ADHS - Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung

Psychische / Hyperkinetische Störungen

Definition

Definition: ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom bzw. Aufmerksamkeitsdefizitstörung (oder -syndrom Abkürzung ADS)/Hyperaktivitätsstörung. Die Abkürzung für den Begriff Hyperaktivitätsstörung ist HKS.
Im Englischen ist die entsprechende Abkürzung von ADHS: ADHD von attention deficit/hyperactivity disorder bzw. attention deficit hyperactivity disorder. Veraltete Bezeichnungen sind: MCD - Minimale Cerebrale Dysfunktion und POS - Psychoorganisches Syndrom.

Symptome der ADHS sind z.B.: Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität und Hyperaktivität. Da dies oft normale Merkmale für Kinder sind, insbesondere Jungen, sind Diagnose, Definition und Krankheitsbild der ADHS stark umstritten.

Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom - ADS

Definition: ADS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder Aufmerksamkeitsdefizitstörung. Bezeichnet werden mit ADS Probleme bei Kindern, die eine mangelnde Aufmerksamkeit und/oder unangemessene Impulsivität und Hyperaktivität zeigen.

Andere Bezeichnungen mit ähnlicher/gleicher Bedeutung sind: Aufmerksamkeitsdefizitstörung/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom/Hyperaktivitätssyndrom und Hyperkinetische Störung (HKS). Nicht mehr benutzte Bezeichnungen für ADS sind z.B. Minimale Cerebrale Dysfunktion (MCD) und Psychoorganisches Syndrom (POS).
Die Kodierung für ADS erfolgt im ICD-10 über F90.-.

Nach dem ICD-10 wird ADHS folgendermaßen kodiert:

F90.- Hyperkinetische Störungen
F90.0 Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
F90.1 Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens
F90.8 Sonstige hyperkinetische Störungen
F90.9 Hyperkinetische Störung, nicht näher bezeichnet
F98.8 Sonstige näher bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend, darunter Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität

Mit einem ADHS-Kind reden

23.07.2014 Es kann schwierig sein, die Aufmerksamkeit eines Kindes mit Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu erringen.

ADHS Kommunikation

Das University of Michigan Health System bietet diese Vorschläge an:

© PSYLEX.de - Quelle: University of Michigan Health System, Juli 2014

Ursachen / Risikofaktoren

Weitere Artikel zu den Ursachen/Risikofaktoren unter den News.

Impulsive, schlechte Entscheidungen aufgrund undifferenzierter Lernprozesse

04.09.2014 Kinder mit Hyperaktivitäts-/Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS) treffen aufgrund sich wenig unterscheidender Lernprozesse schlechte Entscheidungen, laut einer kürzlich in JAMA Psychiatry veröffentlichten Studie.

Es ist äußerst wichtig für unsere langfristige persönliche Entwicklung, möglichst optimale Entscheidungen zu treffen, wie ein jeder leicht einsieht. Menschen mit ADHS haben damit jedoch Probleme. Sie treffen oftmals impulsive Entscheidungen und wählen eher Optionen, die unmittelbare und kleinere Belohnungen bringen als die, welche eine größere Belohnung erst nach längerer Zeit ergeben.

Forscher der University Clinics for Child and Adolescent Psychiatry und der Universität Zurich stellten fest, dass verschiedene Entscheidungsprozesse für solche suboptimalen Wahlmöglichkeiten verantwortlich sind, und dass diese in der Mitte des Frontallappens des Gehirns stattfinden.

"Wir waren in der Lage, zu demonstrieren, dass junge Leute mit ADHS nicht inhärent Schwierigkeiten haben, neue Informationen zu lernen. Stattdessen verwenden sie offensichtlich sich wenig unterscheidende Lernmuster, weswegen vermutlich oft suboptimale Entscheidungen getroffen werden", sagte Forscher Tobias Hauser.

Impulsive, schlechte Entscheidungen
Bild: Gerd Altmann

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler die Entscheidungsprozesse von 40 jungen Menschen mit und ohne ADHS. In einer Einrichtung mit funktioneller Kernspintomographie liegend (zur Aufzeichnung der Gehirnaktivität) spielten die Teilnehmer ein Spiel, bei dem sie herausfinden sollten, welches von zwei Bildern eine größere Belohnung verspricht.

Um die Daten und die beeinträchtigten Mechanismen der Teilnehmer mit ADHS besser zu verstehen, kamen Algorithmen aus dem Feld der künstlichen Intelligenz zum Einsatz. Diese mathematischen Modelle halfen, die genauen Lern- und Entscheidungsfindungsprozesse genauer zu beleuchten.

Die ADHS-Teilnehmer zeigten andere Funktionsprozesse im mittleren präfrontalen Cortex - einer Region in der Mitte des Frontallappens. Dieser Teil des Gehirns ist stark an Entscheidungsprozessen beteiligt.

Hauser ist davon überzeugt, dass die Befunde unser Verständnis der Mechanismen des beeinträchtigten Entscheidungsfindungsverhalten bei Menschen mit ADHS wesentlich verbessern werden.

© PSYLEX.de - Quelle: JAMA Psychiatry / University Clinics for Child and Adolescent Psychiatry / Universität Zurich, August 2014

Globale Explosion der ADHS-Diagnosen hat eher mit Marketing als mit Medizin zu tun

19.11.2014 Diagnosen und Medikamente zur Behandlung der Verhaltensstörung ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung) verbreiten sich wie eine Seuche - in manchen Ländern steigern sich die Raten um das Zehnfache.

Nennen Sie es eine ökonomische und kulturelle Seuche, aber nicht unbedingt eine medizinische, sagt Professor Peter Conrad von der Brandeis University, der zusammen mit Koautorin Meredith Bergey das Wachstum von ADHS in England, Deutschland, Frankreich, Italien und Brasilien untersucht hat.

Bis vor kurzem wurden in Nordamerika noch bei weitem die meisten ADHS-Diagnosen gestellt und die USA verbrauchten 90 Prozent allen Ritalins (eines der am häufigsten verschriebenen ADHS-Medikamente). ADHS-Diagnosen wachsen zwar weiter an in den USA, aber die US-Amerikaner stellen heute nur noch 75 Prozent der Ritalin-Konsumenten.

5 Faktoren für ADHS-Wachstum

Conrad und Bergey führen das ADHS-Wachstum auf fünf Trendfaktoren zurück.

  1. Pharmaunternehmen sind wirkungsvolle Lobbyisten und haben einige Länder dazu gebracht, Marketingbeschränkungen auf Stimulanzien zu lockern.
  2. Psychoanalytische Behandlungen und Verhaltenstherapie machen Platz für die biologische Psychiatrie, die psychologische Probleme mit Psychopharmaka behandelt.
  3. Viele europäische und südamerikanische Psychologen und Psychiater übernehmen die us-amerikanisch basierten DSM-Standards (diagnostisches und statistisches Handbuch), die weiter gefasst sind und eine niedrigere Schwelle für die Diagnose von ADHS haben.
  4. Lautstarke ADHS-Interessengruppen arbeiten eng mit Pharmaunternehmen zusammen, um pharmazeutische Behandlungen zu fördern.
  5. Und schließlich, die leichte Verfügbarkeit von ADHS-Informationen und Selbstdiagnosen über das Internet ermächtigen Verbraucher dazu, nach verschreibungspflichtigen Medikamenten zu fragen.

Checklisten im Internet

Viele Websites, die für ADHS-Medikamente werben, bieten Checklisten mit Fragen wie diese an:

"Diese Prüflisten wandeln viele verschiedene Verhaltensweisen in medizinische Probleme", sagt Conrad.
"Die Checklisten unterscheiden nicht, was Teil des Menschseins und was eine Krankheit ist."

Statistik des Wachstums

Laut der Studie erhöhten sich die Diagnosen der Störung bei Schulkindern im Vereinigten Königreich von weniger als ein Prozent in den 1990ern auf etwa fünf Prozent heute. In Deutschland stiegen die Verschreibungen der ADHS-Medikamente von 10 Millionen Tagesdosen im Jahre 1998 auf 53 Millionen im Jahr 2008.

Das Wachstum in Italien und Frankreich ist aufgrund restriktiverer pharmazeutischer Gesetze zum Teil langsamer gewesen. Jedoch werden selbst diese Nationen laxer, sagt Conrad in der Zeitschrift Social Science and Medicine. In Brasilien macht eine steigende Zahl von ADHS-Interessengruppen, viele mit engen Verbindungen zur Pharmaindustrie, auf die Störung aufmerksam.

"Es gibt kein pharmakologisches Wundermittel", sagt Conrad. Kein Medikament kann nicht-medizinischen Faktoren, die zum Verhalten beitragen mögen, Rechnung tragen. Ein zappeliger Schüler mag auf das - auf einzelne nicht eingehende - Pflichtschulsystem reagieren, sagt Conrad, nicht jedoch ein Fehler in seiner Gehirnchemie.

Masturbationswahnsinn

ADHS setzt eine lange Geschichte der Medikalisierung des Verhaltens - besonders in den USA - fort, sagt Conrad. Vor einem Jahrhundert wurde Masturbation als eine Krankheit betrachtet. Männer und Frauen, diagnostiziert mit Masturbationswahnsinn, wurden institutionalisiert oder einer chirurgischen Behandlung unterzogen.

"Ich denke, dass wir in 50 Jahren auf unsere Zeit zurückblicken und fragen werden, was haben wir diesen Kindern angetan?", sagt Conrad.

© PSYLEX.de - Quelle: Brandeis University / Social Science and Medicine, November 2014

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

News und Forschung

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