Die Verkörperung der Anorexie / Magersucht

Psychische Störungen - Gestörtes Essverhalten

Verkörperung als Paradigma für das Verständnis und den Umgang mit behandlungsresistenter Anorexia nervosa: Verortung des Selbst in der Kultur

07.08.2020 Forscher der Universitäten Flinders Adelaide untersuchten eine Gruppe von Frauen in Südaustralien, die seit über 10 Jahren an Anorexia nervosa (auch Anorexie oder Magersucht genannt) erkrankt sind, aber nicht gut auf traditionelle Behandlungsmethoden ansprechen, ihre Praktiken nur ungern ändern oder keine Hilfe für ihr gestörtes Essverhalten suchen.

Die in Frontiers Psychiatry veröffentlichte Studie untersuchte - aus einer anthropologischen Perspektive heraus - wie die Frauen ihre schwere Anorexie als zutiefst verkörpert erleben, als wäre sie ein Kernbestandteil ihrer Identität, und wie sie damit im Alltagsleben zurechtkommen.

Magersucht
Bild: Gerd Altmann

Die leitende Forscherin Dr. Connie Musolino vom Southgate Institute for Health, Society and Equity der Universität Flinders sagt, dass der Versuch, die psychischen Gesundheitsaspekte der Magersucht einer Person von ihren alltäglichen Essverhalten und körperlichen Verhaltensweisen zu trennen, von den Teilnehmerinnen als mehr als der Verlust einer Identität beschrieben wurde.

Es ist, als würde ihr Gefühl da-zu-sein zerstört werden, erklärt Musolino. Die Essstörung strukturiert jeden Aspekt des täglichen Lebens. Eine Teilnehmerin beschrieb ihre Anorexia nervosa als "den Klebstoff", der alles zusammenhält.

Musolino sagt, dass diese Befunde deutlich machen, warum eine schwere und anhaltende Anorexie schwerer zu behandeln und es für die Betroffenen so problematisch ist, sich davon zu erholen.

Es besteht die Notwendigkeit für eine Behandlung von schwerer Anorexie, die die Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen betonen und sich nicht nur auf eine vollständige Genesung in medizinischer Hinsicht konzentrieren, sagt sie.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Erfahrungen mit schwerer Anorexia nervosa kulturell bedingt sind. Mit der Zeit werden alltägliche Rituale und Routinen Teil des strukturierten Lebens der Betroffenen, und es wird sehr schwierig, dies nur in medizinischen Begriffen zu behandeln.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Front. Psychiatry, 12 June 2020 | https://doi.org/10.3389/fpsyt.2020.00534

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