Behandlung / Therapie von bipolarer Störung

Psychische Störungen - Affektive Störungen

Verhaltenstherapie und Gesprächstherapie gleich wirksam

Eine neue Studie hat festgestellt, dass kognitive Verhaltenstherapie und supportive Therapie (eine Art von Gesprächstherapie) gleichermaßen wirksam sind bei der Behandlung der Symptome von bipolarer Störung.

Die Forscher um Thomas D. Meyer, Doktor an der Eberhard Karls Universität in Tübingen, untersuchten die Wirksamkeit der aktuellen Psychotherapie-Methoden bei dieser psychischen Störung.

Bipolare Störung ist eine psychische Störung, bei der der unter ihr Leidende äußerste und anormale Stimmungsschwankungen erfährt, von manischen Hochs zu potenziell gefährlichen Depressionen.

Frühere Studien haben gezeigt, dass kognitive Verhaltenstherapie eine wirksame Behandlung bei dieser Störung ist, aber diese Studien haben Verhaltenstherapie nicht mit anderen Formen der Psychotherapie verglichen, schreiben die Wissenschaftler.

Die randomisierte Studie untersuchte 76 Patienten mit bipolarer Störung I oder II. Die Patienten wurden über neun Monate entweder mit kognitiver Verhaltenstherapie oder supportiver Therapie in insgesamt 20 Sitzungen behandelt. Den Teilnehmern wurde dann bis zu zwei Jahren gefolgt.

Die Ergebnisse, dass die Teilnehmer ähnliche Symptomverbesserungen zeigten, egal welche Therapieform angewendet wurde. Auch die Rückfall-Quote war für beide Therapieformen ähnlich.

In den 33 Monaten der Studie hatten 64,5 Prozent der Teilnehmer einen Rückfall, egal welche Form der Psychotherapie sie anwendeten, berichten die Wissenschaftler.

Die Forscher schlossen, dass beide Therapien einige Merkmale teilen, z.B. Stimmungskontrolle und Umdenkprozesse.

Diese Faktoren könnten den generellen Nutzen von Psychotherapie und insbesondere dieser Behandlungsarten erklären, und warum sie gleich positive Wirkungen hatten.

Quelle: Psychological Medicine. Juli 2012

Persönlicher Ansatz bei bipolarer Störung

Ein neuer Bericht aus dem Vereinigten Königreich sagt, dass Kliniker einen Schritt weiter sind, Therapie und Prävention von bipolarer Störung, auch bekannt als Manische Depression, zu personalisieren.

Ihre Forschung hat gezeigt, warum einige Leute ein größeres Risiko tragen, und andere weniger anfällig für genetische und Umweltfaktoren sind, die der bipolaren Störung (ICD 10 F31) zugrundeliegen.

Manische Depression oder Bipolare Störung tritt auf, wenn das Gehirn die Stimmungen nicht wirksam regulieren und dies zu Stimmungsschwankungen führen kann.

Um die 300.000 Menschen im Vereinigten Königreich haben die Störung. Mit bipolarer Störung zurechtzukommen, kann für Patienten und ihre Familien sehr schwierig sein und zu Schwierigkeiten und Rückschlägen in Beziehungen, der Arbeit und Schule führen. Verwandte von Menschen mit bipolarer Störung haben ein höheres Risiko für bestimmte Stimmungsstörungen, aber etwa 60 Prozent von ihnen bleibt wohlauf.

Bei einem Treffen der biochemischen Gesellschaft in London, sagte Dr. Sophia Frangou: "wir wissen Vieles über das, was Personen bipolarer Störung gegenüber anfällig macht, aber die meisten Leute, die ein Risiko haben, bleiben wohlauf". "Wir wollten herausfinden, woran das liegt".

Dr. Frangou und ihr Team vom Institut der Psychiatrie in London untersuchten genetische Risikofaktoren mit MRT Scans bei 227 Verwandten in 53 Familien, wo ein Mitglied die bipolare Krankheit hatte.

Die Teilnehmer wurden gescannt, während sie kognitive Tests machten, die die Gehirnteile anregten, welche mit der emotionalen Verarbeitung, Entscheidungsfindung, Gedächtnis und Aufmerksamkeit verbunden waren.

Therapie und Prävention der bipolaren Störung personalisieren

"Wir stellten fest, dass das genetische Risiko für bipolare Störung mit einer überaktivität innerhalb der Gehirnregionen verbunden war, die Emotionen verarbeiten (wie die Amygdala). Jedoch stellten wir auch fest, dass es die Funktion einer anderen Gehirnregion war, präfrontaler Cortex genannt, die einen Unterschied ausmachte.

"Bei Personen, die trotz ihres genetischen Risikos für eine bipolare Störung gesund blieben, blieb auch die Funktion des präfrontalen Cortex intakt, während dies nicht vorlag, bei denen, die die Störung entwickelten".

Weitere Analysen darüber, was eine Person mit einem genetischen Risiko für eine manische Depression unempfänglich macht, sind erforderlich, so dass es bald möglich sein könnte, Personen mit einer bipolaren Störung in der Familie über ihr individuelles Risiko aufzuklären.

"Ein genetisches Risiko für bipolare Störung zu haben, bedeutet nicht, dass die Entwicklung der Krankheit unvermeidlich ist", sagte Dr. Frangou. "Wir sind näher dran jetzt, das Risiko zu identifizieren, so dass die Leute besser über ihre Optinonen unterrichtet werden können. Unsere Forschung hilft uns, Prävention- und Behandlungsstrategien zu personalisieren".

© PSYLEX.de - Quelle: Journal of Experimental Social Psychology 2009

Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie

Mindfulness Therapie verbessert Symptome

Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (Mindfulness-based cognitive therapy - MBCT) kann Stimmung, emotionale Regulation, Wohlgefühl und Funktionen bei Personen mit bipolarer Störung verbessern nach einer in der Februarausgabe von CNS Neuroscience & Therapeutics herausgegebenen Studie.

Thilo Deckersbach, Ph.D. vom Massachusetts General Hospital in Boston, und Kollegen erforschten die Rolle von Mindfulness-basierter Therapie bei 12 Patienten mit bipolarer Störung. Bei den Teilnehmern wurde eine klinische Beurteilung des Ausgangsniveaus vorgenommen, dann nahmen sie an 12 Gruppen-Sitzungen mit MBCT teil. Die Teilnehmer wurden nach der Behandlung mit der mindfulness-basierten Therapie und nach drei Monaten nochmal untersucht.

Die Forscher stellten fest, dass die Teilnehmer eine verbesserte mindfulness (Achtsamkeit); weniger depressive Symptome; weniger Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit; eine gesteigerte Fähigkeit ihre Emotionen zu regulieren; eine Verbesserung des psychologischen Wohlgefühls, des positiven Affekts und der psychosozialen Funktionen am Ende der Therapiesitzungen und nach drei Monaten zeigten.

Die Ergebnisse dieser klinischen Studie legen nahe, dass es lohnend sein kann, weiter zu untersuchen, ob diese Version von MBCT bzw. der achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie bei bipolarer Störung eine Behandlungsoption für Patienten mit residualen Stimmungssymptomen werden und in das Behandlungsrepertoire bereits empirisch unterstützter Ansätze (z.B. Familientherapie, interpersonale und soziale Therapien und kognitiver Verhaltenstherapie) eingefügt werden kann, besonders bei Patienten mit einem chronischeren Verlauf der bipolaren Störung, schreiben die Autoren.
Quelle: CNS Neuroscience & Therapeutics, Februar 2012

Yoga bei bipolarer Störung: Nutzen und Risiken

24.09.2014 Momentan kann niemand sagen, ob Yoga einen klinischen Nutzen bei Menschen mit bipolarer Störung bringt, aber eine neue Umfrage berichtet über Erfahrungen, die Menschen damit gemacht haben.

"Es gibt keine wissenschaftliche Literatur über Hatha Yoga bei bipolarer Störung", sagt Autorin Lisa Uebelacker, Professorin für Psychiatrie und menschliches Verhalten an der Alpert Medical School der Brown University und Psychologin am Butler Hospital. Wir haben vor, Hatha Yoga als zusätzliche Behandlungsform bei einer Psychopharmakotherapie einzusetzen und zu untersuchen.

Die Umfrage

Positive Wirkungen

Die Mehrzahl der an der Online-Umfrage teilnehmenden 70 Personen mit bipolarer Störung sagten, dass Yoga ihnen geholfen hat. Auf die Frage: "Welche Auswirkung hat Yoga auf ihr Leben ?" antworteten die meisten positiv, und etwa 20% der Befragten charakterisierten Yoga als "das Leben verändernd". Einige sagten sogar, "Yoga hat mein Leben gerettet...ich wäre heute nicht mehr am Leben ohne Yoga".

Neunundzwanzig andere Befragte sagten, dass Yoga ihre Angst verringert, die Gelassenheit gefördert oder anderen emotionalen Nutzen gebracht hat. Ruhe/Gelassenheit tauchte auch als besondere Wirkung bei 23 Teilnehmern als Antwort auf die Frage auf: "Inwiefern Yoga die Maniesymptome beeinflusst". Weitere positive Auswirkungen, die erwähnt wurden, waren: Ablenkung von depressiven Gedanken und eine gesteigerte Klarheit der Gedanken.

"Es gibt eindeutig Belege dafür, dass Yoga für einige Menschen mit bipolarer Störung eine wirksame Übung zu sein scheint", schrieben die Forscher in Journal of Psychiatric Practice. "Einige der Befragten glaubten felsenfest, dass Yoga eine starke positive Wirkung auf ihr Leben hat."

Negative Wirkungen

Es gab jedoch auch Hinweise darauf, dass Yoga für einige Personen mit bipolarer Störung problematisch sein könnte, obwohl wenige über Probleme berichteten.

Auf die Frage, ob Yoga eine negative Auswirkung gehabt hätte, führten zum Beispiel fünf der Befragten an, sie hätten Agitation (Aufregung) durch schnelle bzw. 'energetische' Atmung festgestellt. Ein anderer fühlte sich nach einer langsamen, meditativen Übung zu relaxed: "Ich fiel in einen sehr entspannten Zustand...fast katatonisch, da mein Geist schon depressiv war. Ich war hinterher für drei Tage im Bett."

Und die 'normalen' Probleme, wenn man Hatha Yoga praktiziert, tauchten auch auf: 11 Befragte warnten, dass man sich körperlich verletzen könne. Weitere vier sagten, dass sie manchmal unzufrieden mit ihrer eigenen Yoga-Performance waren.

Wenn bestimmte Medikamente zur Behandlung der bipolaren Störung eingenommen werden - wie z.B. Lithium oder Antipsychotika - (die mit einer Wärmeintoleranz verbunden sind), dann kann bei Yoga das Gefühl entstehen, körperlich krank zu sein.

© PSYLEX.de - Quelle: Journal of Psychiatric Practice / Brown University, September 2014

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