Depression: Rückfallprophylaxe

Psychische Krankheiten - Depressive Störungen

Rückfallprävention: Achtsamkeitstherapie ähnlich wirksam wie Antidepressiva

22.04.2015 Englische Forscher konnten zeigen, dass Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie ebenso viel Schutz vor einem Rückfall in eine Depression bietet wie Antidepressiva.

Rückfälle

"Depression ist eine wieder auftretende Störung. Ohne weiterführende Behandlungen würden etwa vier von fünf Menschen mit Depression einen Rückfall erleben", sagte Studienautor Dr. Willem Kuyken von der Universität Oxford.

Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie

Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (Mindfulness Based Cognitive Therapy - MBCT) kann Menschen mit wieder auftretenden Depressionen beibringen, ihre Gedanken und Gefühle, die mit einem Rückfall in eine Depression verbunden sind, zu erkennen und konstruktiv zu reagieren. Dadurch kann eine Abwärtsspirale in die Depression verhindert werden.

Gegenwärtig ist die Verabreichung von Antidepressiva die am häufigsten eingesetzte Behandlungsform zur Rückfall-Prävention. Sie verringern die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls oder erneuten Auftretens um bis zu zwei Drittel, wenn sie richtig eingenommen werden, sagte Koautor Dr. Richard Byng von der Plymouth University in der Zeitschrift The Lancet.

Achtsamkeitsmeditation
Bild: Gerd Altmann (pixabay)

Es gibt jedoch viele Menschen, die die Antidepressiva nicht mehr nehmen wollen oder können (z. B. wegen der Nebenwirkungen).

Die Behandlung

In der Studie erhielten 424 Erwachsene mit wiederkehrender klinischer Depression entweder MBCT zur Rückfallprophylaxe oder blieben weiter auf ihrem Medikament (jeweils die Hälfte). Die Teilnehmer hatten zuvor alle Antidepressiva erhalten.

Die MBCT-Teilnehmer besuchten acht 2-¼-stündige Gruppensitzungen und es wurden ihnen tägliche Hausaufgaben mitgegeben. Sie nahmen an geleiteten Achtsamkeitspraktiken, Gruppendiskussionen und weiteren kognitiven Verhaltensübungen teil.

Danach konnten sie an vier weiteren Gruppensitzungen (über 12 Monate) teilnehmen. Teilnehmer der Antidepressiva-Gruppe fuhren einfach fort, ihre Medikamente für zwei Jahre zu nehmen.

Ähnliche Rückfallraten

Die Rückfallraten in beiden Gruppen waren im Laufe der zwei Jahre ähnlich (44 Prozent in der MBCT-Gruppe vs. 47 Prozent in der Antidepressiva-Gruppe).

Die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie war in Form der Gruppensitzungen relativ kostengünstig, verglichen mit individuellen Therapien. In Bezug auf sämtliche Gesundheits- und sozialen Kosten gab es keinen großen Unterschied zwischen den beiden Behandlungsformen, sagte Koautorin Dr. Sarah Byford vom Institut für Psychiatrie, Psychologie & Neurobiologie des King's College London.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Oxford, Plymouth University, King's College London, The Lancet Psychiatry; April 2015

Risiko für Rückfall sinkt, wenn Symptome komplett abklingen

29.10.2015 Die traditionelle ärztliche Annahme ist: Hatte jemand eine depressive Episode, dann erhöht sich das Risiko stark für eine weitere.

Neue Definition des Endes einer Episode?

Eine neue Forschungsstudie legt nun nahe, dass dies nicht immer der Fall ist. Die Forscher entdeckten, dass das Risiko für das erneute Auftreten einer Depression deutlich geringer ist für Personen mit vollständigem statt teilweisem Abklingen der Symptome.

depressiver mann
Bild: Gerd Altmann

Die Forscher von der University of California glauben, dass ihre Befunde zu einer neuen klinischen Definition dessen führen sollten, was das Ende einer depressiven Episode in Bezug auf Symptome und Dauer darstellt.

Die Studienautoren Lewis L. Judd und Mary Gilman Marston weisen auch daraufhin, dass es Veränderungen bei der Behandlung geben sollte.

Judd sagte: Der gegenwärtige klinische Konsens definiert das Ende einer klinisch-depressiven Episode als acht aufeinander folgende Wochen mit "nicht mehr als minimalen" Restsymptomen. Die Definition umfasst zwei deutliche Grade der Symptomfreiheit:

  1. "asymptomatische Erholung" (ohne depressive Symptome) und
  2. "Residualsymptomatik" einer klinisch-depressiven Episode (mit einigen weitervorhandenden leichten Symptomen).

In ihrer Studie verglichen die Forscher diese beiden Stufen zeitlich auf zukünftige depressive Episoden und andere wichtige klinische Ergebnisse.

Nach Symptomfreiheit: viel länger ohne Rückfall

Die Forscher analysierten die Daten von 322 mit einer klinisch-depressiven Episode diagnostizierten Patienten von 1978 bis 1981 und folgten ihnen bis zu 31 Jahre. 61,2 Prozent dieser Patienten erholten sich asymptomatisch von ihrer diagnostizierten Episode.

Das Forscherteam stellte fest, dass diese Gruppe 4,2-mal länger rückfallfrei von einer erneuten depressiven Episode oder erneutem Auftreten blieben als diejenigen, die noch Restsymptome zeigten (Median von: 135 Wochen gegenüber 32 Wochen).

Größere Belastung bei Restsymptomen

Wurden Restsymptome beibehalten, ging dies mit einem fast dreimal höheren Risiko für eine ausgewachsene depressive Episode innerhalb eines Jahres (74% vs. 26%) einher.

Die Restsymptom-Gruppe hatte auch eine größere depressive Krankheitsbelastung während der nächsten 10 bis 20 Jahre und größere langfristige Probleme mit Arbeit, Haushalt und persönlichen Beziehungen.

Konsequenzen für Behandlung

Die Befunde legen nahe, dass die Behandlung der Patienten so lange weitergehen sollte bis die depressiven Symptome völlig verschwinden sind, sagte Judd in der Zeitschrift Journal of Clinical Psychiatry.

"Wenn Sie eine depressive Episode behandeln, bis es keine restlichen Symptome mehr gibt, dann wird die Person wahrscheinlich einen stabileren Zustand des Wohlbefindens erreichen und für Monate oder sogar Jahre frei von Depression sein."

Andererseits: Wird die Behandlung beendet, weil es dem Patienten besser geht, obwohl es noch leichte Symptome gibt, besteht ein erhöhtes Risiko für einen Rückfall.

Die sehr große zeitliche Differenz zwischen den Gruppen hinsichtlich der Länge des Wohlbefindens konnte nicht auf ein unterschiedliches Niveau bei der Behandlung mit Antidepressiva zurückgeführt werden.

Außerdem war die Ausprägung der Restsymptome wichtiger als alle der 18 (in der Literatur vorgeschlagenen) anderen Vorhersagevariablen, was die zeitliche Dauer anbelangte, die die Teilnehmer frei von einer depressiven Episode blieben.

Auf Grundlage der Studienbefunde schließen die Autoren, dass eine vierwöchige völlige Symptomfreiheit die neue Definition für eine Genesung von einer klinisch-depressiven Episode und das Ziel einer Behandlung sein sollte.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of California, Journal of Clinical Psychiatry; Okt. 2015

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