Psychische Störungen, Krankheiten, Erkrankungen:
Infektionen

Klinische Psychologie - psychische Krankheitsbilder

Verbindung zwischen Infektionen und schweren psychischen Krankheiten

01.02.2017 Eine neue in Acta Psychiatrica Scandinavica veröffentlichte Studie zeigt, dass schon weniger schwere Infektionen (ohne Krankenhauseinweisung) das Risiko für die Entwicklung von Schizophrenie oder Depression erhöhen können.

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Patienten, die mit schweren Infektionen hospitalisiert wurden, ein erhöhtes Schizophrenie- oder Depressionsrisiko haben.

Eine Studie, die die Zusammenhangsmaße zwischen allen behandlungserfordernden Infektionen und psychischen Erkrankungen analysierte, zeigt, dass selbst weniger schwer verlaufende Infektionen, die von einem Arzt für Allgemeinmedizin behandelt werden, die Gefahr für psychiatrische Erkrankungen vergrößern können.

Dosis-Wirkungs-Beziehung

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Bild: Steve Buissinne

Die Forscher entdeckten eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je höher die Anzahl der Infektionen, desto höher war das Risiko für die Entwicklung eines psychiatrischen Krankheitsbildes.

Die Wissenschaftler erfassten alle in Dänemark zwischen 1985-2002 geborenen Personen und untersuchten die Korrelation zwischen mit Antibiotika, Virostatika und Arzneimitteln gegen Pilzkrankheiten und Parasiten behandelten Infektionen, sowie alle Behandlungen aufgrund von Infektionen, und das nachfolgende Risiko für die Entwicklung von Schizophrenie oder Depression in der Zeit zwischen 1995 und 2013.

Während dieser Zeit wurden 5.759 Menschen mit Schizophrenie und 13.044 mit Depression diagnostiziert. Von denen mit Schizophrenie diagnostizierten Personen waren 17,4 Prozent mit Infektionen hospitalisiert worden; bei denen mit Depressionsdiagnose waren dies 18,7 Prozent. Die Studie deckte nur sich früh entwickelnde Depression und Schizophrenie ab. So war das durchschnittliche Alter der schizophrenen Patienten 18,9 Jahre, das der depressiven 18,7 Jahre.

Risiken

Mögliche Erklärungen

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Infektionen und die Entzündungsreaktion, die später folgt, das Gehirn beeinflussen und eine Rolle bei der Entwicklung schwerer psychischer Störungen spielen können.

Es ist auch möglich, dass die Antibiotika selbst ein erhöhtes Risiko für die psychische Gesundheit darstellen; aufgrund ihrer Wirkung auf die Darmflora (Mikrobiom), die mit dem Gehirn in enger kommunikativer Beziehung steht, schreibt Studienautor Ole Köhler-Forsberg von der Aarhus Universität.

Schließlich können die Befunde auch durch genetische Aspekte verursacht werden: Einige Menschen könnten eine höhere genetische Anfälligkeit für Infektionen und psychische Erkrankungen haben, vermutet Studienautor Michael Eriksen Benros vom Psychiatrischen Zentrum Kopenhagen vom Kopenhagener Universitätskrankenhaus.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Aarhus Universität, Acta Psychiatrica Scandinavica - DOI: 10.1111/acps.12671; Feb. 2017

Sind Infektionen mit einem erhöhten Risiko für spätere psychische Störungen in der Kindheit und Jugend verbunden?

05.12.2018 Eine im Fachblatt JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie untersuchte die Daten aus dänischen landesweiten Melderegistern auf einen Zusammenhang zwischen Infektionen, die seit der Geburt behandelt wurden, und dem späteren Risiko für psychische Störungen im Kindesalter und bei Jugendlichen.

Von den fast 1,1 Millionen Menschen, die zwischen 1995 und 2012 in Dänemark geboren wurden, wurden etwa 42.000 (3,9 Prozent) wegen einer psychischen Störung ins Krankenhaus eingeliefert und fast 57.000 (5,2 Prozent) haben ein Rezept für psychotrope Medikamente (Psychopharmaka) eingereicht.

Infektionen, die einen Krankenhausaufenthalt erforderten, waren mit einem erhöhten Risiko für Krankenhausaufenthalte für alle psychischen Krankheiten und einem erhöhten Risiko für den Einsatz psychotroper Medikamente verbunden. Mit Medikamenten behandelte Infektionen, insbesondere Antibiotika, waren mit einem erhöhten Risiko verbunden.

Besonders betroffene Krankheitsbilder

Die Risiken waren bei den psychischen Erkrankungen unterschiedlich. Schizophrenie-Spektrum-Störungen, Zwangsstörungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, geistige Retardierung, Autismus-Spektrum-Störungen, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen, Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten und Verhaltensstörungen, und Tic-Störungen waren mit den höchsten Risiken nach Infektionen verbunden.

Dies ist eine Beobachtungsstudie und andere Faktoren könnten die Ergebnisse erklären, einschließlich der Folgen von Infektionen auf das sich entwickelnde Gehirn und anderer Einflüsse wie Genetik und Störungen des Darmbioms (Darmflora), schreiben die Forscher um Ole Köhler-Forsberg von der Aarhus Universität.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: JAMA Psychiatry - doi:10.1001/ jamapsychiatry.2018.3428

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