Borderline-Störung und Kindheitstrauma

News aus der Forschung zur Bedeutung von in der Kindheit ausgelösten Psychotraumata für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Die Rolle von Kindheitstraumata bei chronischen Depressionen und Borderline-Persönlichkeitsstörung

09.03.2018 Eine innovative Studie von Eva-Lotta Brakemeier von der Philipps Universität Marburg und Kollegen wirft ein neues Licht auf die Rolle von traumatischen Kindheitserfahrungen - wie Kindesmissbrauch / Kindesmisshandlungen - bei chronischer Depression und Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS).

Misshandlungen im Kindesalter

Zahlreiche Studien berichten, dass Misshandlungen im Kindesalter einen Risikofaktor für psychische Störungen darstellen, einschließlich schweren depressiven und Borderline-Störungen. Allerdings sind Studien, die das Auftreten von Kindheitstraumata bei psychischen Erkrankungen untersuchen und Unterschiede im Schweregrad vergleichen, selten, schreiben die Studienautoren.

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Bild: Ulrike Mai

Diese Studie verglich 501 Patientinnen im Alter zwischen 18 und 65 mit Borderline-Störung (299), chronischer Depression (99), episodischer Depression (58) und gesunde Kontrollen (45).

Häufigeres Vorkommen von Kindesmissbrauch

Die Ergebnisse zeigen, dass alle Patientengruppen über mehr Kindheitstraumata wie Kindesmissbrauch im Vergleich zu gesunden Personen berichteten.

Patientinnen mit Borderline berichteten über eine höhere Rate von Misshandlungen im Kindesalter im Vergleich zu beiden depressiven Patientengruppen.

92 % der Borderliner betroffen

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Berücksichtigung des Kindheitstraumas in Form von Kindesmissbrauch bei Borderline-Störungen, über die 91,6 Prozent der Patientinnen berichteten. Bei den chronisch depressiven waren es 68,9 %, bei den episodisch depressiven 62,5 % und bei den gesunden Kontrollpatientinnen 17,7 %, die über Misshandlungen in der Kindheit berichteten.

Dies ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass mehrere Studien Kindesmisshandlung als einen einflussreichen Umweltfaktor bei der Entstehung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen idendifiziert haben, schließen die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Philipps Universität Marburg; Psychother Psychosom 2018;87:49-51 - https://doi.org/10.1159/000484481

Borderline-Störung hat eine besonders starke Verbindung mit Kindheitstraumata

19.11.2019 Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung genannt) berichten sehr viel häufiger über ein erlebtes Kindheitstrauma als Menschen ohne psychische Störungen laut einer in Acta Psychiatrica Scandinavia veröffentlichten Studie.

Die Analyse der Daten aus 42 internationalen Studien mit über 5.000 Menschen zeigt, dass 71,1 Prozent der Menschen, bei denen diese schwere psychische Erkrankung diagnostiziert wurde, mindestens über eine traumatische Kindheitserfahrung berichteten.

In der neuesten von einer Reihe von Meta-Analysen des Teams über die Auswirkungen von Kindheitstraumata auf die psychische Gesundheit von Erwachsenen zeigen sie, dass Psychotraumata sehr viel stärker mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) in Verbindung steht als mit Stimmungsstörungen (z.B. Depressionen), Psychosen und andere Persönlichkeitsstörungen.

Berichtete Psychotraumata

Die häufigste Formen der negativen Erfahrungen in der Kindheit, über die von Menschen mit BPS berichtet wurden, war

Die Ergebnisse waren signifikant bei allen erlebten Traumata mit emotionalem Missbrauch (OR: 38,11; 95% CI: 25.99-55.88) und Vernachlässigung (OR: 17,73; 95% CI = 13.01-24.17), die die größten Auswirkungen zeigten.

Personen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung berichteten insgesamt über alle Subgruppen hinweg 3,15 (95% CI 2,62-3,79) mal häufiger als andere psychiatrische Gruppen über größere in der Kindheit erlebte Probleme.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Acta Psychiatrica Scandinavica (2019). DOI: 10.1111/acps.13118

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