Depression bei Jugendlichen, im Jugendalter

Depressive Störung - Symptome und Diagnose

Welches Symptom bestimmt die Schwere am besten bei Heranwachsenden?

31.03.2015 Zurzeit ist das Schlüsselsymptom für die Diagnose von klinischer Depression bei Jugendlichen die Irritabilität (Reizbarkeit).

Eine neue Studie hat jedoch herausgefunden, dass die Ausprägung der Anhedonie (der Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden) eher als die Irritabilität mit schwereren Depressionen, schlechteren klinischen Resultaten und Suizidalität verbunden ist.

Irritabilität und Anhedonie

Vilma Gabbay und ihre Koautoren von der Icahn School of Medicine und der New York University untersuchten mit einem quantitativen Ansatz gleichzeitig die Symptome von Reizbarkeit und Anhedonie bei 90 Jugendlichen mit klinischer Depression.

Nur der Schweregrad der Anhedonie zeigte einen deutlichen Zusammenhang mit der Schwere der Gesamtergebnisse einschließlich

Die Autoren betonen in dem in Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology veröffentlichten Artikel die Wichtigkeit, Anhedonie bei depressiven Jugendlichen zu überwachen.

"Dies ist eine Schlüsselstudie zu den kritischen Aspekten der Depression bei Heranwachsenden", sagt Harold S. Koplewicz, Chefredakteur von Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology und Präsident des Child Mind Institute in New York.

"Die Autoren liefern Befunde, die bedeutsame Auswirkungen auf frühe Interventionen und effektive Behandlungen haben. Ihre Arbeit verstärkt auch den Bedarf nach gezielten Studien zu dieser Krankheit in der jugendlichen Bevölkerungsgruppe, wenn wir sie verstehen und ihre schädlichen Auswirkungen auf Heranwachsende lindern wollen."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Icahn School of Medicine, New York University, Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology; März 2015

Behandlungskonzept für jugendliche Depression vorgeschlagen

01.10.2013 Forscher haben Befunde gesammelt, um ein Behandlungskonzept zu entwickeln; sie identifizierten Qualitätsindikatoren (QIs) für die Behandlung von Depression bei Jugendlichen.

R. Eric Lewandowski, Ph.D. von der New Yorker Universität (Fachbereich Medizin) in New York City, und Kollegen überprüften klinische Praxisrichtlinien und die Forschungsliteratur, um ein Behandlungskonzept bei Jugenddepression und QIs zu entwickeln.

Die Forscher fanden und stellten die Befunde zusammen, um empfohlene klinische Praktiken für die Behandlung von Jugenddepression zu identifizieren.

Es wurden Qualitätsindikatoren für elf Maße entwickelt:

  1. Screening;
  2. Einschätzung/Beurteilung, um Diagnose zu bestätigen;
  3. Einschätzung des Suizidrisikos;
  4. kurze unterstützende Beratung;
  5. Beginn der Behandlung;
  6. Kommunikation und Dokumentation;
  7. Adäquatheit der Behandlung mit Antidepressiva;
  8. Adäquatheit der Behandlung mit Psychotherapie;
  9. Symptom Neubewertung;
  10. Remission; und
  11. Anpassung der Behandlung.

Behandlungsplan und QIs wurden durch Experten überprüft.
"Dieser Bericht zeigt Anhaltspunkte für einen Behandlungsplan und QIs für Depression bei Jugendlichen, eine Forschungsagenda um die Belege zu stärken, und liefert eine Richtung für die klinische Praxis basierend auf den gegenwärtigen Erkenntnissen", schreiben die Autoren.

Quelle: New York University / Pediatrics, Sept. 2013

Depressive Heranwachsende: Stärkung der Selbstachtung und Resozialisierung im Jugendalter

07.10.2014 Eine aktuelle Studie hat die Rolle von Selbstachtung und Resozialisierung bei Kindern und Jugendlichen untersucht. Beide Größen ermöglichen Jugendlichen, adäquat mit stressenden Lebenssituationen zurechtzukommen, und dienen als Schutzfaktoren gegen Depression.

Psychodynamische Psychotherapie und Familientherapie

Es wurden Behandlungen über neun Monate bei 72 Patienten im Alter zwischen 9-15 Jahre durchgeführt.
Diese bestanden aus 8-14 wöchentlichen 90 min Sitzungen systemisch-integrierter Familientherapie mit einem Fokus auf Familiendysfunktion, aber ohne spezifische Aufmerksamkeit auf ungelöste intrapsychische Konflikte und frühe Kindheit, oder aus 16-30 wöchentlichen 50 min Sitzungen fokussierter individueller psychodynamischer Psychotherapie mit einem Fokus auf zwischenmenschliche Beziehungen, Lebensbelastungen und dysfunktionaler Anhänge plus Elternsitzungen (eine pro zwei Kindessitzungen), die auf dieselben Bereiche ausgerichtet waren, durch separate Fallarbeiter.

Die Ergebnisse zeigten eine deutliche Verbesserung bei den depressiven Symptomen unter beiden Bedingungen. Auch profitierten schwerere Fälle mehr bei beiden Behandlungen, weniger belastete Fälle wurden in Bezug auf Resozialisierungs- und Selbstachtungsresultaten bei der Follow-Up Untersuchung erreicht.

Selbstachtung und Resozialisierung

Diese Befunde zeigen die wichtige Rolle von Selbstachtung und Resozialisierung bei Kindern mit Depression und chronischem Stress. Beide Dimensionen ermöglichen den Umgang mit belastenden Situationen wie elterlicher Psychopathologie, Kindesmisshandlung, Familienkonflikten, Mangel an elterlicher Wärme, Affekt und Unterstützung.

Außerdem können Selbstachtung und Resozialisierung als Puffer gegen kardiovaskuläre (z.B. Herzfrequenz und Herzfrequenz-Variabilität) und entzündlichen (z.B. Plasmaniveau des Tumornekrosefaktors alpha und von Interleukinen) Reaktionen auf Stress, und auf diese Weise vor einer Anfälligkeit für Depression schützen.

Kosten-Nutzen-Verhältnis

Jedoch, besorgt die Tatsache, dass es beim relativen Kosten-Nutzen-Verhältnisses zu einer großen Variabilität bei der Anzahl der Sitzungen (8-14 bei Familientherapie vs. 16-30 bei psychodynamischer Psychotherapie gekommen ist. Vergleichende Wirksamkeitsstudien zur psychodynamischen Psychotherapie oder Familientherapie und empfohlene psychologische Behandlungen bei Depression bei Kindern und Jugendlichen (d.h. kognitive Verhaltenstherapie und IPT) könnten für zukünftige Untersuchungen berücksichtigt werden.

© PSYLEX.de - Quelle: Kolaitis G, Giannakopoulos G, Tomaras V, Christogiorgos S, Pomini V, Layiou-Lignos E, Tzavara C, Rhode M, Miles G, Joffe I, Trowell J, Tsiantis J. "Self-Esteem and Social Adjustment in Depressed Youths: A Randomized Trial Comparing Psychodynamic Psychotherapy and Family Therapy." Psychother Psychosom 2014;83:249-251, September 2014

Depressive Jugendliche, depressive Eltern: Die Therapie von Depressionen im Jugendalter kann auch der psychischen Gesundheit der Eltern zugute kommen

11.08.2018 Die Bindung zwischen Eltern und Kind geht weit über das Teilen ähnlichen Aussehens oder Verhaltensweisen hinaus: Depressionssymptome scheinen bei Teenagern und Eltern miteinander verbunden zu sein laut einer auf der Jahrestagung der American Psychological Association vorgestellten Studie.

Die Belege zeigen, dass sich die Depressivität der Eltern verbesserte, wenn die Depression ihres Kindes durch eine Behandlung gelindert wurde, schreiben Kelsey R. Howard von der Northwestern Universität und Kollegen.

Insgesamt 325 Jugendliche mit einer diagnostizierten Depression und 325 ihrer Eltern bzw. Bezugspersonen nahmen an dieser Langzeitstudie teil. Die Jugendlichen wurden nach dem Zufallsprinzip einer von drei Gruppen zugeordnet:

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Bild: Ulrike Mai

Die erste Behandlungsphase dauerte fast ein Jahr, worauf ein weiteres Jahr mit Nachuntersuchungen folgte.

Ein Viertel der Eltern, die an der Behandlung teilgenommen hatten, berichteten laut Howard ebenfalls über mittelschwere bis schwere depressive Störungen vor der Therapie.

Positiver Welleneffekt

Der Behandlungsprozess war nicht familienbasiert, obwohl einige Teile den Elternteil umfassten. Nichtsdestotrotz zeigten die Ergebnisse einen positiven Welleneffekt, denn wenn die Schwere der Depression eines Jugendlichen abnahm, so konnte auch eine Linderung der Depressionssymptome bei den Eltern beobachtet werden - unabhängig davon, welche Behandlung zum Einsatz gekommen war.

Das Konzept, dass Emotionen 'ansteckend' sind und sich von Mensch zu Mensch ausbreiten, ist bei Psychologen bekannt, sagte Howard. Diese Arbeit eröffnet eine Reihe von Möglichkeiten für zukünftige Forschungen zu den familienweiten Auswirkungen der Behandlung von Depressionen im Jugendalter, schließt er.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: American Psychological Association (Session 1205: "Parental Depressive Symptoms Over the Course of Treatment for Adolescent Depression," Poster Session, Saturday, Aug. 11, 9 a.m. PDT, Halls ABC Exhibition Level-South Building, Moscone Center, 747 Howard St., San Francisco, Calif.)

Fünf Anzeichen für Depressivität bei Teenagern

30.08.2018 Teenager sind nicht selten launisch, aber die Forschung zeigt, dass anhaltende Stimmungsschwankungen oft viel schwerwiegender einzustufen sind.

Dr. Janna Gewirtz O'Brien, eine Kinderärztin der Mayo-Klinik, sagt, dass Depressionen bei Jugendlichen viel häufiger auftreten, als die meisten Menschen annehmen.

Das betrifft Teenager in allen Lebensbereichen, allen Backgrounds und fängt im Alter von 12 Jahren an - manchmal sogar noch jünger - und zieht sich bis hin zu den jungen Erwachsenenjahren, sagt O'Brien.

Etwa die Hälfte der depressiven Heranwachsenden rutschen ohne Diagnose durch die Primärversorgung, also müssen wir sicherstellen, dass wir mehr von ihnen erfassen, schreibt sie.

Sie sagt, dass Eltern auch auf diese fünf Anzeichen bei ihren Kindern achten sollten:

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Mayo Clinic

Prävalenz: Depressionssymptome bei Jugendlichen kommen sehr häufig vor

03.10.2018 Ein erheblicher Teil der Jugendlichen in Deutschland ist von depressiven Symptomen betroffen laut einer im Deutschen Ärzteblatt International veröffentlichten Studie.

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage, die Lutz Wartberg vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Kollegen durchgeführt haben.

Die Autoren befragten 1.001 Heranwachsende im Alter von 12-17 Jahren. Anschließend bestimmten sie die Punktprävalenz depressiver Symptome und die damit verbundenen Faktoren.

Laut der Umfrage hat jeder zwölfte Jugendliche (8,2%) Depressionssymptome. Die geschätzte Punktprävalenz war bei Mädchen (11,6%) signifikant höher als bei Jungen (5%).

Neben Geschlecht und Alter waren depressive Symptome häufiger im Zusammenhang mit bestimmten anderen Faktoren zu beobachten, wie z.B. einem negativen Körperbild oder der problematischen Nutzung von Social Media oder Computerspielen. Geringes zwischenmenschliches Vertrauen und Familienfunktionen waren verbundene Faktoren, so die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Deutsches Aerzteblatt Online (2018). DOI: 10.3238/arztebl.2018.0549

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