Behandlung / Therapie von ADHS

Hyperkinetische Störungen / Aufmerksamkeitsdefizitstörungen

News aus Forschung und Wissenschaft zum Thema Behandlungs- / Therapiemethoden von Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung.

Ausgeglichener durch Videospiele

26.08.2014 Jeden Tag für kurze Zeit ein Video- bzw. Computerspiel zu spielen, kann Kinder ausgeglichener machen, sagt eine neue Studie.

Laut Forschern der Oxford Universität kann das Spielen von Computerspielen dafür sorgen, dass Kinder mit ihrem Leben zufriedener sind und weniger Verhaltensprobleme zeigen, als diejenigen, die überhaupt nicht solche Spiele spielen.

Dies gilt jedoch nur, wenn nicht länger als eine Stunde am Tag gespielt wird. Wenn die Kinder mehr als eine Stunde spielen, zeigen Videospiele keine positiven Effekte mehr, und bei mehr als drei Stunden Spiel pro Tag zeigen die Kinder mehr Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsprobleme, eine geringere Empathie und weniger Zufriedenheit mit ihrem Leben.

An der in Pediatrics veröffentlichen Studie waren 5.000 junge Menschen (repräsentativ ausgewält, im Alter von 10-15 Jahren...die Hälfte männlich) beteiligt.

Computerspiel/Videospiel

Einfluss sehr klein

Die Studie stellte fest, dass der Einfluss von Videospielen auf Kinder sehr klein ist, verglichen mit 'anhaltenden' Faktoren, wie etwa, ob das Kind in einer stabilen Familie lebt, gute Beziehungen in der Schule hat oder materiell unterpriviligiert ist.

Die Teilnehmer wurden gefragt, wie viel Zeit sie in der Regel mit Konsolen- oder Computerspielen verbringen, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind, die Ausprägung von Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen, und wie gut sie sich mit ihren Altersgenossen verstanden.

Die Ergebnisse zeigten, dass drei von vier Kindern und Jugendlichen Videospiele täglich spielten, und dass diejenigen, die mehr als die Hälfte ihrer täglichen Freizeit mit dem Spielen elektronischer Spiele verbrachten, nicht so ausgeglichen waren. Die Forscher spekulieren, dass diese Kinder sich vielleicht zu wenig mit anderen bereichernden Aktivitäten oder sich möglicherweise mit anstößigen für Erwachsene konzipierten Inhalten beschäftigten.

Auf der anderen Seite, zeigten Kinder, die weniger als eine Stunde pro Tag (weniger als ein Drittel der täglichen freien Zeit) Computerspiele spielten das höchste Maß an Geselligkeit und berichteten über die höchste Zufriedenheit mit ihrem Leben. Sie schienen auch weniger Probleme mit Freundschaften und negativen Gefühle zu haben, und berichteten über weniger Hyperaktivität als die anderen Gruppen.

© PSYLEX.de - Quelle: Pediatrics / Oxford Universität, August 2014

Omega 3/6 Fettsäuren und spezielles Kognitionstraining verringern ADHS-Symptome

06.12.2014 Viele Kinder und Jugendliche, die dem vorwiegend unaufmerksamen Subtyp (ADS) der Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) angehören, können durch die Einnahme der Fettsäuren Omega 3 und 6 profitieren laut einer schwedischen Forschungsarbeit; ein spezielles kognitives Training kann das Problemverhalten bei Kindern mit ADHS verbessern.

Omega 3/6

Im ersten Versuch erhielten 75 Kinder und Jugendliche mit ADHS über drei Monate lang entweder die Fettsäuren Omega 3 und 6 in Kapseln oder ein Placebo, und dann wurde allen Omega 3/6 für die nächsten drei Monate gegeben. Die Studie war doppelblind (d.h. weder Forscher noch Teilnehmer wussten, wer Placebo und wer den Wirkstoff bekam).

"Für die Gruppe als Ganzes sahen wir keine größere Verbesserung, aber bei 35 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die die unaufmerksame Unterart von ADHS - also ADS - zeigten, verbesserten sich die Symptome so sehr, das wir über eine klinisch relevante Verbesserung sprechen können", sagte Forscher Mats Johnson von der Universität Gothenburg.

Das Omega 3 und 6 Niveau wurde durch Blutentnahmen gemessen: Teilnehmer mit einer deutlichen Verbesserung bei den Symptomen zeigten eine bessere Balance dieser beiden Fettsäuren.

Kooperative Problemlösung

Die Studie zeigte auch, dass kooperative Problemlösung (Collaborative Problem Solving - CPS) - eine kognitive Trainingsmethode - eine gute Alternative oder eine gute Ergänzung bei der Behandlung von ADHS und Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten (oppositional defiant disorder - ODD; ICD-10 Code: F91.3) sein kann.

In diesem Programm erhielten 17 Kinder und ihre Familien für bis zu zehn Wochen ein kognitives Training und Hilfe, um problematische Situationen zu lösen. Die Familien berichteten, wie sehr sich die Verhaltensprobleme ihres Kindes direkt nach der Behandlung und auch sechs Monate danach verbesserten.

"Unsere Studie zu CPS als Behandlungsmethode bei ADHS und ODD ist die erste in Schweden. Alle Familien unserer Studie beendeten die Behandlung, und die Hälfte von ihnen zeigten eine große oder sehr große Verbesserung der Verhaltensprobleme", sagte Johnson.

Teilnehmern, die noch schwerwiegende ADHS-Symptome nach der CPS-Behandlung hatten, wurde die Gelegenheit einer Zusatzbehandlung mit Psychostimulanzien gegeben. In der Nachtestung - sechs Monaten später - zeigten 81 Prozent aller teilnehmenden Familien eine große oder sehr große Verbesserung.

Die Befunde legen nahe, dass CPS helfen kann, problematisches Verhalten bei Kindern mit ADHS und ODD zu verbessern, sagte Johnson, und Kinder mit schwerwiegenden ADHS-Symptomen profitieren von einer Kombination von CPS und ADHS-Medikamenten am meisten.

© PSYLEX.de - Quelle: Universität von Göteborg; Dezember 2014

Verhaltenstherapeutisches Gruppentraining vs. Neurofeedback-Training

18.08.2017 Eine in The Lancet Psychiatry herausgegebene Studie verglich die Wirksamkeit von Verhaltenstherapie (Gruppe) mit Neurofeedback-Training bei erwachsenen Personen mit ADHS.

118 Erwachsene mit ADHS-Symptomen wurden über 15 Wochen entweder mit

Symptomlinderung in allen Gruppen

gruppentherapie

Vor und nach der Behandlung wurde die Schwere der ADHS-Symptome über objektive Tests zur Konzentration über vier Messzeitpunkte bis zu sechs Monaten nach Interventionsende erfasst.

Zwischen den ersten beiden Neurofeedbackgruppen (mit und ohne Placebobehandlung) gab es keine Unterschiede, wobei beide Gruppen gleichermaßen die Symptome linderten. Eine Auswirkung auf die Veränderung der Gehirnströme konnten die Psychologen der beteiligten Universitäten Tübingen, Bamberg, Bayreuth und Budapest nicht feststellen.

Keine Unterschiede bei Linderung

Die verhaltenstherapeutische Gruppenintervention verringerte die ADHS-Symptome ähnlich deutlich wie in den beiden Neurofeedbackgruppen, sagte Studienleiter Michael Schönenberg.

"Und dies bei wesentlich geringerem Aufwand der Methode. Unter anderem braucht es weniger Sitzungen, statt Einzeltraining ist ein Gruppentraining möglich und es entstehen keine Zusatzkosten durch Anschaffung und Unterhaltung der technischen Voraussetzungen."

"Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass verhaltenstherapeutische Ansätze sehr effektiv und effizient in der Behandlung von ADHS-Symptomen im Erwachsenenalter sind. Bevor andere Methoden für die Therapie empfohlen werden können, müssen diese erst ihre Überlegenheit gegenüber verhaltenstherapeutischen Standardmethoden unter Beweis stellen", schließt Schönenberg.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Tübingen; The Lancet Psychiatry - dx.doi.org/10.1016/S2215-0366(17)30291-2; Aug. 2017

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