Gedächtnisprobleme und Erinnerungslücken bei Depression

Depressionsfolgen

Wie Depressionen Erinnerungen verwischen

10.10.2013 Forscher der Brigham Young University versuchen zu klären, warum Depression mit Gedächtnisproblemen bzw. Erinnerungsverlusten, -lücken verbunden ist.

Gedächtnisprobleme

Die Wissenschaftler verwendeten in ihrer Studie den Ansatz der "Muster-Separation" und fanden heraus, dass Depressionen die Fähigkeit einschränken, (sich) ähnelnde Dinge zu unterscheiden.

Die Forscher stellten fest, dass diese Fähigkeit bei Erwachsenen im Verhältnis zum Schweregrad ihrer Depressionssymptome allmählich schwindet. Je depressiver man ist, desto schwerer wird es, zwischen ähnlichen Erfahrungen, die man hatte, zu unterscheiden.

Wenn Sie jemals vergessen haben, wo Sie Ihr Auto geparkt haben, kennen Sie das Gefühl (obwohl es nicht bedeutet, dass Sie eine Depression haben).

"Das ist wirklich der neue Aspekt in dieser Studie: wir haben uns einen sehr spezifischen Aspekt des Gedächtnisses angesehen", sagte Dr. Brock Kirwan, Psychologie- und Neurobiologieprofessor an der BYU.

Depression ist generell mit Gedächtnisproblemen verbunden. Um herauszufinden, warum dies so ist, ließ das Forscherteam die Teilnehmer einen computergestützten Gedächtnistest durchführen.

Ähnliche Objekte unterscheiden

Die Teilnehmer betrachteten eine Serie von Objekten auf dem Monitor. Bei jedem Objekt sollten sie angeben,

Bei alten und neuen Dingen schnitten die Teilnehmer mit Depression gleich gut ab. Sie machten jedoch viele Fehler bei Objekten, die anderen Dingen, die sie zuvor gesehen hatten, ähnlich waren. Die häufigste falsche Antwort war, dass sie das Objekt schon einmal gesehen hatten.

Keine Amnesie; doch kein Abruf der Details

"Sie haben keine Amnesie", sagte Kirwan. "Sie erinnern sich nur nicht an die Details."

Dies kann ein Problem in vielen alltäglichen Situationen sein, wie: sich daran zu erinnern, welchen Freunden und Familienmitgliedern man etwas Persönliches mitgeteilt hat und wem noch nicht.

Diese Befunde geben auch einen Hinweis darauf, was im Gehirn geschieht, das dies erklären könnte.

"Es gibt zwei Bereiche im Gehirn, wo neue Gehirnzellen wachsen", sagte Kirwan. "Einer ist der Hippocampus, welcher mit dem Gedächtnis verbunden ist. Es zeigte sich, dass dieses Wachstum bei einer Depression vermindert ist."

Aufgrund dieser Studie wissen wir etwas mehr über die Funktionen dieser neuen Zellen im Gehirn: sie helfen uns, neue Erfahrungen wahrzunehmen und uns an sie zu erinnern.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Brigham Young University, Okt. 2013

Depressive Gedanken verschlechtern Gedächtnis

Menschen in einer depressiven Stimmung haben oftmals Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten im Alltagsleben, was ihre Arbeitsleistung und persönlichen Beziehungen beeinflussen kann.

Reproduktion der kognitiven Probleme

Während viele Depressive über diese kognitiven Probleme berichten, konnten vorherige Studien dieses Phänomen nicht in einem Laborsetting nachvollziehen.

Forscher der University of Texas sind nun die ersten, die diese Gedächtnisdefizite bei Personen in depressiver Stimmung belegen konnten. Die Befunde können Auswirkungen darauf haben, wie kognitive Defizite bei Depressionen diagnostiziert und behandelt werden könnten.

Reduktion des Arbeitsgedächtnisses bei depressiven Gedankengängen

In der Studie zeigten Personen in deprimierter Stimmung eine 12%ige Reduktion des Arbeitsgedächtnisses im Vergleich zu nicht-deprimierten Teilnehmern, wenn depressive Gedanken präsent waren. Aber wenn sie nicht in depressive Gedankengänge involviert waren, war ihr Gedächtnis genausogut.

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Bild: pixabay

Die Ergebnisse legen nahe, dass Personen mit und ohne depressive Stimmung im Allgemeinen eine ähnliche Fähigkeit haben, sich aktiv an Informationen zu erinnern. Jedoch, wenn depressive Gedanken auftauchen, sind Menschen in deprimierter Stimmung außerstande, ihre Aufmerksamkeit von dieser Information abzuziehen, was zu Gedächtnisdefiziten führt, erklärte Autor Nicholas Hubbard vom Center for BrainHealth in der Zeitschrift Cognition and Emotion.

Interferenzphänomen

Depression ist ein Interferenzphänomen. Grübeln und negative Gedankenschleifen mischen sich in die Denkfähigkeit einer Person ein. Die Wissenschaftler nehmen an: Wenn depressive Menschen durch ein bedeutungshaltiges Lied oder einen Platz stimuliert werden, die traurige Gefühle hervorrufen, sich das Gehirn darauf fixiert. Dadurch können Alltagstätigkeiten wie ein Telefongespräch oder das Abarbeiten einer Einkaufsliste gestört werden.

Sie sagten weiter: In einer traditionellen Laboreinrichtung werden externe Hinweise, die depressive Gedanken herbeiführen und sich deshalb in die kognitive Leistung einmischen, entfernt.

In ihrer Studie fanden sie einen Weg, diese zu integrieren und ihre Wirkungen auf das Gedächtnis zu beobachten.

In der Studie beantworteten 157 Teilnehmer ein rechnergestütztes Depressionsinventar, welches die selbstberichteten Depressionssymptome der letzten zwei Wochen maß. 60 Teilnehmer waren in einer depressiven Stimmung, 97 nicht.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Texas, Cognition and Emotion; Jan. 2015

Wie deprimierende Gedanken das Gedächtnis bei niedergedrückter Stimung stören

und warum positivere Gedanken bei Depressiven oft fehlen

29.11.2015 Intrusive, anhaltende depressive Gedanken sind ein ständig gegenwärtiger Bestandteil des täglichen Lebens depressiver Menschen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass diese bei Depressiven über lange Zeit anhaltenden Gedanken das Gedächtnis der Betroffenen stören können.

"Menschen mit Depression oder auch gesunde Menschen mit einer depressiven Stimmung können von depressiven Gedanken betroffen sein", erklärt Studienautor Bart Rypma, The University of Texas. Bei Menschen mit Depression halten negative Gedanken normalerweise länger an. Jedoch zeigt diese Studie als erste, dass diese durch Stimuli aus der Umgebung getriggerten Gedanken bis zu dem Punkt bestehen bleiben können, wo sie die Fähigkeit eines Depressiven behindern, Gedankengänge aufrechtzuerhalten.

Das Experiment

75 Universitätsstudenten machten bei der Studie mit; dreißig hatten depressive Symptome und 45 Teilnehmer waren ohne Depressionssymptome. Alle Teilnehmer lasen Sätze, die depressive Gedanken zum Ausdruck brachten, wie 'Ich bin traurig' oder 'Menschen mögen mich nicht', oder die neutrale Informationen enthielten. Sie sollten sich dann Zahlen merken.

Die Befunde

Personen mit depressiver Stimmung vergaßen mehr Zahlen als Teilnehmer ohne niedergedrückte Stimmung, wenn sie einen Satz mit negativen Informationen lasen.

Teilnehmer in depressiver Stimmung, denen der depressive Gedanke zuerst präsentiert wurde, erinnerten sich an 31% weniger Zahlen verglichen mit den nicht niedergeschlagenen Teilnehmern und denjenigen, denen die Zahlenreihe zuerst präsentiert wurde.

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Bild: Gerd Altmann

Die Tatsache, dass depressive Gedanken nicht wegzugehen scheinen, sobald sie im Gedächtnis sind, erklärt warum depressive Personen Probleme in ihrem Alltagsleben haben, sich auf Dinge zu konzentrieren oder sich zu erinnern.

Warum positive Gedanken keine Chance haben

Diese Inanspruchnahme des Gedächtnisses durch depressive Gedanken könnte auch erklären, warum positivere Gedanken oft bei einer Depression nicht vorhanden sind: Es ist einfach nicht genug Platz für sie, sagte Rypma in der Zeitschrift Journal of Affective Disorders.

Diese stärkere Zuweisung der Gedächtnisressourcen für die depressiven Gedanken haben eine verschlechterte Fähigkeit zur Folge, positive Gedanken im Gedächtnis zu halten. Dies kann erklären, wie sich Depression entwickeln und im Laufe des Lebens festsetzen kann.

Interventionen wie achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie können depressiven Menschen sehr erfolgreich helfen, den Inhalt ihrer Gedanken wahrzunehmen und besser zu kontrollieren, sagte Dr. Rypma.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: The University of Texas, Journal of Affective Disorders; Nov. 2015

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