Alkohol und
Soziale Phobie, Angst, Angststörung

Psychische Störungen - Angststörungen

Hilft Alkohol bei sozialer Phobie?

17.07.2017 Eine im Fachblatt Behaviour Research and Therapy veröffentlichte Studie von Stephan Stevens und Kollegen von der Universität Köln untersuchten den Einfluss von Alkohol auf die soziale Ängstlichkeit und das soziale Auftreten.

Soziale Angststörung (Phobie) und Alkoholmissbrauch bzw. Alkoholismus treten häufig zusammen auf und es gibt Hinweise darauf, dass Alkohol soziale Angst reduzieren kann. Es ist jedoch unklar, welche Mechanismen zur Angst-reduzierenden Wirkung beitragen, vor allem in Bezug auf die wichtigsten Aspekte der sozialen Angst wie Defizite beim sozialen Auftreten.

Halten einer Rede


Bild: pixabay

Die Psychologen verglichen in ihrer neuen Studie selbsteingeschätzte und physiologische Werte zur Angst sowie die Bewertung des sozialen Auftretens (der 'Performance') durch die Teilnehmer selbst und durch Beobachter in einer Stichprobe von 62 Personen mit sozialer Phobie und 60 nicht pathologisch ängstlichen Kontrollteilnehmern bei einer Rede.

Die Teilnehmer tranken vor der Rede Alkohol (gewichtsabgestimmt, so dass ihr Alkoholgehalt im Blut etwa einem Wert von 0,7 Promille entsprach), ein alkoholfreies Placebo-Getränk oder Orangensaft.

Pharmakologische und Placebo-Effekte

Die sozialen Phobiker berichteten über deutlich mehr Angst während des Sprechens als die Kontrollteilnehmer. Darüber hinaus unterschätzten die Phobiker (erstaunlicherweise) ihre Leistung im Vergleich zu den Beobachtern (also den Zuhörern).

Alkohol verringerte laut den Selbstberichten die Angst nur bei den sozialen Phobikern, während die Beobachter alle Teilnehmer als weniger kompetent bewerteten, wenn diese berauscht waren.

Auch die sozial ängstlichen Teilnehmer unter der Placebo-Bedingung fühlten sich weniger nervös als die Orangensaft-Gruppe (die wussten, dass sie reinen Orangensaft getrunken hatten), aber nervöser als die Alkoholgruppe, was darauf hindeutet, dass die beruhigenden Wirkungen von Alkohol teilweise pharmakologisch und teilweise von den Erwartungen abhingen.

Teufelskreis?

Die Teilnehmer unter der Placebo-Bedingung hielten ebenfalls schlechtere Reden als die in der Orangensaftgruppe, aber nicht so schlechte wie die alkoholberauschten Teilnehmer.

Obwohl die Teilnehmer mit sozialer Angststörung eine Angstreduktion unter Alkohol erlebten, könnte die gleichzeitige Abnahme der sozialen Performance ein negatives Feedback durch andere hervorrufen und damit das Risiko weiteren Alkoholkonsums erhöhen, um diese negativen Reaktionen zu bewältigen, vermuten die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Köln, Behaviour Research and Therapy - https://doi.org/10.1016/j.brat.2017.04.008; Juli 2017

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

Weitere Forschungsartikel, News

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter