Psychische Störungen, Erkrankungen
durch Luftverschmutzung

Klinische Psychologie - psychische Krankheitsbilder

Verbindung zwischen Luftverschmutzung und psychiatrischen Erkrankungen

13.06.2016 Eine in der Zeitschrift BMJ Open veröffentlichte Studie der Universität Umeå untersuchte, ob es eine Verbindung zwischen psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen und der Verschmutzung der Luft gibt.

Immer mehr Studien zeigen, dass die menschliche kognitive Gehirnentwicklung durch die zunehmende Verschmutzung der Umwelt beeinflusst wird.

Vergleich: Psychopharmaka-Verschreibungen u. Prävalenz

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Bild: Gökhan Yener

In einer neuen Studie untersuchten schwedische Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Luftverschmutzung in Wohngebieten und der psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen.

Dazu wurden die Daten zur Medikamentenverschreibung nationaler Register analysiert und mit Daten zur Konzentration der Luftverschmutzung verglichen. Es wurde die komplette Bevölkerung unter 18 Jahren der schwedischen Bezirke Stockholms, Västra Götaland, Skåne und Västerbotten untersucht. Die Größe der Kohorte betrug 552.221.

Die Bezirke Stockholm, Västra Götaland und Skåne liegen in den dichter bevölkerten Teilen im Süden und enthalten die drei größten Städte Schwedens mit einer Bevölkerungsdichte zwischen 68 und 338/km2, wohingegen der Bezirk Västerbotten im Norden Schwedens liegt mit einer Bevölkerungsdichte von 5/km2. Die vier Regionen sind nicht nur in Bezug auf geografische Position, Größe und Bevölkerungsdichte, sondern auch in Bezug auf Migration, sozioökonomische Charakterisierung, Urbanisierung und Luftverschmutzungskonzentrationen unterschiedlich.

Stickstoffdioxid-Konzentration

Die Ergebnisse zeigen, dass die Luftverschmutzung die Gefahr der Einnahme von Psychopharmaka für mindestens eine psychiatrische Diagnose für Kinder und Jugendliche in den dichter bevölkerten Teilen erhöhte.

Das Risiko nahm um 9% zu, wenn die Stickstoffdioxid-Konzentration sich um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter erhöhte.

Die Ergebnisse waren um die sozioökonomischen und demographischen Faktoren bereinigt worden.

Die Befunde können bedeuten, dass eine verringerte Konzentration der Luftverschmutzung - in erster Linie verkehrsgebundene Luftverschmutzung - die Häufigkeit von psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen reduzieren kann, sagte Studienautorin Anna Oudin.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Umeå, BMJ Open - DOI: 10.1136/bmjopen-2015-010004; Juni 2016

Exposition gegenüber Umweltverschmutzung kann das Risiko für psychiatrische Störungen erhöhen

21.08.2019 Umweltverschmutzung - genauer die Luftverschmutzung - scheint mit einem erhöhten Risiko für psychische Störungen, insbesondere bipolare Störungen und schwere Depressionen, verbunden zu sein laut einem in PLOS Biology veröffentlichtem Forschungsbericht.

Atif Khan von der Universität Chicago und Kollegen untersuchten den Zusammenhang zwischen dem Grad der Luftverschmutzung und dem Risiko für neuropsychiatrische Erkrankungen in explorativen Analysen zweier großer Datensätze: 151 Millionen Individuen aus einer US-amerikanischen Versicherungsdatenbank und 1,4 Millionen Individuen aus den dänischen nationalen Behandlungsregistern. Sechs Erkrankungen (vier psychiatrische und zwei neurologische) wurden für die US-Kohorte und vier für die dänische Kohorte untersucht.

Die Forscher fanden heraus, dass eine schlechte Luftqualität mit höheren Raten von bipolaren Störungen und schweren Depressionen in den Vereinigten Staaten und Dänemark verbunden zu sein scheint. In der dänischen Bevölkerung war die Rate aller vier psychiatrischer Störungsbilder (bipolare Störung, schwere Depression, Schizophrenie und Persönlichkeitsstörungen) mit zunehmender Luftverschmutzung im Kindesalter höher.

Auswirkungen der schlechten Luftqualität?

Z.B. konnte in den USA ein Anstieg von 29 Prozent für die in den Bezirken mit der schlechtesten Luftqualität lebenden Menschen festgestellt werden.

Anhand der spezifischeren dänischen Daten fand das Team heraus, dass die Expositionen gegenüber Luftverschmutzung im frühen Kindesalter noch stärker mit schweren Depressionen (ein Anstieg um 50 Prozent), mit Schizophrenie (ein Anstieg um 148 Prozent) und mit Persönlichkeitsstörungen (ein Anstieg um 162 Prozent) bei Personen verbunden waren, die in Gebieten mit der schlechtesten Luftqualität aufgewachsen sind.

Immer mehr Belege aus Human-, Tier- und In-vitro-Studien zeigen, dass Schadstoffe in der Luft Auswirkungen auf das Gehirn haben und in die Ätiologie neurologischer und psychischer Erkrankungen eingreifen, schreiben die Autoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: PLoS Biol doi.org/10.1371/journal.pbio.3000353 / doi.org/10.1371/journal.pbio.3000370

Luftverschmutzung (Feinstaub) Exposition und Verbindungen mit Depressionen, Angststörungen, bipolarer Störung, Psychose und Suizidrisiko

26.12.2019 Menschen, die einem höheren Grad an Luftverschmutzung ausgesetzt sind, weisen eher Depressionen auf oder sterben durch Suizid laut einer systematischen Übersicht und Metaanalyse von in Environmental Health Perspectives veröffentlichten Belegen, die Luftverschmutzung und psychische Störungen miteinander verbinden.

Das Forscherteam um Isobel Braithwaite vom University College London suchte nach Studien, die den Zusammenhang zwischen der Feinstaubbelastung und fünf verschiedenen psychischen Störungen bzw. Krankheiten bei Erwachsenen untersucht hatten. Sie identifizierten 25 Studien, die ihren Kriterien entsprachen, von denen neun in die Primäranalysen aufgenommen wurden.

Depressionen

Fünf Studien, die sich mit der langfristigen Exposition gegenüber Luftverschmutzung und Depressionen beschäftigten, wurden in eine Meta-Analyse aufgenommen.

Durch die Zusammenführung der Ergebnisse fanden sie heraus, dass eine Erhöhung der durchschnittlichen Feinstaubbelastung (PM2,5), der Menschen über lange Zeiträume ausgesetzt waren, um 10µg/m3 (Mikrogramm pro Kubikmeter) mit einer etwa 10%igen Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Depressionen verbunden war.

Angststörung

Zwei der Studien, die den Zusammenhang zwischen langfristiger PM2,5-Exposition und Angststörungen untersuchten, zeigten statistisch signifikante positive Zusammenhänge.

Suizid

Die Forscher fanden auch Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen kurzfristigen Veränderungen der Exposition gegenüber Luftverschmutzung (PM10) und der Anzahl der Selbstmorde.

Das Suizidrisiko scheint an Tagen, an denen die PM10-Belastung über einen Zeitraum von drei Tagen hoch war, messbar höher zu sein als nach weniger belasteten Phasen.

Die Studien zu kurzfristigen Veränderungen des Suizidrisikos berücksichtigten Störfaktoren wie Wetteränderungen und Wochentag. Die Beziehung wurde nicht durch andere Umgebungs- oder sozioökonomische Faktoren beeinflusst, da die Vergleiche an Tagen mit unterschiedlichen Schadstoffbelastungen bei denselben Personen durchgeführt wurden.

Die Forscher sagen, dass die Belege für den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Suizidrisiko besonders stark waren, aber der Effekt war geringer als bei Depressionen (ein Anstieg des Suizidrisikos um 2% für jeden 10µg/m3 Anstieg der durchschnittlichen Staubbelastung über einen Zeitraum von drei Tagen).

Kausaler Zusammenhang?

Die Psychologen können noch nicht bestätigen, dass die Luftverschmutzung direkt psychische Erkrankungen verursacht, aber es gäbe Hinweise auf mögliche kausale Mechanismen.

Die feinsten Partikel aus schmutziger Luft können das Gehirn sowohl über den Blutkreislauf als auch über die Nase erreichen, und Luftverschmutzung konnte mit erhöhter Neuroinflammation, Schäden an Nervenzellen und Veränderungen in der Stresshormonproduktion verbunden werden, was mit einer schlechten psychischen Gesundheit in Verbindung gebracht wurde, schreiben die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Environmental Health Perspectives (2019). DOI: 10.1289/EHP4595

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