Computergestützte Psychotherapie bei Depression

Depressive Störung - Behandlung/Therapie

Computergestützte kognitive Verhaltenstherapie bietet bei Depression wenig bis keinen Nutzen

16.11.2015 Eine neue im British Medical Journal veröffentlichte Studie zeigt, dass computergestützte kognitive Verhaltenstherapie (cKVT) unwirksam bei der Behandlung der Depression ist.

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Bild: splitshire

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) eines geschulten Therapeuten gilt bei depressiven Störungen als hochwirksame 'verbale Psychotherapie'; jedoch ist die Verfügbarkeit von Therapieplätzen oft ein Problem. Eine Alternative ist KVT über speziell gestaltete Computerprogramme, die benutzt werden können, um mehr Menschen einen Zugang zur Therapie zu ermöglichen.

Um die Wirksamkeit computerbasierter KVT zu beurteilen, führte Professor Simon Gilbody von der York Universität eine große randomisierte Auswertung (REEACT) durch.

Der Versuch mit 691 depressiven Patienten aus 83 Praxen in England ist bislang die größte Studie zur Erfassung der Wirksamkeit von cKVT zzgl. der üblichen praktischen ärztlichen Versorgung.

Ergebnis

Die Studienergebnisse zeigen, dass cKVT wenig oder keinen Nutzen im Vergleich zur normalen ärztlichen Versorgung durch den Arzt bot.

Die Forscher fanden heraus, dass sich die Patienten generell nicht anhaltend mit den Computerprogrammen beschäftigten. Sie glauben, dass dies die Probleme unterstreicht, wenn man sich als klinisch Depressiver dauernd bei Computerprogrammen anmelden muss.

Versuchsleiterin Dr. Elizabeth Littlewood sagte: "Gegenwärtig empfehlen die nationalen Richtlinien (NICE in UK) den Einsatz von computergestützter Psychotherapie als eine Behandlungsform bei Depression, aber diese Studie zeigt den Wert dieser Therapieform.

"Unsere Befunde zeigen, dass cKVT wahrscheinlich eine ineffektive Form einer niederschwelligen Behandlung bei depressiven Störungen und eine ineffiziente Verwendung begrenzter Ressourcen des Gesundheitswesen ist."

Als Selbsthilfe ungeeignet

Trotz hoher technischen Unterstützung und der wöchentlichen Ermutigungen, die Computerprogramme zu benutzen, waren die Absprungraten hoch und das Engagement bei dieser Behandlungsform niedrig. Es scheint, dass Teilnehmer oft mehr klinische Unterstützung zusätzlich zur Therapie wollen, sagte sie.

Studienautor Professor Gilbody fügte hinzu, dass KVT sehr gute Arbeit bei Depressiven leistet, aber diese Forschungsstudie zeigt, dass sie als Selbsthilfe gegen Depression allein am Computer wohl wenig wirksam ist.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: York Universität, British Medical Journal; Nov. 2015

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