Soziale Phobie: Vererbung, Gene

Psychische Störungen - Angststörungen

Soziale Angst: hochgradig erblich, aber stark von Umgebung beeinflusst

21.01.2016 Gene spielen langfristig eine entscheidende Rolle, obwohl Umweltfaktoren kurzfristig am wichtigsten sind, sagt eine größeren Studie zur sozialen Angst und vermeidenden Persönlichkeitsstörung des Norwegian Institute of Public Health.

Es ist seit langem bekannt, dass beide Faktoren eine Rolle bei der Entwicklung sozialer Angststörungen spielen, aber die Forscher waren sich bislang nicht über die starke langfristige Wirkung der genetischen Faktoren bewusst, sagte Studienautor Fartein Ask Torvik.

Zwillingsforschung

Über ein Jahrzehnt folgte die neue Studie etwa 3.000 norwegischen Zwillingen, um herauszufinden, wie sich psychische Störungen langfristig entwickeln. Die Ergebnisse für soziale Phobie und vermeidende Persönlichkeitsstörung unter Frauen sind jetzt verfügbar. Die Frauen wurden in ihren zwanziger und einmal in ihren dreißiger Jahren befragt.

Soziale Angststörungen tauchen normalerweise zum ersten Mal früh auf - oftmals im Jugendalter - aber typischerweise nicht mehr nach Mitte 20, sagte Torvik in der Zeitschrift Journal of Abnormal Psychology.

Angst war weniger stabil als erwartet

Knapp 4% der Teilnehmer hatten eine soziale Angststörung in ihren Zwanzigern. Weitere zehn Prozent hatten Symptome, die nicht für eine Diagnose ausreichten. Zehn Jahre später hatten noch 5% eine soziale Phobie und knapp 9% Symptome. Es waren nicht unbedingt dieselben Personen, die soziale Angst in ihren Zwanzigern und Dreißigern hatten.

"Die Angst war weniger stabil als erwartet. Zwei Drittel jener mit sozialer Angst in ihren Zwanzigern, entsprachen den diagnostischen Kriterien zehn Jahre später nicht mehr." Es scheint Schwankungen zu geben, sagte Torvik.

"Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) war jedoch nicht niedriger in den Dreißigern als in den Zwanzigern, da andere Personen die Störung erneut hatten, als sie interviewt wurden", fügte er hinzu.

Soziale Angst

Soziale Angst ist die Furcht, negativ in sozialen Situationen beurteilt zu werden. Viele Menschen erfahren diese gelegentlich, und es wird als normal erachtet. Die Angst erfüllt die Voraussetzungen einer Diagnose nur, wenn sie so stark wird, dass sie normale soziale Interaktionen verhindern.

"Soziale Angststörung oder soziale Phobie kann zu anhaltenden und deutlichen Belastungen und Beeinträchtigungen in wichtigen Bereichen des täglichen Lebens führen", sagte Torvik.

Vermeidende Persönlichkeitsstörung

Die vermeidende Persönlichkeitsstörung tritt oft zusammen mit sozialer Angst auf, aber die Studie zeigt, dass diese Persönlichkeitsstörung nicht das Gleiche wie starke soziale Ängstlichkeit ist.

"Das Risiko fü die Entwicklung von sozialer Angst ist mit vermeidenden Persönlichkeitseigenschaften verbunden." Diese Eigenschaften können dazu führen, die angstbesetzten Situationen zu vermeiden. Viele entwickeln auch ein Sicherheitsverhalten, um ihre Angst zu verbergen oder zu kontrollieren. Langfristig kann das zu mehr Angst führen, sagt Torvik.

Umgebung versus Genetik

Das Langzeitrisiko für die Entwicklung von sozialer Angst wird stark von genetischen Faktoren beeinflusst.

Dies geschieht wahrscheinlich deshalb, weil prädisponierende Persönlichkeitseigenschaften - wie Inroversion und geringe emotionale Stabilität - von den Genen beeinflusst werden. Wenn man beide dieser Eigenschaften hat, ist das Risiko für die Entwicklung einer sozialen Angststörung hoch. In bestimmten Situationen hat aber die Umgebung die größte Wirkung darauf, ob man sozial ängstlich wird.

Die Ereignisse, die soziale Angst in den Zwanzigern beeinflussen, haben nur eine kleine Wirkung in den Dreißigern. Die Umgebung hat kurzfristig den stärksten Effekt und die Auswirkungen der meisten Erfahrungen geht vorbei so die Forscher.

Als sie sich die Ursachen für Stabilität und Veränderungen im Laufe der Zeit ansahen, stellten sie fest, dass das genetische Risiko gleichbleibend war und zur Stabilität beitrug, während die Umgebung im Wesentlichen die Veränderungen bewirkte.

Kurz- und langfristig

"Soziale Angst ist hochgradig genetisch bedingt. Während die Umweltfaktoren auf kurze Zeit am wichtigsten sind, spielen die Gene langfristig eine entscheidende Rolle", sagte Torvik.

"Dies bedeutet, dass die Auswirkungen von Umweltereignissen: wie tyrannisiert zu werden oder den Arbeitsplatz zu verlieren, von beschränkter Dauer sind." Die Auswirkung der Ereignisse, die soziale Angst zu einem Zeitpunkt verursachen, geht vorbei. Die Tatsache, dass Sozialphobie so instabil ist, sollte Hoffnung für die Betroffenen sein, fügte er hinzu.

Für das mit den Genen verbundene Langzeitrisiko zeigen die Befunde, dass das Risiko nicht völlig vermieden werden kann:

Wenn man vermeidende Persönlichkeitseigenschaften hat, ist das Risiko für soziale Angst zu bestimmten Zeiten hoch. Selbst Menschen mit einer guten, sicheren Erziehung können soziale Ängstlichkeit erleben.

"Wenn man allerdings ein ererbtes Risiko hat, kann man lernen, sich der Vermeidungsneigung zu widersetzen und was man tun sollte, wenn die Angst auftaucht", sagte Torvik.

Obwohl das genetische Risiko anhält, bedeutet es nicht, dass man mit den Symptomen leben muss. Es gibt gute Behandlungen gegen diese Angst, schliesst der Forscher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Norwegian Institute of Public Health; Jan. 2016

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Die Gene

22.06.2016 Kommentar von Walter:

Ich bin mir sicher, das jeder der früh lang genug daran gehindert wird, an sich selbst wachsen zu können an seinen Gefühlen eine Soziale Phobie entwickelt. Die Gene sind da unwichtig.
Ich denke eher das die Aussage das immer die Gene Schuld sind genau so ein Unfug ist wie das die Erde eine Scheibe war. Es dient die Menschen klein und dumm und hilflos zu lassen.

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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