Depression
Geschlecht, Geschlechterunterschiede

Psychische Krankheiten

Ist die finanzielle Benachteiligung im Job schuld daran, dass Frauen eher unter Depression und Angststörungen leiden als Männer?

05.01.2016 Die Wahrscheinlichkeit für eine klinische depressive Störung oder eine generalisierte Angststörung ist für Frauen deutlich höher als für ihre männlichen Gegenstücke, wenn sie auf Ausbildung und Erfahrung abgestimmt werden laut einer Studie der Columbia University.

Erhöhtes Depressionsrisiko

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau mit Depression diagnostiziert wird, ist fast doppelt so hoch wie bei einem Mann. Dieses Ungleichgewicht sieht völlig anders aus, wenn die Gehaltsunterschiede der Geschlechter mit in die Rechnung einbezogen werden: Frauen, deren Einkommen niedriger war als das ihrer männlichen Gegenstücke, hatten ein fast 2,5-fach höheres Depressionsrisiko im Vergleich zu den Männern.

Frauen jedoch, deren Einkommen dem ihrer männlichen Kollegen entsprach oder überstieg, hatten genau das gleiche Risiko wie ihre männlichen Pendants.

Generalisierte Angststörung

Die Ergebnisse waren für die generalisierte Angststörung ähnlich. Insgesamt war die Wahrscheinlichkeit für eine Angststörung (im letzten Jahr) mehr als 2,5mal höher als bei den Männern.

War das Einkommen der Frau niedriger, stieg ihr Risiko für diese Angststörung auf über 400%. Hatten die Frauen ein ähnlich hohes oder höheres Einkommen, sank die Gefahr für eine Angststörung immens.

Die Daten basieren auf einer repräsentativen Probe von 22.581 arbeitenden Personen in den USA im Alter zwischen 30 und 65. (Anm.: Auch in Deutschland gibt es große Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Unterschiede hier gehören zu den größten in Europa: Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts sind die durchschnittlichen Stundenlöhne der Frauen um 22% niedriger als die der Männer).

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Bild: Gerd Altmann

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein Teil der Geschlechterunterschiede bei Depression und Angst durch die Auswirkungen struktureller Geschlechterungleichheit im Job und darüber hinaus erklärt werden kann", sagte Studienautor Jonathan Platt.

Psychosoziale Ursachen

Die sozialen Prozesse, die Frauen bestimmte Aufgaben zuweisen, sie weniger verdienen lassen als ihre äquivalenten männlichen Pendants, und Genderdifferenzen bei der häuslichen Arbeit erzeugen, haben materielle und psychosoziale Folgen, sagte er in der Zeitschrift Social Science & Medicine.

Wenn Frauen diese negativen Erfahrungen eher als Reflexion einer minderwertigen Leistung und nicht als das Resultat einer Diskriminierung verinnerlichen, besteht ein erhöhtes Risiko für Depression und Angststörungen, sagte Platt.

Koautorin Katherine Keyes sagte dazu, dass man weithin der Auffassung wäre, die Geschlechterdifferenzen bei Depression und Angststörungen seien biologisch verwurzelt. Doch diese Befunde betonen, dass die Unterschiede stärker gesellschaftlich verankert sind, als man zuvor angenommen hat.

"Die Genderunterschiede bei den psychiatrischen Störungen sind also beeinflussbar und entstehen durch unfaire Behandlung."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Columbia University, Social Science & Medicine; Jan. 2016

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