Psychische Störungen, Krankheiten, Erkrankungen:
Immunsystem

Klinische Psychologie - psychische Krankheitsbilder

Forschung und News zu Biomarkern, die psychische Krankheiten identifizieren.

Die Rolle des Immunsystems bei psychischen Erkrankungen

17.08.2014 Psyche und Körper: Das Immunsystem scheint eine wichtige Rolle bei psychischen Erkrankungen zu spielen laut einer vor kurzem erschienenen Studie.

Forscher der Cambridge Universität stellten fest, dass Kinder mit einem hohen täglichen Niveau eines - als Reaktion auf Infektionen - ins Blut entlassenen Proteins ein größeres Risiko für die Entwicklung von Depression und Psychosen im Erwachsenenalter haben.

Dies bedeutet, dass psychische Krankheiten und chronische körperliche Krankheiten wie koronare Herzerkrankungen und Typ2 Diabetes gemeinsame biologische Mechanismen teilen könnten.

Immunsystem

"Unser Immunsystem agiert wie ein Thermostat, die meiste Zeit runterreguliert, aber es dreht hoch, wenn wir infiziert werden. Bei einigen Personen ist das Thermostat immer etwas höher gedreht, und agiert, als ob andauernd eine leichte Infektion vorliegt - diese Menschen scheinen ein höheres Risiko für die Entwicklung von Depressionen und Psychosen zu haben", sagt Studienleiter Golam Khandaker in JAMA Psychiatry.

Interleukin-6
Interleukin-6

"Es ist zu früh, um zu bestimmen, ob diese Verbindung kausaler Natur ist, und wir führen zusätzliche Studien durch, um diese Verbindung weiter zu untersuchen."

Für die Studie sammelten die Forscher Daten von über 4.500 Personen der Avon Langzeitstudie über Eltern und Kinder, die auch als 'Kinder der 90er' bekannt ist. Es wurden Blutentnahmen im Alter von 9 bis 18 genommen, und untersucht, ob sich Episoden von Depressionen oder Psychosen zeigten. Das Team teilte die Teilnehmer in drei Gruppen ein, je nachdem ob ihr tägliches Niveau von IL-6 (Interleukin-6 gehört zu den Interleukinen, welche die Entzündungsreaktion des Organismus regulieren) niedrig, moderat oder hoch war.

Sie stellten fest, dass die Kinder in der 'hohen' Gruppe fast zweimal so wahrscheinlich eine Psychose oder Depression erfuhren, wie die in der 'niedrigen' Gruppe.

Menschen mit Depression und Schizophrenie haben häufig ein viel höheres Risiko für die Entwicklung von Herzerkrankungen und Diabetes, und ein erhöhtes IL-6-Niveau vergrößert das Risiko für Herzkrankheiten und Diabetes Typ 2.

Entzündungen

"Entzündung kann ein gemeinsamer Mechanismus sein, der sowohl unsere körperliche als auch psychische Gesundheit beeinflusst", sagte Peter Jones, Koautor der Studie. "Es ist möglich, dass frühe Lebensnöte und Stress zu einer anhaltenden Zunahme des Niveaus an IL-6 und anderen Entzündungsmarkern in unserem Körper führt, was wiederum das Risiko für eine Reihe chronischer physischer und psychischer Erkrankungen erhöht."

Die Forschungsstudie deutet auch auf interessante potentielle Wege hin, Krankheiten wie Depression zu behandeln: entzündungshemmende Medikamente. Behandlung mit entzündungshemmenden Mitteln lässt das Niveau an Entzündungsmarkern auf einen Normalwert fallen. Frühere Forschungen konnten zeigen, dass die Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten (wie Aspirin) in Kombination mit Antipsychotika (Neuroleptika) wirkungsvoller waren als Antipsychotika allein.

© PSYLEX.de - Quelle: JAMA Psychiatry / Cambridge Universität, August 2014

Blut-Zytokine bei drei psychischen Störungen ähnlich

30.03.2016 Forscher der Emory University veröffentlichten in der Zeitschrift Molecular Psychiatry einen Bericht über ihre Zytokin-Analyse dreier psychischer Erkrankungen: Schizophrenie, Bipolare Störung und klinische Depression.

Zytokine

Zytokine (auch Cytokine) sind Schlüssel-Signalmoleküle des Immunsystems und spielen eine wichtige Rolle bei immunologischen Reaktionen und bei Entzündungen; sie können daher auch als Biomarker für Entzündungen gesehen werden.

Die Wissenschaftler analysierten die Ergebnisse von 69 Studien mit akut erkrankten und 46 Studien mit chronisch erkrankten Patienten um herauszufinden, was im Immunsystem dieser Personen vor sich geht.


Bild: Gerd Altmann

"Wir wissen, dass das Immunsystem eine wichtige Rolle bei psychiatrischen Erkrankungen spielt, aber bisher hat tatsächlich noch niemand psychische Störungen in der Hinsicht in einer Studie verglichen, noch sich auf die Phasen der Erkrankungen konzentriert", sagte Studienautor Dr. David Goldsmith.

Akute Phasen

Die Studie fand erhöhte Werte bestimmter Zytokine in akuten Phasen der Störungen und einige Gemeinsamkeiten in der chronischen Phase. Zum Beispiel war ein Entzündungscytokin - Interleukin-6 - in allen drei Störungen sowohl in den akuten als auch in den chronischen Erkrankungsphasen erhöht.

In akuten Phasen waren Interleukin-6 (IL-6), Tumornekrosefaktor-a (TNF-a), ein löslicher Cytokin-Rezeptor (sIL-2R) und ein Cytokin-Rezeptor-Antagonist (IL-1ra) signifikant bei Schizophrenie, bipolarer Manie und klinischer Depression erhöht.

Chronische Phasen

Bei chronisch kranken Patienten waren die Konzentrationen an IL-6 signifikant bei Schizophrenie, euthymischer (ausgeglichen; aber nicht gedrückter) bipolarer Störung und klinischer Depression im Vergleich mit der Kontrollgruppe erhöht. Die Konzentrationen von IL-1ß und sIL-2R waren sowohl bei der chronischen Schizophrenie und der euthymischen bipolaren Störung deutlich erhöht.

Durch den Vergleich dieser Werte bei den Erkrankungen waren die Forscher imstande festzustellen, dass das Immunsystem bei den psychiatrischen Erkrankungen wahrscheinlich bei einigen Patienten eine wichtige Rolle spielt. Deshalb müssen die Behandlungsoptionen personalisiert werden.

"Schließlich fordern diese Ergebnisse auf, weitere Studien zu starten, um exakt festzustellen, welche Patienten am meisten von Entzündungshemmern profitieren können", fügte Goldsmith hinzu.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Emory University, Molecular Psychiatry; März 2016

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