Psychische Störungen, Krankheiten, Erkrankungen:
Antibiotika

Klinische Psychologie - psychische Krankheitsbilder

Infektionen, Antibiotika verbunden mit manischen Episoden bei Menschen mit psychischen Erkrankungen

28.07.2016 Forscher der Johns Hopkins Universität und des Sheppard Pratt Health System berichten im Fachblatt Bipolar Disorders, dass Personen mit schweren psychischen Störungen, die wegen einer Manie hospitalisiert wurden, mit größerer Wahrscheinlichkeit Antibiotika genommen haben, um aktive Infektionen zu behandeln.

Verhaltensveränderungen aufgrund nicht intakter Darmflora

Obwohl die Forscher sagen, dass ihre Studie nicht Ursache und Wirkung unterscheiden kann, vermuten sie, dass eine Infektion, die Einnahme von Antibiotika oder andere Faktoren, die die körpereigene natürliche Darmflora und andere Bakterien beeinflussen, individuell oder kollektiv zu Verhaltensänderungen bei einigen Menschen mit psychischen Störungen führen können.

Antibiotika und Mikrobiom

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Ihre Ergebnisse tragen zu den Befunden bei, dass das Immunsystem des Körpers - die sogenannte Bauch-Hirn-Achse - und das individuelle bakterielle Mikrobiom jedes Menschen einen grundlegenden Part bei Auf- und Abschwüngen der psychiatrischen Symptome und psychiatrischen Störungen - wie Bipolare Störung und Schizophrenie - spielt.

Weil Antibiotika Bakterien töten und das Mikrobiom stören können, schauten sich Studienautor Prof. Robert Yolken und seine Forschungskollegen die medizinischen Daten der Antibiotika-Verwendung bei Patienten an, die am Sheppard Pratt - einem psychiatrischen Krankenhaus in Baltimore - stationär oder als Tages-Patienten behandelt wurden.

Die Patienten waren im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, und 64% waren weiblich.

Verabreichte Antibiotika

Patienten, die Antibiotika nahmen, erhielten eine breite Palette von Medikamenten, einschließlich

gegen Haut-, Atemweg-, Harntrakt- und Mund-Infektionen.

Zum Vergleich wurden die Daten von 555 gesunden Kontrollteilnehmern ohne psychische Krankheiten hinsichtlich ihrer Antibiotika-Einnahme ausgewertet (20 - 60 Jahre alt; 347 Frauen).

Die Forscher untersuchten den Antibiotikaeinsatz als indirekten Weg, um die Präsenz von Infektionen zu erfassen. Der Einsatz von Antibiotika wurde durch medizinische Aufzeichnungen von den Patienten und durch Befragungen der Kontrollgruppe erfasst.

Zusammenhang mit manischen Episoden

Von den wegen einer Manie - Episode erhöhter Energie und Überaktivität, oft mit Bipolarer Störung verbunden - hospitalisierten Teilnehmern nahmen 18 Personen (7,7 Prozent) Antibiotika - im Vergleich zu nur 1,3 Prozent bei den Kontrollteilnehmern. Dies ist gleichbedeutend mit einem mehr als fünffachem Risiko wegen Manie hospitalisiert zu sein, wenn man Antibiotika nimmt.

Andererseits nahmen nur etwas mehr als 3 Prozent der Patienten mit Schizophrenie, 4 Prozent der Patienten mit bipolarer Depression und 2,9 Prozent der klinisch Depressiven Antibiotika.

Infektionsort

Die Forscher stellten auch fest, dass der Infektionsort - wie Mund, Haut oder Atemwege - nicht mit dem Krankenhausaufenthalt verbunden schien, obwohl 15 Frauen Harntrakt-Infektionen hatten, die bei keinem der Männer auftraten.

Yolken sagte, dass es mehrere Wege gibt, wie Infektion und Antibiotika-Einsatz psychiatrische Symptome direkt oder indirekt beeinflussen könnten.

Mögliche Erklärungen

So könnte eine systemische Entzündung - verursacht durch die Infektion - selbst zu psychiatrischen Symptomen führen, oder die Antibiotika könnten das Mikrobiom durch die Tötung der 'guten Baktierien' stören, was auch die Psyche beeinflussen könnte, weil es zu mehr 'schlechten Bakterien' kommt, die eine Inflammation 'anheizen' könnten.

Die Wissenschaftler erforschen derzeit, wie diese Verbindungen tatsächlich funktionieren könnten. Eine Studie untersucht zum Beispiel, ob die Unterdrückung der Entzündung im Darm mit Probiotika bei Menschen mit psychischen Erkrankungen das erneute Auftreten von manischen Episoden reduziert.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Johns Hopkins Universität, Sheppard Pratt Health System, Bipolar Disorders - DOI: 10.1111/bdi.12416; Juli 2016

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