Psychotherapie

Psychotherapieformen - Behandlungsmethoden

Diese Seite möchte zunächst einen ersten groben Überblick geben, welche Formen der verbalen Psychotherapie (PT) existieren. Eine komprimierte Liste finden Sie unter Liste der Behandlungs- und Psychotherapieformen.

PT wird erfolgreich angewandt bei allen psychischen Störungen; mehr über Wirksamkeit etc. der Anwendung bei psychischen Erkrankungen gibt es bei den jeweiligen psychischen Krankheitsbildern und deren Therapie selbst, deren Überblick hier zu finden ist.

Psychotherapieformen

Tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie

Was ist tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie (PT)? Diese Therapie arbeitet theoretisch mit den Erfahrungen und Erkenntnissen der Psychoanalyse und deren Weiterentwicklungen und Abwandlungen in Bezug von Persönlichkeitsentwicklungen und deren Störungen.

In der Praxis sieht es aber so aus, dass die tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie nicht oder zumindest teilweise nicht die klassischen psychoanalytischen Methoden benutzt, sondern eigene entwickelt hat. Z.B. sind die Therapien kürzer, der Patient liegt nicht mehr und sitzt dem Therapeuten gegenüber, u.e.m.

Man kann verschiedene Richtungen unterscheiden:
so z.B. die klassische Psychoanalyse Freuds (s.unten),
die Individualpsychologie Alfred Adler's,
die Analytische Psychologie C.G. Jung's.

Vertiefung der Informationen zur tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie

Gesprächspsychotherapie

Die Gespächspsychotherapie wurde ursprünglich von Carl R. Rogers entwickelt, wobei er die Bezeichnungen "non-directive therapy" (nicht-direktive Psychotherapie) und "client-centered therapy" (klientenzentrierte Psychotherapie) wählte.

Folgende Aspekte liegen der Gesprächspsychotherapie zugrunde:
Weitere Informationen zur Gesprächstherapie

Verhaltenstherapie

Verhaltenstherapie ist die Psychotherapie, die annimmt, dass Verhalten sowohl er- als auch verlernbar ist. ... Mehr dazu Verhaltenstherapie, Kognitive Reminiszenztherapie, Verhaltensaktivierung.

Interpersonelle Psychotherapie

Ursprünglich nur für die Behandlung unipolarer Depressionen entwickelte Kurzzeittherapie (IPT). Vertiefung des Themas IPT der Depression

Psychoanalyse

Diese Therapieform faßt mehrere Theorien zusammen, die über Auswirkungen unbewusster psychischer Abläufe auf das Fühlen, Denken und Handeln von Menschen handeln. Die Komponenten dieser Erklärungsansätze kommen aus der Untersuchung psychischer Vorgänge und der Therapie psychischer Störungen.

Begründer der klassischen Psychoanalyse ist Sigmund Freud. Auf die Psychoanalyse nahmen im Laufe der Zeit weitere Personen Einfluß: Karl Abraham, Alfred Adler, Siegfried Bernfeld, Helene Deutsch, Paul Federn, Otto Fenichel, Sandor Ferenczi, Ernst Hartmann, Ernst Jones, Carl Gustav Jung, Hermann Nunberg, Sandor Rado, Otto Rank, Wilhelm Reich, Theodor Reik, Herbert Silberer, Wilhelm Stekel, Viktor Tausk.
Weitere Informationen zur Psychoanalyse

Gestalttherapie

Diese Psychotherapieform wurde von Frederick S. Perls "entdeckt". Sie ist indirekt aus der Psychoanalyse entstanden, denn Perls hatte zunächst solch eine Ausbildung absolviert, und kehrte ihr dann den Rücken.

Weitere Informationen zur Gestalttherapie oder zum Ableger Dialogische Traumatherapie.

Kognitive Therapie

Die kognitive Therapie ist eine langfristige kognitive Umstrukturierung, die negative Kognitionen durch rationalere ersetzt; sie ist nicht mit der kognitiven Verhaltenstherapie gleichzusetzen (siehe oben unter Verhaltenstherapie). Mehr dazu: Kognitive Therapie.

Logotherapie und Existenzanalyse

Die Logotherapie ist die "3. Wiener Richtung der Psychotherapie". Sie ist von Viktor Frankl entwickelt worden und sieht den Menschen als vorrangig sinnsuchendes Lebewesen.

Mehr zur Therapie der Logotherapie

Hypnotherapie bzw. Hypnosetherapie

Zusammengesetzt aus "Hypnose" (altgr. hypnos 'Schlaf') und 'Therapie' (altgr. therapeia: das Dienen, die Pflege der Kranken, heilen), ist eine weitere Therapiemethode.

Mehr zur Hypnotherapie

Die Behandlungsmethode der Kunsttherapie

Kunsttherapie ist eine Behandlungsform, die mit Medien bildender Künste arbeitet.....mehr zur Kunsttherapie.

Musiktherapie

Musiktherapie ist eine Psychotherapieform, bei der der klinische und evidenzbasierte Einsatz von Musik-Interventionen für das Erreichen von personenbezogenen (Therapie-)Zielen herangezogen wird.

Informationen, Forschung und News zur Musiktherapie

Meditation als Therapie-/Behandlungsform

Aktuelle Nachrichten, die sich auf das Thema Meditation als Behandlungsform bzw. Therapieform bei psychischen oder neurologischen Erkrankungen und Problemen fokussieren. Die Beiträge sind unter Meditation zu finden.

Weitere Therapien

Warum Psychotherapien wirksam erscheinen, obwohl sie es gar nicht sind

06.08.2014 Wie gut können Psychotherapeuten und ihre Klienten einschätzen, ob die Therapie wirksam ist bzw. war? Überhaupt nicht gut, laut einer aktuellen Untersuchung eines Wissenschaftlerteams.

Scott Lilienfeld und seine Kollegen befürchten, dass dies zu fortführenden unwirksamen oder sogar schädlichen Behandlungen führen kann.

Psychotherapeuten sind voreingenommen (wie alle Menschen)

Psychotherapie
Bild: Tiyo Prasetyo (pixabay)

Die Studienautoren bemerken, dass Kliniker/Psychotherapeuten vier Vorurteilen/Voreingenommenheiten unterliegen, die ihre Fähigkeit verzerren, die Wirksamkeit ihrer psychotherapeutischen Behandlungen richtig zu erfassen. Dieses sind:

  1. die falsche Einschätzung, dass wir die Welt so sehen können, wie sie tatsächlich ist (naiver Realismus);
  2. unsere Tendenz, Belege zu sammeln, die unsere anfänglichen Überzeugungen stützten, (Bestätigungen für das Vorurteil);
  3. illusorische Kontrolle: anzunehmen, eine Kontrolle über Ereignisse zu haben, die wir tatsächlich gar nicht haben und
  4. illusorische Korrelationen (Zusammenhänge), anzunehmen, dass die Faktoren, auf die wir fokussiert sind, ursächlich für die von uns beobachteten Dinge verantwortlich sind.

Diese Merkmale menschlichen Denkens führen zu mehreren bestimmten Fehlern, die besonders Psychotherapeuten zeigen, wenn sie Aussagen über die Wirksamkeit ihrer Therapien machen. Lilienfelds Team nennt diese Fehler "Ursachen für falsche therapeutische Wirksamkeit" oder CSTE (causes of spurious therapeutic effectiveness). Die Autoren haben eine Taxonomie (Systematik) mit 26 dieser CSTEs in drei Kategorien erschaffen.

Ursachen für falsche therapeutische Wirksamkeit - 3 Kategorien

  1. Die erste Kategorie umfasst 15 Fehler, die zu der Wahrnehmung führen, dass sich der Zustand eines Patienten gebessert hat, obwohl objektiv keine Verbesserung festzustellen ist.
    Beispiele für diese Kategorie sind: palliativer Nutzen (wenn sich der Klient hinsichtlich seiner Symptome besser fühlt, ohne dass es tatsächlich konkrete Verbesserungen zeigen); konfuses Verständnis hinsichtlich der Fortschritte (wenn der Patient seine Probleme besser versteht, aber tatsächlich keine Fortschritte zeigt); und der Praxisfehler des Therapeuten (die Präsentation eines Klienten in der Sitzung mit dessen Verhalten im Alltagsleben verwechseln).

  2. Die zweite Kategorie besteht aus Fehlern, die Therapeuten und ihre Kunden annehmen lassen, dass die Symptomverbesserungen aufgrund der Therapie und nicht aufgrund anderer Faktoren, wie eine natürliche Genesung, auftraten.
    Unter diesen acht Fehlern befinden sich z.B.: dass viele Störungen zyklisch auftreten (Erholungsphasen wechseln sich mit Phasen intensiverer Symptome ab); ignorieren des Einflusses von äußeren Faktoren, wie eine verbesserte Beziehung oder Job-Situation; und der Einfluß des Erwachsenwerdens (Störungen bei Kindern und Jugendlichen können einfach während ihrer Entwicklung verschwinden):

  3. Die dritte Kategorie Fehler sind diejenigen, die zur Annahme führen, dass Verbesserungen Ursachen einzigartiger Merkmale einer Therapie sind, statt Faktoren, die allen Therapien gemeinsam sind.
    Beispiele: ignorieren des Placeboeffekts (Verbesserungen, die aufgrund von Erwartungen kommen) und Neuheitseffekte (Verbesserungen, die herrühren durch den Enthusiasmus eines Psychotherapie-Klienten).

Um angemessen auf diese vielen CSTEs zu reagieren, sagt das Lilienfeld-Team, müssen spezielle Untersuchungsmethoden entwickelt und eingesetzt werden.

"CSTEs unterstreichen die dringende Notwendigkeit, Psychotherapeuten / Klinikern, Forschern und Studenten Demut einzuimpfen", schließen Lilienfeld und seine Kollegen. "Wir sind alle dafür anfällig, die CSTEs zu vernachlässigen / ignorieren, nicht aus Mangel an Intelligenz, aber wegen inhärenten (uns innewohnenden) Beschränkungen in der menschlichen Informationsverarbeitung."

"Als Folge sollten alle psychologischen / psychiatrischen Angehörigen der Gesundheitsberufe und die Klienten/Patienten skeptisch bei zuversichtlichen Ausrufen hinsichtlich eines Behandlungsdurchbruchs in der Abwesenheit von genau ermittelten Ergebnisdaten sein."

© PSYLEX.de - Quelle: Emory University, Juli 2014

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13.12.2016 Anwendungen
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