ADHS bei Erwachsenen / im Alter

Hyperkinetische Störungen / Aufmerksamkeitsdefizitstörungen

ADHS verschwindet nicht im Alter 1

Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verschwindet nicht im Alter. Etwa drei Prozent der über 60-jährigen ist von den Auswirkungen betroffen laut einer niederländischen Studie.

Die Forscher des VU University Medical Centre in Amsterdam ließen 1.494 Teilnehmer im Alter von 60 bis 94 einen Fragebogen auf ADHS ausfüllen. Die 231 Teilnehmer, die die meisten Symptome aufwiesen, wurden für ein längeres, detaillierteres diagnostisches Interview eingeladen, wonach die ADHS-Rate dann bei 2,8% lag.

Studienleiterin Marieke Michielsen sagte, dass die Rate höher bei 60- bis 70-Jährigen (4%) als bei 70- bis 94-Jährigen (2.1 Prozent) war.

Mögliche Gründe

Sie sagte, "es gibt mehrere mögliche Erklärungen dafür. Eine könnte sein, dass die Symptome von ADHS mit dem Alter abnehmen. Andere Erklärungen können sein, dass das verwendete diagnostische Interview nicht empfindlich genug ist, um ADHS bei Menschen über 70 wahrzunehmen, oder auch, dass Menschen mit ADHS eine niedrigere Lebenserwartung haben als Personen ohne ADHS".

"Sie fügte hinzu, ADHS beeinflusst etwa drei bis sieben Prozent aller Kinder im schulpflichtigen Alter und etwa 4,4 Prozent der Erwachsenen. Jedoch ist wenig bekannt über ADHS im Alter, und dies ist die erste epidemiologische Studie über ADHS bei älteren Leuten. Mit einer Prävalenz von 2,8 Prozent zeigt unsere Studie, dass ADHS nicht mit dem Alter verschwindet."

Die Studie ist im British Journal of Psychiatry erschienen.

Das Team wies darauf hin, dass frühere Studien zeigten, dass ADHS unter Männern häufiger anzutreffen ist als unter Frauen, aber die Auftretenshäufigkeit war in dieser Studie gleich hoch.

Sie schreiben, dass früher angenommen wurde, ADHS würde sich nur auf die Kindheit beschränken. Daher hatten sich nur sehr wenige Studien auf die Störung im Alter konzentriert. Sie hat jedoch "eine tiefgreifende Wirkung auf das Leben von Erwachsenen", erklären die Forscher.

Auswirkungen

Die Betroffenen

In einem höheren Alter kann ADHS auch ein Risikofaktor für bedeutende Beeinträchtigungen sein und eine besondere Behandlung erfordern. Stichhaltige Daten über das Vorherrschen sind deshalb wichtig.

Ältere Leute mit ADHS in dieser Studie berichteten über Beeinträchtigungen aufgrund der Symptome in mehreren Bereichen, "was bedeutet, dass ADHS eine wichtige Ursache für Beeinträchtigungen im Alter bleibt", sagten die Autoren.

"Aber sie fügen hinzu,
ein anderer bemerkenswerter Befund ist, dass sich ältere Erwachsene mit ADHS nicht von älteren Erwachsenen ohne ADHS in den Bereichen unterscheiden: Lebenssituation, Ausbildungniveau und Einkommen. Angesichts der Auswirkungen von ADHS, möchte man annehmen, dass ältere Erwachsene mit ADHS auch Beeinträchtigungen in diesen drei Bereichen erfahren würden."

Jedoch berichteten die Befragten selbst, dass ihre ADHS eine negative Wirkung auf viele anderen Bereiche haben und hatten.

Weitere Studie: ADHS-Symptome nehmen im Alter ab

Eine andere Studie zu ADHS im Erwachsenenalter hat festgestellt, dass ADHS-Symptome mit dem Alter abnehmen, und sich die Verbindungen zwischen Symptomen, Stimmungsstörungen und kognitiver Leistung auch verändern.

Die Studie verglich ADHS-Symptome und kognitive Fähigkeiten bei 3.443 Männern und Frauen mittleren Alters (48 bis 52 Jahre) oder älter (68 bis 74 Jahre). Die Symptome waren mit Hilfe der Erwachsenen-ADHS-Selbstberichtsskala gemessen worden.

Danach zeigten ältere Erwachsene ein bedeutend niedrigeres Niveau an ADHS Symptomen, schreiben die Forscher der australischen The Australian National University, Canberra. Sie sagten, dass 2,2 Prozent der älteren Gruppe einen Score von 14 (wurde früher bei ADHS-Diagnosen benutzt) zeigten, verglichen mit 6,2 Prozent der Gruppe mittleren Alters. Männer und Frauen zeigten ähnliche Resultate.

Die Forscher gaben weiter an, dass stärkere ADHS-Symptome mit einer schwächeren kognitiven Leistung in der Gruppe mittleren Alters verbunden waren. Aber überraschenderweise waren stärkere Unaufmerksamkeitssymptome mit einer besseren verbalen Fähigkeit in beiden Altersgruppen verbunden.

Und, größere Hyperaktivität war mit besseren Fähigkeiten hinsichtlich des Task-Switchings (Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zwischen verschiedene Aufgaben zu wechseln) bei älteren Erwachsenen verbunden.

Details dieser Studie erschienen in der Zeitschrift PLoS One.

Das Team sagte, "unsere Ergebnisse legen nahe, dass ADHS-Symptome mit dem Alter abnehmen, und dass sich ko-auftretende Stimmungsstörungen und kognitive Leistung auch ändern. Obwohl Depressionssymptome bei älteren Erwachsenen geringer sind, sind sie viel stärkere Vorhersagevariablen kognitiver Leistung und führen eher den Effekt von ADHS-Symptomen auf die Wahrnehmung herbei in dieser Altersgruppe".

"Diese Ergebnisse betonen den Bedarf nach altersentsprechender Diagnostik und Behandlung von koexistierenden ADHS- und Stimmungsstörungen." Sie fügen hinzu, dass eine bessere Behandlung "für die Förderung der kognitiven Gesundheit im späteren Leben beitragen kann."

References

© PSYLEX.de - Quellenangabe: 1. Michielsen, M., et al. The prevalence of attention-deficit hyperactivity disorder in older adults in The Netherlands. British Journal of Psychiatry, 9 August 2012, doi: 10.1192/bjp.bp.111.101196 http://bjp.rcpsych.org/content/201/4/298.long
2. Das, D., Cherbuin, N., Easteal, S., Anstey, K. Attention Deficit/Hyperactivity Disorder Symptoms and Cognitive Abilities in the Late-Life Cohort of the PATH through Life Study. PLoS One, 28 January 2014 doi: 10.1371/journal.pone.0086552 National Center for Biotechnology Information

Probleme

Während Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aka Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom / Hyperaktivitätssyndrom oft als Kindheitsstörung betrachtet wird, dehnt sich die Störung oft ins Erwachsenenalter aus, verkompliziert und behindert das alltägliche Leben.

Laut der Aprilausgabe des Mayo Clinic Health Letter können mehr als die Hälfte der Kinder erwarten, auch als Erwachsene das Hyperaktivitätssyndrom zu behalten. ADHS bei Erwachsenen ist oft subtiler als bei Kindern, aber es kann immer noch lästig sein. Es zeigt sich normalerweise auf eine von zwei Arten oder einer Kombination:

  1. Unaufmerksamkeit: Prioritäten zu setzen und sich auf Aufgaben zu konzentrieren kann eine enorme Herausforderung darstellen. Sich die Arbeit zu organisieren oder Anweisungen zu folgen kann schwieriger sein als für andere.
  2. Extreme Aktivitätsniveaus oder schwierig zu kontrollierende Impulse: Erwachsene mit ADHS sind wahrscheinlich nicht physisch so aktiv wie hyperaktive Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Stattdessen können Erwachsene andauernde Gefühle von Unruhe verspüren oder Schwierigkeiten haben zu entspannen. Erwachsene können glauben, dauernd unterwegs sein zu müssen. Impulsivität kann sich bemerkbar machen als: Ungeduld, Stimmungsschwankungen, intensive Wutausbrüche oder Probleme in Beziehungen.

Hinweise, Zeichen, Symptome

Hinweise, die dann noch psychologisch ausgewertet werden müssten, sind:

Diagnose und Behandlung

Interviews und detaillierte medizinische und Verhaltensuntersuchungen sind normalerweise der Schlüssel zur Diagnose. Tests, um Aufmerksamkeit und Konzentration zu messen, könnten Teil der Auswertung sein.

Erwachsenen-ADHS wird im Allgemeinen mit einer Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie behandelt.

Viele Erwachsene mit Hyperkinetischer Störung finden psychologische Beratung hilfreich. Psychologische Beratung allein kann schon eine ausreichende Behandlung für viele mit dieser Krankheit sein.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Mayo Clinic Health Letter - 2007

'Wächst' sich ADHS im Erwachsenenalter aus?

31.08.2015 Eine neue Studie der Universitäten Cambridge (England) und Oulu (Finnland) zeigt Unterschiede in Gehirnstruktur und Gedächtnis bei jungen Erwachsenen, die als Heranwachsende mit ADHS diagnostiziert wurden - im Vergleich zu ihren Altersgenossen.

Symptome ohne Diagnose

Die in der Zeitschrift European Child Adolescent Psychiatry herausgegebenen Befunde legen nahe, dass Aspekte von ADHS im Erwachsenenalter bestehen bleiben können, selbst wenn gegenwärtige diagnostische Kriterien versäumen, die Störung zu identifizieren.

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Bild: Gerd Altmann

Die Forscher untersuchten bei 49 jungen Erwachsenen (20-24 Jahre alt), die mit ADHS im Alter von 16 Jahren diagnostiziert wurden, Gehirnstruktur und Gedächtnisfunktionen und verglichen sie mit 34 Kontrollpersonen.

Die Ergebnisse zeigten, dass die im Jugendalter mit ADHS diagnostizierten Teilnehmer immer noch Probleme in Bezug auf ein reduziertes Gehirnvolumen und ein schlechteres Gedächtnis hatten, unabhängig davon, ob sie noch den diagnostischen Kriterien für eine Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung entsprachen.

Weniger graue Substanz im Nucleus caudatus

Durch die Analyse der strukturellen Magnetresonanztomographie- (MRT) Gehirnscans und Vergleiche mit den Kontrollpersonen stellten die Forscher fest, dass die Jugendlichen mit ADHS weniger graue Substanz im Nucleus caudatus hatten - eine Schlüsselregion im Gehirn, die Informationen verschiedener Teile des Gehirns integriert und wichtige kognitive Funktionen (inklusive Gedächtnis) unterstützt.

Um zu untersuchen, ob diese Defizite bei der grauen Substanz von Bedeutung waren, führten die Forscher ein Experiment aus, in dem die Gehirnaktivität von 21 der früher mit ADHS diagnostizierten Personen und 23 der Kontrollpersonen bei einem Test des Arbeitsgedächtnisses gemessen wurden, während die Teilnehmer im Scanner lagen.

Schlechtere Gedächtnisleistung

Ein Drittel der Personen mit ADHS in der Jugend versagte im Gedächtnistest verglichen mit 5% in der Kontrollgruppe (eine Genauigkeit von weniger als 75% wurde als Durchfallen gewertet). Selbst bei den ADHS-Teilnehmern, die den Gedächtnistest bestanden, lagen die Punktestände durchschnittlich um 6 Prozentpunkte niedriger als bei den Kontrollteilnehmern.

Die schwachen Gedächtnisscores schienen auf einen Mangel in der Reaktionsfähigkeit der Nucleus-caudatus-Aktivität zu deuten: Bei den Kontrollen wurde der Nucleus caudatus aktiver, wenn die Gedächtnisfragen schwieriger wurden. Und dies schien der Kontrollgruppe zu helfen, besser zu performen; in der ADHS-Gruppe hielt der Nucleus caudatus dasselbe Aktivitätsniveau während des gesamten Tests.

Es gab keine Unterschiede in Gehirnstruktur oder Gedächtnistest-Ergebnissen zwischen den jungen Erwachsenen mit zuvor diagnostizierter ADHS, die immer noch den diagnostischen Kriterien entsprachen, und jenen, die ihnen nicht mehr entsprachen.

Studienleiter Dr. Graham Murray sagte, dass bei den Kontrollteilnehmern der Nucleus caudatus in seiner Aktivität einen 'Gang raufschaltete', als der Test schwieriger wurde, und dies wird bei der Lösung des Tests geholfen haben.

"Aber in der Gruppe mit 'Jugend-ADHS' war diese Region des Gehirns kleiner und schien nicht in der Lage zu sein, auf wachsende Gedächtnisforderungen zu reagieren - mit dem Resultat, dass die Merkfähigkeit litt."

Nur einer der 49 ADHS-Jugendlichen war mit Medikamenten behandelt worden. Dies bedeutete, dass die Forscher die Medikation als Störfaktor sicher ausschließen konnten.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Cambridge, Universität Oulu, European Child Adolescent Psychiatry; August 2015

ADHS kann bei einigen erstmalig im Erwachsenenalter auftreten

19.05.2016 Eine in der Zeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie des King's College London legt nahe, dass ADHS bei einigen Menschen auch erst im Erwachsenalter auftreten kann, obwohl sie in der Kindheit nicht von dieser Störung betroffen waren.

Man nimmt zwar allgemein an, dass Erwachsene mit ADHS auch während ihrer Kindheit darunter leiden mussten, aber neue Studien zeigen etwas anderes.

Erwachsenen-ADHS?

Das Institut für Psychiatrie, Psychologie und Neurowissenschaften des King's fand heraus, dass fast 70% der jungen Erwachsenen mit ADHS zu keinem erhobenen Zeitpunkt in ihrer Kindheit von der Erkrankung betroffen waren. Erwachsene mit 'spät ausgebrochener' ADHS zeigten stark ausgeprägte Symptome, Beeinträchtigungen und andere psychische Störungen.

Die Forscher gehen davon aus, dass im Erwachsenenalter erstmalig aufgetretene ADHS andere Ursachen habe als ein Beginn bereits in der Kindheit.

Die Ergebnisse dieser Studie werden durch Belege einer brasilianischen und einer neuseeländischen Studie bestätigt, die ebenfalls viele Erwachsene mit ADHS entdeckten, die diese Störung nicht in der Kindheit hatten.

Die englische Studie enthielt 2.232 britische Zwillinge aus der Environmental Risk (E-Risk) Longitudinal Twin Study. Die ADHS-Symptome wurden im Alter von 5, 7, 10 und 12 Jahren über Berichte der Mutter und Lehrer gemessen. Die jungen Erwachsenen wurden im Alter von 18 Jahren interviewt, um ADHS-Symptome und damit verbundene Beeinträchtigungen, sowie die Existenz anderer psychischer Störungen zu erfassen.

Genetische Basis: Vererbung

Da die Studie eine Zwillingskohorte war, konnten die Forscher auch die genetische Basis von ADHS untersuchen. Sie fanden heraus, dass erwachsene ADHS weniger vererbbar war als die der Kindheit; wenn das Zwillingsgeschwister in der Kindheit ADHS hatte, hat der Zwillingsbruder oder die Zwillingsschwester kein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von ADHS später.

Studienautorin Dr. Jessica Agnew-Blais sagte, dass die Befunde wichtige Fragen hinsichtlich des späten Ausbrechens der Störung aufwerfen:

Weitere Studien sollten dies erforschen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: JAMA Psychiatry - DOI:10.1001/jamapsychiatry.2016.0400; Mai 2016

Mehr als 50% der Kinder mit ADHS haben auch Symptome als Erwachsene

27.09.2016 Eine neue im Fachblatt Journal of Child Psychology and Psychiatry veröffentlichte Studie legt nahe, dass ungefähr 60 Prozent der Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auch Mitte 20 noch ADHS-Symptome haben.

Zudem hatten 41 Prozent sowohl Symptome als auch Beeinträchtigungen als junge Erwachsene.

Es hat jüngst eine große Kontroverse darüber gegeben, ob Kinder mit ADHS auch Symptome ins Erwachsensein mitnehmen, bzw. ob sich die Störung "auswächst", sagte Studienleiterin Dr. Margaret Sibley von der Florida International Universität.

5% - 75%

Frühere Studien variierten ziemlich stark in ihren Resultaten dazu (5% - 75%); dies war abhängig von den Unterschieden bei den Diagnosen und wie die Informationen erfasst und analysiert wurden.

In der aktuellen Studie - ein 16-jähriges Follow-Up zu einer bereits durchgeführten Studie - fanden die Wissenschaftler, dass eine Kombination aus Befragungen der Eltern und Selbstberichte plus eine Symptom-Schwelle, die auf Erwachsene abgestimmt wurde (und nicht auf traditionelle Kindheitsdefinitionen für ADHS beruhte) optimale Ergebnisse zeigte.

Abhängig von Diagnose

Wie ADHS diagnostiziert wird, kann, zu verschiedenen Schlussfolgerungen darüber führen, ob ein Erwachsener noch von der Störung betroffen ist, die in der Kindheit begann, sagte Sibley vom Fachbereich für klinsiche Psychologie.

Wenn man die Erwachsenen nach ihren fortbestehenden Symptomen fragt, sind sie sich ihrer häufig nicht bewusst; jedoch bestätigen Familienmitglieder oder andere nahestehenden Personen, dass sie noch deutliche Symptome beim Erwachsenen beobachten, sagte die Psychologin.

Definition für die Störung bei Erwachsenen

Sibley fügte hinzu, dass, wenn die klassische Definition von ADHS für Kinder bei der Diagnose von Erwachsenen angewendet wird, dann werden viele Fälle übersehen, weil sich die Symptom-Präsentation im Erwachsenleben ändert.

Wenn man ein Familienmitglied nach den Symptomen des Erwachsenen fragt und Erwachsenen-basierte Definitionen der Störung benutzt, dann zeigt sich im Normalfall, dass etwa die Hälfte der Kinder mit mittelschwerem bis schwerem ADHS noch deutliche Zeichen der Störung im Erwachsenalter zeigen, sagte sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Florida International Universität, Journal of Child Psychology and Psychiatry - DOI: 10.1111/jcpp.12620; Sept. 2016

Können Erwachsene die Störung entwickeln? Werden viele falsch diagnostiziert?

23.10.2017 Mehr als 80 Prozent der Erwachsenen, die mit ADHS diagnostiziert werden, haben die Störung wahrscheinlich überhaupt nicht.

Diejenigen, die tatsächlich die Erkrankung haben, entwickelten sie wohl schon als Kinder, wurden aber nicht diagnostiziert, schreibt eine in der Fachzeitschrift American Journal of Psychiatry publizierte Studie der Florida International University.

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Bild: George Hodan

Die Annahme einer weit verbreiteten ADHS-Epidemie bei Erwachsenen zerfällt, wenn man Zugang zu detaillierten klinischen Aufzeichnungen und der Anamnese der Patienten hat, sagt die klinische Psychologin Margaret Sibley, Professorin für Psychiatrie und Verhaltensgesundheit.

Andere Einflussfaktoren

Die Wissenschaftler fanden eine Reihe von Personen, die ADHS mit Beginn im Erwachsenenalter hatten. Als die Forscher aber näher hinschauten, konnten sie die Symptome zurück in die Kindheit verfolgen oder sie wurden besser durch andere psychische Probleme erklärt, wie die kognitiven Effekte von schwerem Marihuanakonsum, psychologischen Traumata oder depressiven Symptomen, die die Konzentration ebenfalls beeinflussen, sagte Sibley.

Sibley und ihre Kollegen bewerteten 239 Teilnehmer alle zwei Jahre, beginnend im Alter von 10 Jahren und endend im Alter von 25 Jahren. Die Forscher verwendeten Berichte der Eltern, Lehrer und Selbstberichte zu den ADHS-Symptomen, der Beeinträchtigungen, des Drogenkonsums und anderer psychischer Störungen. Sie betrachteten den Kontext der Symptome und das Timing.

Falsch-positive Spät-Fälle

Die Psychologin sagt, dass falsch-positive Spät-Fälle von ADHS häufig ohne vorsichtige Einschätzungen auftreten können und Kliniker sollten Beeinträchtigungen, die psychiatrische Vorgeschichte und Drogengebrauch sorgfältig erfassen, bevor sie mögliche wahrgenommene Fälle von ADHS mit Beginn im Erwachsenenalter behandeln.

Zusätzliche Erklärungen für spät einsetzende ADHS-ähnliche Symptome können Schädel-Hirn-Traumata, Umweltstressoren, Nebenwirkungen von Medikamenten oder körperliche Krankheiten sein. Sibley sagt, dass mehr Forschung nötig sei.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Florida International University; American Journal of Psychiatry - DOI: 10.1176/appi.ajp.2017.17030298; Okt. 2017

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