Paruresis - Angst vorm Urinieren

Psychische Störungen - Angststörungen

Ca. 3-7 % (je nach Studien: Deutschland / USA) der Menschen leiden unter Paruesis.

Definition:

Paruresis aus dem griechischen übersetzt bedeutet: gestörtes Harnlassen. Im anglo-amerikanischen Raum wird die Paruresis mit "Shy Bladder Syndrome" bezeichnet, etwas "schüchternes Blasen-Syndrom". Damit wird die Angst bezeichnet in der Öffentlichkeit (z.B. auf öffentlichen WC's) zu urinieren (und dabei unter "Beobachtung" zu stehen).

Zu über 90 % sind Männer von diesem Problem betroffen (siehe aber auch Urophobie).

Angst vor der Angst

Ein großes Problem der Menschen ist nach einiger Zeit, dass sie Angst vor der Angst (Phobophobie) entwickeln, die sie in Ihrem Alltagsleben zumindest in Gedanken oft beschäftigt und Ihre Lebensqualität beeinflusst.

Es stimmt sie nicht nur traurig, dass sie in den Situationen selbst Angst vor dem Harnlassen haben, sondern sie "müssen" jetzt auch vermeiden, dass es zu solchen Situationen kommt.

Die Vermeidung solcher Situationen auf Reisen etc. ist natürlich etwas schwieriger, was zusätzlichen Stress bedeutet.

Und es wird in dem Sinne schlimmer, weil ihre Angst vor dieser Angst, nicht Harnlassen zu können, immer größer wird. D.h. die Angst im Kopf wird durch die Gedanken, die sie sich machen immer größer. Sie können sich überhaupt nicht mehr vorstellen, dass es für Sie tatsächlich noch möglich sein würde, in einem öffentlichen WC mit "Nebenmännern" zu pinkeln.

Entstehung der Paruresis

Entstehen tut solch eine Paruresis gewöhnlich in der Kindheit / Pubertät. Tatsächlich ist eine gewisse Angst, in solch öffentlichen Situationen zu pinkeln, nicht ungewöhnlich und von der Biologie vorgesehen.

In dieser Stresssituation kommt es dann u.a. naturbedingt zu einem Zusammenziehen des Ringmuskels der Blase, wodurch das Harnlassen sehr schwer gemacht wird. "Pressen" ist in solchen Situationen dann kontraproduktiv. Es hilft im Grunde genommen nur Entspannung, die ist aber nicht möglich, wenn man sich Sorgen darüber macht, was der "Nebenmann" wohl über die eigene scheinbare "Unfähigkeit" Wasser zu lassen, denken mag. Denkt er womöglich ... ich habe Angst.

Was passiert dann: Es wird versucht, schnellstmöglichst aus der Situation zu fliehen. Im Gehirn "brennt" sich diese Situation und vor allem die Angst davor wieder etwas tiefer ein. Mit jeder weiteren solchen Erfahrung wird die Angst größer, bis man solche Situationen anfängt zu vermeiden. Dadurch wird die Angst noch größer (d.h. mittlerweile kann die Angst vor solchen Situationen schon größer geworden sein, als die Angst unter Beobachtung pinkeln zu müssen).

Schüchterne Blase - Lass es laufen!

Psychische Störungen - Angststörungen

Paruresis ist die Furcht in der Öffentlichkeit bzw. an öffentlichen Orten, wo andere zugucken könn(t)en zu urinieren (also z.B. am Urinal etc.). Es gibt jedoch vielversprechende Therapien gegen diese Form der Angst. Die Bezeichnung wurde 1954 von Degenhardt und Williams eingeführt.

Lass es laufen!
Ein Leitfaden zur Überwindung der Paruresis
von Philipp Hammelstein

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Schüchterne Blase ist die Hölle

08.03.2015 - Kommentar von Jack:

Ich bin ein beruflich erfolgreicher Mann in den Dreißigern und habe Probleme mit dem Urinieren seit ich siebzehn war; stand immer unter dem Druck, in den Prüfungen eine gute Leistung zu bringen. Eines Tages stand ich neben meinem Vater am Urinal, als feststellte, dass ich einfach nicht pinkeln konnte. Aber es kam noch viel schlimmer.

Ich bin verheiratet und habe Kinder und nun ist es zwanghaft geworden auf der Toilette Privatsphäre zu haben. Manchmal muss ich sogar darauf bestehen, dass die Familie aus dem Haus geht, wenn ich auf Toilette gehe. Diese Paruresis ist die Hölle. Ich habe vor einiger Zeit eine Therapie angefangen.

Ich weiß alles, was man über das Schüchterne-Blase-Syndrom wissen kann. Mein Therapeut nennt es Paruresis, ich weiß, es ist ziemlich verbreitet, aber die Menschen reden nicht gerne darüber. Ich habe Monate in der kognitiven Therapie verbracht und meine Gedanken analysiert. Ich könnte ein Buch zu diesem Thema schreiben, aber ich leide immer noch drunter, wenn auch nicht mehr so stark...wenigstens kann mittlerweile die Familie im Haus bleiben!

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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