Psychisch krank durch ultradiane Rhythmik?

Klinische Psychologie - psychische Krankheitsbilder

23.02.2015 Könnte ein strukturiertes Leben mit regelmäßigen Essens- und frühen Schlafenszeiten zu einer besseren Gesundheit führen und psychische Erkrankungen verhindern?

Das legt die in eLife veröffentlichte Studie von Kai-Florian Storch vom Douglas Mental Health University Institute und der McGill University nahe.

Ultradianer Rhythmus

Unser täglicher Schlaf-Wach-Rhythmus wird von einem internen 24-stündigen Zeitgeber regiert, der circadianen Rhythmik der inneren Uhr. Es gibt jedoch Belege, dass die tägliche Aktivität auch durch Rhythmen von kürzerer Dauer (als 24 Stunden) beeinflusst wird. Diese werden ultradiane Rhythmen genannt und folgen z.B. vierstündigen Periodenlängen.

Dies ist besonders leicht bei Säuglingen zu beobachten, bevor sie die Nacht durchschlafen können. Die ultradiane Rhythmik kann erklären, warum wir drei Mahlzeiten am Tag essen, die zeitlich relativ gleichmäßig über den Tag verteilt sind. Oder ein weiteres Beispiel ist der Wechsel der verschiedenen Schlafstadien (z. B. REM-Non-REM Zyklus...dabei gibt es allerdings einen anderthalb Stunden Rhythmus).

Die vierstündigen ultradianen Rhythmen werden durch Dopamin, einer chemischen Schlüsselsubstanz im Gehirn aktiviert. Wenn das Dopamin-Niveau aus dem Gleichgewicht ist - wie z.B. bei Menschen mit bipolarer Störung oder Schizophrenie - können sich die vierstündigen Rhythmen auf 48 Stunden ausdehnen.

Ultradianer Rhythmusgenerator

In dieser mit genetisch veränderten Mäusen durchgeführten Studie demonstrierten Dr. Storch und sein Team, dass Schlafanomalien, welche früher mit einer Unterbrechung der circadianen Rhythmik verbunden wurden, stattdessen aus einem Ungleichgewicht eines ultradianen - auf Dopamin basierenden - Rhythmusgenerators (Oszillators) resultieren.

Die Befunde des Teams bieten auch eine sehr spezifische Erklärung für den zweitägigen Zyklus zwischen Manie und Depression bei bestimmten beobachteten bipolaren Fällen an: Es ist ein Ergebnis des Dopaminoszillators, der in einem 48-stündigen Zyklus läuft.

Psychische Erkrankungen mit Dopaminderegulierung

Die Forschungsarbeit zeigt damit einen Hinweis auf einen neuartigen dopaminbasierten Rhythmusgenerator, aber auch die Verbindung zu psychischen Störungen.

Sie legt nahe, dass, wenn der ultradiane Erregungsoszillator verkehrt läuft, der Schlaf gestört und eine Manie bei bipolaren Patienten herbeigeführt wird.

Das Oszillatorungleichgewicht kann wahrscheinlich auch mit schizophrenen Episoden bei Schizophrenen verbunden werden.

Die Befunde könnten wichtige Auswirkungen auf die Behandlung von bipolarer Störung, Schizophrenie und anderen psychischen Krankheiten bzw. Störungen mit einer Dopaminderegulierung haben.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Douglas Mental Health University Institute, McGill University, eLife; Feb. 2015

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