Psychische Störungen, Symptome

Posttraumatische Verbitterungsstörung

Verbitterung und posttraumatische Verbitterungsstörung: Alte, aber unterschätzte psychische Probleme

Definition Verbitterung

29.03.2021 Verbitterung ist eine Reaktion auf Ungerechtigkeit, Demütigung und Vertrauensbruch. Es besteht der nagende Wunsch, das Geschehene ungeschehen zu machen, die Gerechtigkeit wiederherzustellen, sich zu rächen und Rache zu nehmen. Verbitterung kann zu dysfunktionalem Verhalten wie sozialem Rückzug, phobischer Vermeidung, Aggression, Suizidalität und langwierigen Rechtsstreitigkeiten führen.

Normale Verbitterung klingt schnell ab, pathologische (krankhafte) Verbitterung (die Posttraumatische Verbitterungsstörung; engl.: Posttraumatic Embitterment Disorder, PTED) kann lang anhaltend sein.

Definition Posttraumatische Verbitterungsstörung

Pathologische Verbitterung kann als eine intensive und anhaltende Reaktion auf ein einzelnes Ereignis beschrieben werden, das Ungerechtigkeit, Demütigung und Vertrauensbruch beinhaltet.

Die posttraumatische Verbitterungsstörung (zuweilen auch als Resignationssyndrom bezeichnet) ist eine abnorme Reaktion auf ein außergewöhnliches, aber häufig auftretendes negatives Lebensereignis wie eine Scheidung, Entlassung, persönliche Beleidigung oder Schmähung.

Symptome

Neben der Verbitterung selbst kann diese Störung von weiteren Symptomen wie dysphorischer Stimmung, aufdringlichen Gedanken, Hilflosigkeit, Selbstvorwürfen, Suizidgedanken und emotionaler Erregung bei der Erinnerung an die Vergangenheit begleitet sein. Die schwerste Ausprägung kann mit Rachegedanken, Aggression und sogar Mordgedanken verbunden sein.

Epidemiologie: Verbreitung, Auftreten, Häufigkeit

Es gibt erste epidemiologische Daten, die aus verschiedenen Kontinenten stammen und sich auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen beziehen. In einer webbasierten Umfrage in Korea unter Personen im Alter von 18 bis 35 Jahren berichteten 45,2 % über ein erhöhtes Maß an Verbitterung im Zusammenhang mit einer größeren Belastung durch negative Lebensereignisse.

Bei psychosomatischen Patienten zeigten 26 % ein erhöhtes Empfinden von Verbitterung. Diese Daten bestätigen, dass Verbitterung eine Emotion ist, die vielen Menschen bekannt ist und dass Verbitterung mit pathologischer Intensität - also eine Verbitterungsstörung - ebenso häufig vorkommt wie viele andere psychische Störungen.

Ursachen, Faktoren, Auslöser

Personen, die negativen Lebensereignissen ausgesetzt sind, haben erwartungsgemäß ein höheres Risiko, eine schwere Verbitterung zu entwickeln. Dies wurde im Zusammenhang mit gravierenden Veränderungen im Leben festgestellt, wie z.B. Arbeitslosigkeit, Tod eines geliebten Menschen, schwere somatische Erkrankungen, Probleme am Arbeitsplatz, rechtliche Probleme und Auswanderung. Interaktionelle Stressoren, die mit Ungerechtigkeit verbunden sind, werden eher mit einer posttraumatischen Verbitterungsstörung in Verbindung gebracht.

Obwohl Beschreibungen dieser Störung bereits in der Arbeit von Kraepelin auftauchen, wird sie in der Forschung und in den Diagnosesystemen nur begrenzt anerkannt. Wenn sie jedoch zu den aktuellen Diagnosemanualen hinzugefügt wird, könnte die Diagnose der posttraumatischen Verbitterungsstörung einen besonderen klinischen und wissenschaftlichen Nutzen bringen, schließen die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Psychotherapy and Psychosomatics (2020). DOI: 10.1159/000511468

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren