Vortioxetin (Brintellix)

Antidepressivum - Psychopharmaka

Wirkung und Indikation

Chemische Strukturformel von Vortioxetin
Chemische Strukturformel von Vortioxetin

15.01.2014 Zulassung von Vortioxetin (Handelsname Brintellix) in der EU.
Das Psychopharmakon gehört zu den SSRI, Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern.
Es ist ein sogenannter Serotonin-Modulator und Stimulator. Es hat sich gezeigt, dass es die folgenden pharmakologischen Wirkungen besitzt: Serotonin-Transporter (SERT) Blocker (z.B. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SRI), 5-HT1A Rezeptor hoher Wirksamkeit partieller Agonist, 5-HT1B Rezeptor partieller Agonist, 5-HT3A Rezeptor-Antagonist, 5- HT7 Rezeptor-Antagonist.

Die Wirkung auf den Organismus ist antidepressivisch, es kommt also bei Depression zum Einsatz.

Brintellix gehört zu den rezeptpflichtigen Psychopharmaka und ist in der EU (seit Dezember 2013) zugelassen.

Vortioxetin ist in Tablettenform mit:

Die Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen, die unter Vortioxetin berichtet wurden, waren:

Die Häufigkeit von sexuellen Funktionsstörungen soll höher bei Brintellix-einnehmenden Patienten liegen, als bei Patienten, die Placebos einnahmen, aber niedriger als unter Venlafaxin.

Wie bei anderen Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern besteht auch bei Brintellix ein Risiko für das Serotoninsyndrom.

Gegenanzeigen

Vortioxetin darf nicht angewendet werden,

Warnhinweise

Es bestehen Warnhinweise bzw. es sind Vorsichtsmaßnahmen zu treffen (siehe Fachinformationen des Beipackzettels):

Die vollständigen Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Warnhinweise sind dem Beipackzettel zu entnehmen.

Forschung/News

Antidepressiva: Brintellix gegen Valdoxan

Lundbeck hat vielversprechende Daten zu Brintellix (Wirkstoff Vortioxetin) veröffentlicht, seines vor kurzem zur Genehmigung eingereichten Antidepressivums, welches zusammen mit Takeda entwickelt wurde.

Das dänische Pharmaunternehmen veröffentlichte Ergebnisse einer Studie (REVIVE), in der Brintellix mit Serviers Valdoxan (Wirkstoff Agomelatin) verglichen wird.

Valdoxan

Valdoxan kommt bei Erwachsenen mit Major Depression zum Einsatz, wenn es zu unzulänglichen Reaktionen auf häufig verschriebene selektive Serotoninwiederaufnahme Hemmer (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme Hemmer (SNRI) kommt.

Lundbeck bemerkte, dass Agomelatin wegen seiner unterschiedlichen Wirkungsweise zu konventionellen SSRI / SNRI Therapien als Vergleich gewählt wurde.

Lundbeck sagt, dass nur wenige randomisierte Doppelblind-Studien mit Major Depression Patienten gemacht wurden, die für firstline Antidepressiva unempfänglich waren, und dass "dies eine der wenigen Studien ist, welche auch eine bedeutsame Differenz zwischen Behandlungen zeigt".

Hinsichtlich des primären Endpunkts von REVIVE war Vortioxetin bzw. Brintellix statistisch signifikant besser: 2,2 Punkte auf der Montgomery-Asberg Depressionsskala (MADRS) als Agomelatin (bzw. Valdoxan). Brintellix wird zur Zeit auf beiden Seiten des Atlantiks auf Zulassung überprüft.

Quelle: Lundbeck, April 2013

Brintellix bei Depression von FDA genehmigt

Die U.S. Food and Drug Administration hat Brintellix (Wirkstoff Vortioxetin) für die Behandlung von Erwachsenen mit Major Depression zugelassen.

Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Vortioxetin

Vortioxetin hat seine Wirksamkeit in sechs klinischen Studien gezeigt, in denen Erwachsene mit Major Depression randomisiert Brintellix oder ein Placebo erhielten. Eine zusätzliche Studie zeigte, dass Brintellix die Wahrscheinlichkeit verminderte, dass die Teilnehmer nach der Behandlung ihrer Major Depression Episoden wieder depressiv wurden.

Die häufigsten Nebenwirkungen, von denen die Vortioxetin-einnehmenden Teilnehmer berichteten waren: Übelkeit, Verstopfung und Erbrechen.

Produktgrößen von Brintellix®

Brintellix wird in 5 mg, 10 mg, 15 mg und 20 mg Tabletten verfügbar sein.

Vortioxetin und andere Antidepressiva tragen eine Verpackungswarnung, in der Patienten und Angehörige der Gesundheitsberufe gewarnt werden, dass diese Antidepressiva das Risiko für Suizidgedanken und Suizidverhalten bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 während der ersten Behandlung erhöhen können.

Das Medikament wird vermarktet von Takeda Pharmaceuticals und Lundbeck.

© PSYLEX.de - Quelle: FDA, Sept. 2013

Brintellix: CHMP-Zulassungsempfehlung für Depression

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Zulassungsbehörde (CHMP) hat auf seiner Oktober-Sitzung beschlossen, die Zulassung von Brintellix (Wirkstoff Vortioxetin) zu empfehlen.

Brintellix von der Firma H. Lundbeck A/S soll in Form von 5mg, 10mg, 15mg, 20mg, Filmtabletten und 20mg/ml Tropfen zum Einnehmen (Lösung) auf den Markt kommen.

Die aktive Substanz ist Vortioxetin, ein Antidepressivum (ATC-Code N06AX26), dessen Wirkmechanismus der direkten Modulation der serotonergen Rezeptoraktivität und Hemmung des Serotonin(5-HT)-Transmitters verwandt ist.

Brintellix Vorteile sollen in der Fähigkeit liegen, eine breite Palette depressiver Symptome reduzieren zu können.

© PSYLEX.de - Quelle: EMA, Okt. 2013

EU-Zulassung

Update 14.01.2014: Brintellix von der Firma H. Lundbeck A/S wurde in der EU für die Behandlung von Patienten mit Major Depression genehmigt. Die aktive Substanz Vortioxetin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.

Positive Daten

Lundbeck und Takeda haben weitere positive Daten über ihr vor kurzem eingereichtes Antidepressivum Brintellix gezeigt.

Die Partner gaben Details von vier Studien beim American Psychiatric Association Meeting in San Francisco zu Brintellix (Wirkstoff Vortioxetin) bekannt.

Die Studien beurteilten Vortioxetin in verabreichten Dosen von 10-20 mg pro Tag. Drei der vier demonstrierten statistisch bedeutende Verbesserungen bei allgemeinen Symptomen verglichen mit Placebo; die vierte Studie, die 10 mg und 15 mg Dosen einschloss, erreichte nicht das primäre Ziel.

In einer 24-64-wöchigen Studie zur Rückfallprävention konnte außerdem die Langzeitwirkung des Medikaments demonstriert werden. Die Behandlung mit dem Psychopharmakon resultierte in einer deutlich längeren krankheitsfreien Dauer und verringerte das Rückfallrisiko um 50%.

Brintellix soll durch eine Kombination zweier Mechanismen arbeiten: Rezeptoraktivitätsmodulation und Hemmung der Wiederaufnahme.

Die Zulassung des Medikaments mit dem Wirkstoff Vortioxetin war auf beiden Seiten des Atlantiks beantragt und inzwischen genehmigt worden.

© PSYLEX.de - Quelle: EMA, Jan. 2014

Mehr zu: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Agomelatin, Venlafaxin, Depression.

Bei Kindern und Jugendlichen mit Depressionen oder Angstzuständen

13.05.2018 Dr. Robert Findling von der Johns Hopkins Universität und Kollegen untersuchten in einer sechsmonatigen Open-Label Erweiterungsstudie das Medikament Vortioxetin (Brintellix wurde in Deutschland vom Markt genommen; ist in der Schweiz zugelassen) bei pädiatrischen Patienten mit Depressionen oder Angstzuständen.

In dieser Studie bewerteten die Forscher die Wirkungen des Medikaments (Handelsnamen Trintellix in den USA von der Firma Takeda; in der EU Brintellix) und konnten frühere Ergebnisse bestätigen, dass eine Dosis von 5-20 mg/Tag bei Kindern und Jugendlichen sicher und gut verträglich ist.

Erweiterungsstudie NCT01491035

In dieser Erweiterungsstudie der 14-tägigen Open-Label, pharmakokinetische Lead-in-Studie NCT01491035 wurde die langfristige Sicherheit und Verträglichkeit von Vortioxetin bei Heranwachsenden mit einer DSM-IV-TR-Diagnose einer depressiven oder Angststörung in den USA oder Deutschland untersucht. Die Studie sollte auch Dosisauswahl und Titration für zukünftige pädiatrische Studien mit Vortioxetin untersuchen.

Abbrüche

Von den 47 Patienten, die die Einführungsphase abgeschlossen hatten, gingen 41 in die Erweiterungsstudie über. Die meisten Patienten (n = 39 [95%]) setzten ihre bisherige Dosierung fort. 21 Patienten (51%) verließen die Erweiterungsstudie; die häufigsten Hauptgründe waren administrative Gründe [n = 8], unerwünschte Ereignisse [n = 4] und mangelnde Wirksamkeit [n = 3].

Nebenwirkungen / Unerwünschte Ereignisse

35 Patienten (85%) hatten mehr als eine Nebenwirkung, von denen 86% leicht oder mittelschwer waren. Fünf Patienten (12%) berichteten über ein schweres unerwünschtes Ereignis, von denen keines mit Vortioxetin in Verbindung stehend betrachtet wurde.

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse (mehr als 10%) waren Kopfschmerzen (27%), Übelkeit (20%), Dysmenorrhoe (Frauen; 19%) und Erbrechen (15%), ohne Beziehung zwischen Intensität der Nebenwirkung und Alter oder Dosis.

Fünf Patienten berichteten über Fälle von Suizidgedanken während der Erweiterungsstudie, einer von ihnen berichtete dies auch während der Einführungsphase.

Zwei Patienten berichteten über ein nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten; einer unternahm einen nicht-tödlichen Suizidversuch.

Während der gesamten Studie über kam es im Laufe der Zeit zu einer Abnahme des Auftretens und der Intensität der unerwünschten Ereignisse. Die Effektivitätsbewertung zeigte einen Trend zur Verbesserung auf der Grundlage numerischer Ergebnisse.

Dosierung

Fazit der Studienautoren: Diese Studie bestätigt die Ergebnisse der Lead-in-Studie, die zu dem Schluss kam, dass eine Dosierungsstrategie von 5-20 mg/Tag sicher, gut verträglich und für zukünftige klinische Studien mit Vortioxetin bei pädiatrischen Patienten geeignet ist.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology. February 2018, 28(1): 47-54. doi.org/10.1089/cap.2017.0047

PDAC: Wirksamkeit bei kognitiver Dysfunktion (Klinische Depression)

04.02.2016 Das US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) Psychopharmacologic Drugs Advisory Committee (PDAC) stimmte 8-2 dafür, dass Takeda und Lundbeck substantielle Belege für die Wirksamkeit von Vortioxetin zur Behandlung bestimmter Aspekte der kognitiven Dysfunktion bei Erwachsenen mit klinischer Depression vorgelegt haben.

Kognitive Dysfunktion

Der Ausschuss einigte sich auch darauf, dass die kognitive Dysfunktion bei Depression eine geeignetes Ziel für die Arzneimittelentwicklung sei.

Häufige kognitive Symptome sind Konzentrationsschwierigkeiten, Unentschlossenheit und negative Gedanken / Grübeln. Viele dieser Symptome sind weit verbreitet bei schweren depressiven Episoden und können einen Einfluss auf depressive Patienten haben, sagte Emiliangelo Ratti von Takeda.

PDAC überprüfte Daten aus FOCUS- und CONNECT-Studie

Der Beratende Ausschuss analysierte dazu die Daten aus FOCUS- und CONNECT-Studie, die speziell die Wirkung von Vortioxetin auf bestimmte Aspekte der kognitiven Dysfunktion bei erwachsenen Patienten (18-65 Jahre) mit Depression erfassten. Diese beiden 8-wöchigen, randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studien mit Brintellix 10 und 20 mg / Tag verwendeten einen neuropsychologischen Test zur Erfassung der kognitiven Leistung (Digit Symbol Substitution Test oder DSST).

Die Erklärung des Ausschusses wird von der FDA in ihrer Überprüfung des Zulassungsantrages berücksichtigt werden. Eine Entscheidung wird bis zum 28. März 2016 erwartet.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Takeda, Feb. 2016

Marktrücknahme in Deutschland zum 15.08.2016

01.08.2016 Lundbeck liefert ab dem 15. August 2016 aufgrund negativ verlaufener Preisverhandlungen das Antidepressivum Vortioxetin (Brintellix) in Deutschland nicht mehr aus. Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen in Deutschland zeigte sich trotz deutlicher finanzieller Zugeständnisse von Lundbeck unnachgiebig und forderte einen Preis auf Generika-Niveau, obwohl die Kosten für die Krankenkassen pro Tag sehr gering gewesen wären (weniger als 1 € pro Tag pro behandelte Person).

Das Medikament hat in früheren Studien Wirksamkeit und Sicherheit bei der Behandlung von Depressionen demonstrieren können, trotzdem - aus welchen Gründen auch immer - sind Spitzenverband Bund der Krankenkassen und Gemeinsamer Bundesausschuss (höchstes Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands) anderer Meinung. Es wird zwar eine negativ ausgefallene Nutzenbewertung des IQWiGs angeführt, diese wird aber selbst stark kritisiert durch z.B. die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.

So war wohl das Untersuchungsverfahren des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen grundsätzlich schon nicht ohne Makel, zudem hat "eine Bewertung aus methodischen Gründen gar nicht stattgefunden" so die DGPPN. Außerdem seien Nebenwirkungen und Lebensqualität anscheinend nicht in die Nutzen-Risko-Bewertung von Vortioxetin eingeflossen, so dass man sich fragt, welchen Wert dieses Untersuchungsverfahren und die Bewertung durch das IQWiG hat. Damit ist eine laut mehreren Studien sehr wirksame alternative Behandlungsoption für den deutschen Markt verloren gegangen, schreibt die Gesellschaft.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: DGPPN, Lundbeck, Wikipedia, aerztezeitung.de; August 2016

Verbessert Schlaf bei Patienten mit Depressionen

17.10.2018 In einer Studie an 15 Patienten, die von einer schweren depressiven Erkrankung und Schlaflosigkeit betroffen waren, führte die Einleitung der Behandlung mit Vortioxetin wegen depressiver Symptome zu einer signifikanten Verbesserung der subjektiven Schlafqualität und der Tagesschläfrigkeit.

Die Ergebnisse der im British Journal of Clinical Pharmacology veröffentlichten Studie könnten wichtige klinische Auswirkungen haben, da Schlafprobleme schätzungsweise 70 bis 90 Prozent der Patienten mit Depression quälen.

Das unter dem Markennamen Brintellix bekannte Antidepressivum unterscheidet sich von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, die zur Behandlung von Depressionen verschrieben werden, da es eine multimodale Wirkung auf den Serotonintransport und die Wiederaufnahme hat.

In Anbetracht der Tatsache, dass Schlafstörungen ein häufiges komorbides Symptom bei Patienten sind, die von einer schweren depressiven Störung betroffen sind, empfehlen die Studienautoren die mögliche Verwendung von Vortioxetin zur Behandlung depressiver Symptome und zur Verbesserung der Schlafqualität bei Patienten mit komorbider Depression und Schlaflosigkeit.

Zukünftige Studien zur Untersuchung des Schlafs mit Hilfe von Polysomnographie zur Bestätigung dieser Befunde sind wünschenswert, schließen die Autoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: British Journal of Clinical Pharmacology - http://dx.doi.org/10.1111/bcp.13772

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