Depression und Stress

Psychische Krankheiten - depressive Störungen

Depressiv, weil allergisch gegen Stress

17.10.2012 Neue Forschungsergebnisse vom Mount Sinai Medical Center, New York, behaupten, dass extreme Empfindlichkeit in Bezug auf Stress, die Anfälligkeit gegenüber Depression erhöhen kann - zumindest bei Mäusen.

Zuviel Interleukin-6 macht depressiv

Mäuse, deren Immunsysteme auf Stress reagieren, indem sie zuviel Interleukin-6 (reguliert die Entzündungsreaktion des Organismus) produzieren, wurden wahrscheinlicher depressiv.

Normalerweise wird Interleukin-6 von weißen Blutzellen als Reaktion auf Verletzungen freigegeben. Die Komponente zeigt sich auch in erhöhten Mengen bei Menschen mit behandlungsresistenter Depression.

Die Forschung wurde von Georgia Hodes, PhD, vom Fachbereich der Neurobiologie am Mount Sinai durchgeführt.

Stress als Allergen

Interleukin-6
Kristall Struktur von Interleukin-6

Hodes bemerkt, dass man sich Stress als Allergen (wie Haustier Hautschuppen) denken kann, wobei ein überreaktives Immunsystem, eine Person wahrscheinlicher für Depressionen anfällig macht.

Die Forscher fanden keinen Beleg für die Produktion von Interleukin-6 in den untersuchten Gehirnbereichen, was sie annehmen läßt, dass es im peripheren Immunsystem freigegeben wird.

Also transplantierte das Sinai Team das Knochenmark von depressiven Mäusen in gesunde Mäuse und stellte fest, dass diese zuvor gesunden Mäuse nun Zeichen von Depression zeigten, nachdem sie leicht gestresst wurden.

Sie stellten auch fest, dass Mäuse mit Immun-Zellen, die mehr Interleukin-6 als Reaktion auf ein Toxin freigaben, schwerwiegendere depressive Reaktionen auf den Stress entwickelten.

Zytosinbasierte Antikörper gegen Depressionen

"Diese Studie zeigt, dass zytosinbasierte Antikörper-Therapie, die für die Behandlung von Entzündungskrankheiten wie rheumatische Arthritis und Castleman Krankheit bei Menschen gegenwärtig genehmigt ist, Potential für die Behandlung von Depressionen hat".

"Es scheint wie eine Analogie zu einer Allergie zu sein", sagte Dr. Hodes einer Nachrichtenorganisation.

"Sie haben etwas, das nicht wirklich gefährlich ist, aber Ihr Körper denkt, dass es das ist, so dass diese massive Immunreaktion ausgelöst wird. In diesem Fall ist der Stressor das, wofür diese massive Immunreaktion ist".
Manche der Medikamente, die bei der Studie verwendet wurden, um diese Immunreaktion zu dämpfen, sind schon auf dem Markt. Sie werden bei rheumatischer Arthritis bei Menschen eingesetzt, sagte Hodes.

Die Forscher arbeiten jetzt mit Mäusen, die genetisch verändert worden sind, damit sie nicht mehr IL-6 produzieren können, um zu untersuchen, ob diese Tiere als Knochenmarksspender benutzt werden können, um Stressanfällige Mäuse zu heilen.

Stressgebundene Depression verursacht Zellschäden

27.04.2015 Forscher der University of Oxford haben entdeckt, dass klinische Depression mit Stoffwechsel- und Zellveränderungen verbunden ist.

"Wir haben einen unerwarteten Zusammenhang zwischen zellulärer Energetik und klinischer Depression entdeckt", sagte Professor Jonathan Flint.

Flint und seine Kollegen entdeckten diese Verbindung zufällig, als sie nach Genen suchten, die das Risiko für Major Depression erhöhen. Dazu analysierten sie die DNS (Träger des Erbgutes) von Frauen mit wiederauftretender klinischer Depression, von denen viele über Kindheitsmissbrauch berichteten.

Mehr mitochondriale DNS

Die Forscher bemerkten etwas ungewöhnliches in deren DNS. Die DNS von Frauen mit stressgebundener Depression enthielten mehr mitochondriale DNS als andere Proben (Mitochondrien sind u.a. für die Energieproduktion in den Zellen verantwortlich und haben ein eigenes Genom - das sogenannte Chondriom).

symptome
Bild: George Hodan (pixabay/PublicDomainPictures)

"Dieser Unterschied bei der mitochondrialen DNS überraschte uns so sehr, dass wir erst dachten wir hätten einen Fehler gemacht", sagte Flint in Current Biology.

Die neue Entdeckung veranlasste Flint und sein Team ein anderes molekulares mit Depression verbundenes Phänomen aus einer früheren Studie zu prüfen.

Verkürzung der Telomere

Telomere - sich an den Enden der Chromosomen befindliche, sich wiederholende DNS-Sequenzen - verkürzen sich mit jeder Zellteilung (und deshalb mit dem Alter). Veränderungen des Stoffwechsels können die Alterungsrate ändern. Die Forscher fragten sich also, ob sie auch eine Veränderung bei der Erosion der Telomere entdecken könnten. Und tatsächlich gibt es eine Veränderung: Die Telomere verkürzten sich schneller bei klinischer Depression.

Deshalb führte Flints Team ein Experiment mit Labormäusen durch, die vier Wochen unter Stress gesetzt wurden. Es zeigte sich, dass der Stress nicht nur beide molekulare Veränderungen verursachte, sondern dass die Änderungen teils rückgängig und durch die Verabreichung des Stresshormons Corticosteron ausgelöst werden können.

Versuch mit starken Umgebungsstress fertigzuwerden

Flint sagt, dass die beobachteten molekularen Veränderungen eine Weise des Körpers reflektieren könnten, mit der er versucht, mit starken Umweltstressoren zurechtzukommen. Wenn unser Gehirn eine Bedrohung wahrnimmt - z. B. Lebensmittelknappheit oder Missbrauch - könnte es eine Reihe schützender Stoffwechselveränderungen einleiten.

"Depression könnte dann in einem gewissen Sinn als eine Stoffwechselreaktion auf wahrgenommenen Stress betrachtet werden", sagt Flint.

Die Forscher hoffen auch, dass die molekularen Veränderungen als Biomarker von Stress und seine Folgen dienen können. Es ist zum Beispiel möglich, dass ein Rückgang der mitochondrialen DNS bei der Therapie als ein Zeichen für den Behandlungserfolg gesehen werden könnte.

Weitere Forschungsarbeit ist nötig, sagt Flint. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie sich die molekularen Marker im Laufe der Zeit - vor, während und nach einer depressiven Erkrankung ändern. Diese Informationen werden einiges über ihre klinische Verwendbarkeit sagen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Oxford, Current Biology; April 2015

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