ADHS-Medikamente u. Alkohol, Drogen

Hyperkinetische Störungen / Aufmerksamkeitsdefizitstörungen

ADHS-Medikamente mit geringerem Risiko für Alkohol- und Drogenmissbrauch verbunden

14.07.2017 Die Verschreibung von Medikamenten zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung ist mit einem deutlich niedrigeren Risiko für Substanzgebrauch bei Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS verbunden laut einer im Fachblatt American Journal of Psychiatry publizierten Studie.

Alkoholmissbrauch / Drogenmissbrauch

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Das Risiko für Alkoholmissbrauch / Drogenmissbrauch während der Medikationsphasen war 35 Prozent niedriger bei Männern und 31 Prozent niedriger bei Frauen in der Studie im Vergleich zu Phasen, in denen die Medikamente nicht genommen wurden. Die Ergebnisse basieren auf der Analyse von fast 3 Millionen Menschen mit ADHS in den Vereinigten Staaten.

Als eine der größten Analysen zu den Risiken und Nutzen von ADHS-Medikamenten, erfasste die Studie anonyme Daten der Krankenversicherungen von 146 Millionen Menschen aus den Jahren 2005 bis 2014.

Von den fast 3 Millionen Menschen mit ADHS in der Datenbank, hatten 57 Prozent Phasen, in denen ihnen ADHS-Medikamente verschrieben bzw. nicht verschrieben wurden, um die Störung zu behandeln, schreiben die Forscher um Patrick D. Quinn von der Universität Indiana. Diese Phasen wurden miteinander verglichen.

Etwa 2 Prozent suchten eine Notfallambulanz wegen Problemen aufgrund von Drogenmissbrauch auf. Das mittlere Alter der Studienteilnehmer war 21 bei den Männern und 28 bei den Frauen.

Langfristige Auswirkungen

Es konnte auch gezeigt werden, dass männliche Patienten im Schnitt eine um 19% niedrigere Wahrscheinlichkeit für Vorfälle aufgrund von Drogenmissbrauch (Krankenhausaufenthalte etc.) 2 Jahre nach Medikationsphasen hatten (Odds Ratio = 0,81; 95% CI = 0,78-0,85), und weibliche Patienten hatten eine um 14% niedrigere Wahrscheinlichkeit für substanzverbundene Ereignisse 2 Jahre nach Phasen, in denen Medikamente verschrieben wurden (Odds Ratio = 0,86; 95% CI = 0,82-0,91).

Die Mehrheit der ADHS-Medikamente, die in der Studie verwendet wurden, waren Stimulanzien wie Adderall (ein in den USA zulassenes Medikament mit den Wirkstoffen Amphetamin und Dextroamphetamin), und Ritalin bzw. Methylphenidat. Medikamente wie Strattera bzw Atomoxetin (Non-Stimulanzien) wurden signifikant weniger oft verschrieben.

Koautor Brian M. D'Onofrio führte bereits mehrere Studie auf der Grundlage von Patientendaten aus Schweden durch, die ähnlich niedrigere Risiken für Drogenmissbrauch und auch für Verkehrsunfälle bei Menschen mit ADHS, die diese Medikamente nahmen, belegten.

Damit zeigt die Studie, dass ADHS-Medikamente nicht mit einem erhöhten Risiko für Alkohol- bzw. Drogenmissbrauch bei Erwachsenen und Heranwachsenden in Verbindung stehen - sondern eher das Risiko verringern, schließen die Forscher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Indiana, American Journal of Psychiatry - http://dx.doi.org/10.1176/appi.ajp.2017.16060686; Juli 2017

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