Bipolare Störung: Stimmungsschwankungen

Psychische Störungen - Affektive Störungen

Bipolare Stimmungsänderungen beeinflussbar

Laut einer neuen Studie scheint es möglich, zukünftige Stimmungsschwankungen bei Menschen mit bipolarer Störung durch Überwachung ihrer Gedanken und ihres Verhaltens vorherzusagen.

Bipolare Menschen leiden unter extremen Stimmungsschwankungen, die sich von Momenten emotionaler Hochs und Euphorie zu tiefer Depression wandeln können. In der neuen Studie folgten Forscher der Universitäten von Manchester und Lancaster im Vereinigten Königreich 50 bipolaren Patienten für einen Monat, untersuchten, wie sie dachten und handelten.

"Personen, die extreme Dinge über ihre Stimmungen glaubten - z.B. dass ihre Stimmungen völlig ihrer eigenen Kontrolle entzogen wären oder dass sie sich die ganze Zeit beschäftigt halten müssten, um einen Ausfall verhindern zu können - entwickelten mehr Stimmungsprobleme während eines Monats", sagte Hauptautor Warren Mansell von der University of Manchester's School of Psychological Sciences in einer Universitätspressemitteilung.

"Dagegen ging es Personen mit bipolarer Störung, die ihre Stimmungen als eine normale Reaktion auf Stress vorbeigehen lassen oder wussten, dass sie ihre Stimmung unter Kontrolle halten konnten, einen Monat später gut", fügte er hinzu.

"Diese Befunde sind für die Psychotherapie - wie Kognitive Verhaltenstherapie - ermutigend, die das Ziel haben den Patienten zu helfen, indem sie über deren Stimmungen reden und ihr Denken ändern bezüglich deren Stimmungsschwankungen", sagte Mansell.

Die Studienbefunde sind in der aktuellen Ausgabe der American Psychological Association Zeitschrift Psychological Assessment erschienen.

Die Forscher beabsichtigen, eine Form kognitiver Verhaltenstherapie, genannt TEAMS -- Think Effectively About Mood Swings, in einer zukünftigen Studie mit bipolaren Patienten zu testen.

Quelle: American Psychological Association, Mai 2011

Studie - Erstellt am 20.05.2014

Smartphone-App erkennt frühzeitig Stimmungswechsel

Eine neue Smartphone-App ist in der Lage, bipolare Patienten und ihre Ärzte/Therapeuten frühzeitig zu warnen, bevor die Stimmung umschlägt, laut einem Bericht der Universität von Michigan.
Das Programm könnte auch Patienten mit anderen psychischen Erkrankungen helfen.

Die App, die die subtilen Qualitäten der Stimme des Benutzers während der täglichen Telefongespräche überwacht, zeigt sich vielsprechend, bei der Wahrnehmung früher Warnzeichen von Stimmungsänderungen bzw. Schwankungen. Weitere Tests sind allerdings noch nötig, bevor die App öffentlich zugänglich gemacht wird, aber die frühen Resultate zeigen ein starkes Potential, die Stimmungen der Patienten zu überwachen; auch die Privatsphäre des Anwenders bleibt geschützt.

PRIORI

Die Forscher nennen die App PRIORI, weil sie hoffen, dass sie einen biologischen Marker für diejenigen anbietet, die am dringendsten Hilfe und Unterstützung brauchen, besonders in Regionen mit wenigen psychologischen Gesundheitsdiensten.

PRIORI überwacht automatisch das Stimmmuster der Patienten bei allen Anrufen, einschließlich jener zwischen dem Patienten und Angehörigen der Gesundheitsberufe. Das Computerprogramm analysiert viele Merkmale der Geräusche und Ruhepausen während der Anrufe.

Nur die Patienten-Seite der täglichen Telefongespräche wird aufgezeichnet; sie wird verschlüsselt und bleibt für die Forscher tabu. Sie sehen sich nur die Ergebnisse der Analyse an, die auf sicheren Servern gespeichert sind und geltende Gesetze zur Privatsphäre einhalten.

"Dies ist ungemein aufregend; nicht nur wegen der technischen Leistung, sondern auch als Illustration dessen, was die Verbindung von psychologischer Forschung, heutiger Technik und innovativer Forschungsmittel möglich machen kann", sagte der Psychiater und Spezialist für Bipolare Störung Melvin McInnis.

"Die Möglichkeit Stimmungsschwankungen in einem ausreichenden Zeitfenster vorherzusagen, wäre ein enorm wertvoller Biomarker für die Bipolare Störung."

Auch bei anderen Erkrankungen einsetzbar

Da andere psychische Störungen ebenfalls Veränderungen in der Stimme einer Person verursachen können, wäre es sinnvoll, die Technik so zu entwickeln, dass sie auch bei Parkinson Krankheit, Schizophrenie und Posttraumatische Belastungsstörung eingesetzt werden kann, fügten die Forscher hinzu.

Die Studie wurde gesponsert vom National Institute of Mental Health der USA

© PSYLEX.de - Quelle: University of Michigan, Mai 2014

Bei Frauen: Schlechter Schlaf und Stimmungsschwankungen verstärken sich gegenseitig

Bipolare Störung bei Frauen: Schlechter Schlaf und Stimmungsschwankungen verstärken sich gegenseitig.
Schlafprobleme scheinen die bipolare Störung zu verschlimmern, schreiben Wissenschaftler der Pennsylvania State University in einem in der Zeitschrift Journal of Affective Disorders veröffentlichten Forschungsbericht.

Schlechte Schlafqualität

Vorherige Forschungsarbeiten konnten bereits zeigen, dass eine schlechte Schlafqualität ein Symptom für depressive und manische Episoden ist, und dass ein Mangel an Schlaf Manien auslösen kann.

Patienten mit bipolarer Störung leiden oft unter einer schlechten Schlafqualität, selbst wenn viele ihrer anderen Symptome gut kontrolliert werden, sagt Dr. Erika Saunders vom Fachbereich für Psychiatrie. Wenn man ihren Schlaf erholsamer machte, könnten sich nicht nur Lebensqualität, sondern auch Stimmungschwankungen verbessern.

Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Doch Frauen und Männer schlafen unterschiedlich, erklärt Saunders. "Wir wissen aus Studien mit der Allgemeinbevölkerung, dass Frauen eine andere Schlafarchitektur als Männer und andere Risiken für Schlafstörungen haben, vor allem während der reproduktiven Jahre."

Auch erleben Frauen und Männer ihre bipolare Störung anders. Frauen haben oft anhaltendere und mehr depressive Symptome, sowie eine Reihe anderen Begleitbedingungen wie Angst, Essstörungen und Migräneschmerzen. Männer neigen eher zu kürzeren Episoden und längeren Phasen zwischen den Episoden.

Aufgrund dieser Faktoren, dachten wir, könnten die Auswirkungen der Schlafqualität auf die Stimmung für Männer mit bipolarer Störung andere sein als für Frauen mit dieser Störung, sagte Saunders.

Auswirkungen der Schlafqualität auf die Stimmung

Für die Studie analysierten die Forscher die Daten von 216 Menschen. Sie sahen sich die Auswirkungen der Schlafqualität auf die Stimmung über den Studienverlauf von zwei Jahren an. Sie erfassten die Stimmung durch Messung von Schweregrad, Häufigkeit und Variabilität (wie groß die Schwankungen bei den Symptomen waren) der depressiven und manischen Symptome.

Sie stellten fest, dass schlechter Schlaf einen größeren Einfluss auf bipolare Frauen als auf Männer mit dieser Erkrankung hatten. Bei Frauen zog eine schlechte Schlafqualität schwerere und häufigere depressive Phasen sowie schwerere manische Phasen mit größeren Schwankungen mit sich.

Bei den Männern waren Depressionsausprägung zu Beginn und die Persönlichkeitseigenschaft Neurotizismus stärkere Vorhersagevariablen für die Stimmung als die Schlafqualität.

Erklärungsversuche

Möglicherweise erklärt eine Tierstudie diese Zusammenhänge, sagt Saunders. Die Fortpflanzungshormone wirken auf das zyklische Rhythmus-System - ein biologisches System, das unseren Schlafbedarf beeinflusst. Es könnte sein, dass die Reproduktionshormone biologische Auswirkungen auf den Schlaf bei Frauen haben und deshalb auch stärker die Stimmung beeinflussen.

Oder, es könnte mehr mit der Art des Schlafes von Frauen zu tun haben. Um das besser zu verstehen, brauchen wir weitere Studien, sagte sie.

Es ist also sehr wichtig, dass Ärzte und Patienten mit bipolarer Störung erkennen, wie wichtig es ist, einen schlechten Schlaf bzw. Schlafstörungen - vor allem bei Frauen - zu behandeln.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Pennsylvania State University, Journal of Affective Disorders; Juni 2015

Schlafverlust als Auslöser für Stimmungswechsel bzw. Rückfall

09.11.2017 Schlafmangel kann einen Rückfall auslösen - vor allem in Form einer Manie - bei Menschen mit Bipolarer Störung laut einer im Fachblatt The British Journal of Psychiatry veröffentlichten Studie der Cardiff Universität.

Wenn man weiß, welche Faktoren die Beziehung zwischen Schlaf und Stimmungsschwankungen beeinflussen, kann man besser vorhersagen, welche Personen nach Phasen des Schlafentzuges am ehesten rückfällig werden, z. B. aufgrund von Fernreisen oder Schichtarbeit, schreiben die Wissenschaftler.

Studienautorin Katie Lewis und Kollegen fanden bei der Befragung von 3.140 Personen mit Bipolarer affektiver Störung (BAS) heraus: 20% der Befragten berichteten, dass ein Schlafverlust manische oder hypomanische Episoden ausgelöst habe, während 12% berichteten, dass Schlafmangel depressive Episoden ausgelöst habe.

Die Tendenz zu einer Hochstimmung bei Schlafverlust konnte eher bei Frauen und Menschen mit Bipolarer Störung Typ I festgestellt werden.

Es ist unklar, warum manche Menschen nach Schlafentzug depressiv und andere manisch werden, schreiben die Forscher.

Es ist möglich, dass andere Auslöser im Zusammenhang mit Schlafentzug und Rückfall eine Rolle spielen - wie genetische Anfälligkeit, Stress oder aufregende Ereignisse im Leben, Medikamente oder zwischenmenschliche Konflikte.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Cardiff Universität; The British Journal of Psychiatry - DOI: 10.1192/bjp.bp.117.202259; Okt. 2017

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