankenversicherungsbehörde herausgegeben wurde.

Hohes teratogenes Risiko

valproinsaeure Chemische Strukturformel
Bild: Chemische Strukturformel

Die Studie bestätige eine hohe teratogene (Einwirkungen, die Fehlbildungen beim Embryo hervorrufen können) "Natur von Valproat", sagte Mahmoud Zureik, wissenschaftlicher Direktor des ANSM und ein Ko-Autor des Berichts.

Spina bifida, Herz- und genitale Defekte

Die Zahl von etwa 3.000 schweren Missbildungen ist sehr hoch, sagte er. Die Formen der Geburtsfehler, die dem Medikament zugeschrieben wurden, waren Spina bifida ('offener Rücken'), Defekte des Herzens und der Genitalorgane.

Das Risiko für Autismus- und Entwicklungsprobleme wird in einem Folgebericht in diesem Jahr quantifiziert.

Von 1967 bis 2016 wurden zwischen 64.100 und 100.000 Schwangerschaften in Frankreich Valproat ausgesetzt, was zu 41.200 bis 75.300 Lebendgeburten führte, so der Bericht.

Die überwiegende Mehrheit der Geburtsfehler trat bei Frauen auf, die wegen Epilepsie behandelt wurden.

Höheres Risiko bei Bipolarer Störung

Aber ab Ende der 1970er Jahre wurde Valproinsäure - in Frankreich unter Depakin, Depakote, Stavzor und anderen Handelsnamen bekannt - auch zur Behandlung von Bipolarer Störung verschrieben.

Bipolare Frauen, die das Medikament einnehmen, haben ein doppelt so hohes Risiko für Kinder mit schweren Geburtsfehlern, fand die Studie.

Das niedrigere Risiko gegenüber Frauen, die wegen Epilepsie behandelt wurden (vierfach erhöhtes Risiko), rührt vermutlich daher, dass die Behandlung bei schwangeren bipolaren Frauen frühzeitig in der Schwangerschaft gestoppt wurde, sagte Zureik.

Die ersten beiden Trimester der Schwangerschaft

Das Risiko einer schweren Fehlbildung ist auf die ersten beiden Trimester der Schwangerschaft beschränkt, sagte Alain Weill Koautor des Berichts.

Das Risiko für Geburtsfehler, die mit Valproat verbunden sind, ist seit den 1980er Jahren bekannt, besonders für die Bedingung Spina bifida, die 20 Mal häufiger bei Föten auftritt, die dem Medikament ausgesetzt waren, schrieben die Forscher.

In einer Erklärung sagte Sanofi gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass das Unternehmen völlig transparent gegenüber den Gesundheitsbehörden gewesen sei.

Das Unternehmen sei sich der schmerzlichen Situation bewusst, mit der die Familien der Kinder konfrontiert sind, die aufgrund einer Verbindung mit der antiepileptischen Behandlung ihrer Mutter während der Schwangerschaft aufgetreten sein können, sagte der Pharmakonzern.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: AFP, Agence nationale de sécurité du médicament et des produits de santé; April 2017

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Wie fühlt es sich an mit Valproinsäure?

14.01.2015 - Kommentar von Haydn:

Hallo, ich bin 27 und versuche seit knapp einem Jahr meine bipolare Störung zu behandeln. Ich habe Lamictal mit schrecklichen Nebenwirkungen ausprobiert, und ich bin stabil geblieben bei viel Sport, Vitaminpräparaten und Beruhigungsmitteln. Ich bin bereit, Valproinsäure zu versuchen und ich frage mich, ob jemand hier seine Erfahrungen mitteilen kann, wie es sich damit anfühlt. Ich bin mir bei dieser Krankheit nicht mehr so optimistisch, denn ich versuche schon seit einem Jahr etwas dagegen zu tun. Aber vielleicht kann dieses Medikament ja meine Erkrankung stabilisieren. Wer weiß. Ich wäre jedem dankbar, der seine Erfahrungen hier schreibt (auch bitte über die Nebenwirkungen).Haydn

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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