Soziale Phobie / Angststörung und die Persönlichkeit

Angststörungen

Studie stellt große Unterschiede bei den Persönlichkeitsmerkmalen von Patienten mit sozialer Phobie fest

30.04.2020 Menschen mit sozialer Angststörung (auch soziale Phobie genannt) haben deutlich andere Persönlichkeitsmerkmale als nicht-sozialphobische Personen. Emotionale Instabilität und Introvertiertheit sind Kennzeichen laut einer in PLOS ONE veröffentlichten Studie.

Soziale Phobie scheint ein Problem zu sein, das stark mit der Persönlichkeit verflochten ist, aber gleichzeitig gibt es große Unterschiede, sagt Studienautor Tomas Furmark von der Fakultät für Psychologie der Universität Uppsala.

Big Five und Angststörungen


Bild: pixabay

Psychologen suchen seit langem nach dem Zusammenhang zwischen Persönlichkeitseigenschaften und dem Risiko für die Entwicklung von psychischen Erkrankungen.

In der psychologischen Wissenschaft wird die Persönlichkeit typischerweise anhand von fünf gut etablierten Dimensionen beschrieben: Neurotizismus, auch als emotionale Instabilität bekannt; Extraversion, die sich damit befasst, wie kontaktfreudig eine Person ist; Offenheit; Verträglichkeit; und Gewissenhaftigkeit - die "Big Five".

An der aktuellen Studie waren 265 Personen mit der Diagnose Soziale Phobie beteiligt. Bei ihnen wurden die Persönlichkeitsmerkmale erfasst und mit denen gesunder Kontrollpersonen und schwedischen Normdaten verglichen.

Neurotizismus und Introversion

Die Ergebnisse zeigten, dass Personen mit sozialer Angststörung deutlich verschiedene Persönlichkeitseigenschaften aufwiesen, insbesondere einen hohen Neurotizismus und eine hohe Introvertiertheit, d.h. eine Neigung zu emotionaler Instabilität und eine nach innen gewandte Haltung.

Gleichzeitig zeigte die Studie, dass es unter den sozial ängstlichen Individuen eine grosse Variationsbreite an Persönlichkeitsmerkmalen gab. Auf der Grundlage einer Clusteranalyse der Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen konnten drei Persönlichkeitsgruppen unterschieden werden.

Persönlichkeitsgruppen

  1. Die erste Gruppe, mit prototypischer sozialer Phobie, war sowohl hochgradig ängstlich als auch introvertiert - was als typische Form der sozialen Angststörung angesehen werden kann. Diese Personen machten jedoch nur ein Drittel (33 Prozent) der gesamten Patientenstichprobe aus.
  2. Die Personen in der zweiten Gruppe (29 Prozent) mit introvertierter, gewissenhafter sozialer Phobie waren sehr introvertiert, aber nur moderat ängstlich, und sie wiesen ein hohes Maß an Gewissenhaftigkeit auf.
  3. Die Personen in der dritten und größten Gruppe (38 Prozent) mit instabil-offener sozialer Phobie waren ängstlich und hatten gleichzeitig fast normale Werte bei Extraversion. Vergleiche mit Normdaten zeigten auch, dass diese Personen in Bezug auf das Persönlichkeitsmerkmal Offenheit sehr hoch abschnitten.

Es ist möglich, dass sich die Ursachen der sozialen Phobie für die drei Gruppen unterscheiden, zum Beispiel im Hinblick auf Anomalien der Neurotransmitter-Spiegel im Gehirn und genetische Faktoren, schreiben die Psychologen.

Es kann auch sein, dass für die verschiedenen Arten von sozialen Angststörungen unterschiedliche Behandlungen erforderlich sind, aber es sind weitere Studien erforderlich, um dies zu klären, sagt Furmark.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: PLOS ONE - https://doi.org/10.1371/journal.pone.0232187

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