Vareniclin - Herzinfarkt, Depression, psychische Erkrankungen

Partialagonist an Nikotinrezeptoren - Psychopharmaka

Anti-Rauch-Pille doch nicht mit Herzinfarkt oder Depression verbunden

Das hoch-wirksame Medikament Varenclin (Handelsnamen: Champix in der EU, Chantix in den USA) zur Rauch-Entwöhnung erhöht nicht das Risiko für Herzinfarkt und Depression wie vorher angenommen, sagt eine aktuelle Forschungsstudie verschiedener europäischer Universitäten unter der Leitung der Universitäten Edinburgh und Düsseldorf.

Potentiell gefährliche Nebenwirkungen

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Vareniclin ist das wirksamste Medikament, um Rauchern beim Aufhören zu helfen, aber vorherige Berichte haben nahegelegt, dass es für den Benutzer die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt, Depression, Selbstverletzungen und Suizid erhöht.

Die aktuelle Forschungsstudie untersuchte diese potentiellen Nebenwirkungen zum ersten Mal simultan und unterstützt kürzliche Studien, die keine Belege für die negativen Auswirkungen von Vareniclin auf die psychische Gesundheit fanden (zu dieser Studie). Sie zeigt auch, dass Champix nicht das Risiko für eine Herzkrankheit anhebt.

Vergleich mit Bupropion und Nikotinersatzprodukten

Das Forscherteam analysierte die anonymisierten Daten von mehr als 150.000 Rauchern aus England. Den Patienten war entweder Vareniclin oder Bupropion - ein anderer Arzneistoff zur Raucherentwöhnung - verschrieben worden. Oder sie verwendeten Nikotinersatzprodukte wie Nikotin-Pflaster, -Kaugummis oder -Lutschtabletten.

Dann wurden sie sechs Monate auf jede Auswirkung der Behandlungen auf ihre Gesundheit beurteilt.

Die Forscher stellten fest, dass Vareniclin oder Buproprion einnehmende Teilnehmer nicht wahrscheinlicher einen Herzinfarkt erlitten, als diejenigen, die Nikotinersatzprodukte einsetzten.

Es traten bei ihnen auch nicht mehr Depressionsfälle oder selbstschädigendes Verhalten auf, berichteten die Wissenschaftler in der Zeitschrift The Lancet Respiratory Medicine.

Professor Aziz Sheikh von der Universität Edinburgh sagte: "Aufgrund unserer weitreichenden Analyse ist es hoch unwahrscheinlich, dass Vareniclin bedeutsame Nebenwirkungen betreffend des Herzens oder der psychischen Gesundheit hat. Die Regulierungsbehörden - wie die FDA der USA - sollten ihre Sicherheitshinweise überprüfen, die in Bezug auf Champix unnötigerweise den Zugang zu diesem wirkungsvollen Produkt zur Nikotinentwöhnung begrenzen."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Edinburgh, The Lancet Respiratory Medicine; Sept. 2015

Kein erhöhtes Risiko für neuropsychiatrische Nebenwirkungen

23.04.2016 Pfizer hat Daten aus der bisher größten randomisierten klinischen Studie (EAGLES) der zugelassenen Medikamente zur Raucherentwöhnung veröffentlicht.

EAGLES wurde zur Untersuchung der neuropsychiatrischen Sicherheit und Wirksamkeit von Vareniclin (wird unter dem Namen Champix verkauft) und Bupropion im Vergleich zu Placebo und Nikotinpflaster durchgeführt.

EAGLES

Die mehr als 8.000 Teilnehmer von EAGLES waren im Alter zwischen 18 und 75 Jahren, die pro Tag im Durchschnitt mehr als 10 Zigaretten rauchten und motiviert waren, mit dem Rauchen aufzuhören - 82% hatten mindestens einen vorherigen Versuch gemacht.

Die Hälfte (4.116) hatten eine frühere oder aktuelle stabile psychiatrische Erkrankung - wie Stimmungsstörung, Angststörung, psychotische Störung oder Borderline-Persönlichkeitsstörung, und etwa die Hälfte dieser Gruppe nahm Psychopharmaka ein. Die anderen Teilnehmer (4.028) hatten keine psychiatrische Erkrankung.

Alle Teilnehmer wurden auf moderate bis schwere unerwünschte neuropsychiatrische Ereignisse während und nach der Behandlung beobachtet, u.a. auf Agitation, Aggression, Panik, Angst, Depression und Suizidgedanken.

Keine häufigeren Symptome psychischer Erkrankungen

Die Ergebnisse zeigen, dass Vareniclin und Bupropion bei Patienten mit und ohne psychische Störung nicht mit einem erhöhten Risiko für schwere neuropsychiatrische Nebenwirkungen verbunden waren, sagte Studienautor Professor Robert M. Anthenelli von der University of California, San Diego.

Bei Rauchern ohne psychiatrische Erkrankung gab es keinen signifikanten Anstieg der Inzidenz von unerwünschten neuropsychiatrischen Ereignissen in den vier Behandlungsgruppen (1,3% Vareniclin; 2,2% Bupropion; 2,5% Nikotin-Pflaster; 2,4% Placebo).

Insgesamt wurden mehr unerwünschte neuropsychiatrische Ereignisse in der Gruppe mit psychiatrischen Störungen berichtet als in der Gruppe ohne. Allerdings fanden die Forscher ähnliche Raten in allen Behandlungsgruppen (6,5% Vareniclin; 6,7% Bupropion; 5,2% Nikotin-Pflaster; 4,9% Placebo).

Wirksamkeit in EAGLES

Darüber hinaus zeigte Vareniclin eine statistische Überlegenheit bei den kontinuierlichen Abstinenzraten in den Wochen 9-12 und 9-24 als die mit Placebo, Bupropion oder Nikotinpflaster behandelten Patienten. Bupropion und Nikotinpflaster zeigten ähnliche und ebenfalls höhere Abstinenzraten als die mit Placebo behandelten Teilnehmer.

Insgesamt waren von der 9. Woche (Ende der Behandlung) bis zur 24. Woche (Nachtestung) 21,8% der mit Vareniclin behandelten Personen kontinuierlich abstinent (16,2% bei Bupropion; 15,7% mit Nikotinpflaster ; 9,4% Placebo). Raucher mit einer psychischen Störung erreichten etwas niedrigere Abstinenzraten als Raucher ohne eine psychische Erkrankung.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Pfizer, University of California, The Lancet - DOI: 10.1016/S0140-6736(16)30272-0; April 2016

Medikament verringerte Rauchen bei Patienten mit Herzinfarkt

31.05.2018 Bei Patienten, die einen Herzinfarkt hatten, reduzierte das Medikament Vareniclin (Handelsname Champix) das Rauchen im folgenden Jahr deutlich laut einer randomisierten kontrollierten und im Fachblatt Canadian Medical Association Journal veröffentlichten Studie.

Patienten, die nach einem akuten Koronarsyndrom, einschließlich eines Herzinfarktes (Myokardinfarkt) oder einer instabilen Angina (verminderter Blutfluss zum Herzen) rauchen, haben ein erhöhtes Risiko für eine weitere Herzattacke und / oder Tod, wenn sie nicht aufhören.

Patienten mit akutem Koronarsyndrom

Dr. Mark Eisenberg von der McGill Universität und Kollegen untersuchten die Wirksamkeit von Vareniclin bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom, um festzustellen, ob es die Raucherabstinenz erhöhen würde.

Die randomisierte kontrollierte Studie umfasste 302 Patienten in Zentren in Kanada und den USA, die wegen eines akuten Koronarsyndroms ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Sie waren motiviert, mit dem Rauchen aufzuhören, und hatten im vorhergegangenen Jahr mindestens 10 Zigaretten pro Tag geraucht.

Versus Placebo

Die Patienten erhielten 12 Wochen lang eine Beratung zum Nikotinentzug sowie das Medikament Vareniclin oder ein Placebo. Die meisten Teilnehmer hatten eine mittelschwere bis starke Nikotinabhängigkeit.

Vareniclin hat sich in bisherigen Studien bei Patienten mit Herzinfarkt innerhalb der ersten 6 Monate als wirksam erwiesen, aber seine längerfristige Wirksamkeit war bisher nicht bekannt.

Längerfristige Wirksamkeit

Etwa 40% der Teilnehmer, die Vareniclin erhielten, rauchten nach einem Jahr nicht, verglichen mit 29% in der Placebogruppe.

In der Vareniclin-Gruppe war auch der Rückgang des täglichen Zigarettenrauchens um mindestens 50% höher als in der Placebogruppe (57,8% vs. 49,7%).

Die Raten der Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen ähnlich.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Canadian Medical Association Journal (2018). DOI: 10.1503/cmaj.170377

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