Depression: Aufgeben, Loslassen

Depressive Störung - Behandlung/Therapie

Depression erleichtert die Aufgabe unerreichbarer Ziele

02.02.2017 Eine im Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry veröffentlichte Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersuchte, ob Depressive sich leichter von unerreichbaren Zielen lösen können.

Es ist meist nicht sinnvoll, sich an utopische bzw. unerreichbare Ziele zu heften. In dieser Hinsicht könnte es ein Vorteil sein, sich leichter von einer solchen Zielsetzung zu lösen, das Ziel nicht mehr zu verfolgen und sich ein neues Ziel zu suchen. Sind depressive Menschen gegenüber gesunden hier im Vorteil? Verwenden sie weniger Zeit auf unerreichbare und damit sinnlose Ziele?

Loslassen unerreichbarer Ziele

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Bild: Unsplash

Die Forscher Prof. Dr. Klaus Rothermund und Katharina Koppe vom Fachbereich Psychologie gaben Teilnehmern mit und ohne Depression die Aufgabe, Buchstabenrätsel zu lösen. Einige waren lösbar, andere dagegen nicht - doch dies wussten die Probanden nicht.

"Diese unlösbaren Aufgaben repräsentierten quasi unerreichbare Ziele, von denen es galt, sich möglichst frühzeitig zu lösen, um die Zeit effektiv zu nutzen", sagte Koppe.

Bei der Analyse der Ergebnisse zeigte sich, dass die Teilnehmer mit Depression tatsächlich weniger Zeit für die unlösbaren Aufgaben aufwandten, jedoch genausoviel Zeit wie die gesunden Teilnehmer für die lösbaren. Sie ließen also die nicht erreichbaren Ziele früher los als die nicht-depressiven Probanden und erreichten damit früher die Möglichkeit, ihre Ressourcen neu einzusetzen.

Psychische Weiterentwicklung durch Krise

"Aus dem generellen Motivationsdefizit, das für viele depressive Patienten typisch ist, resultiert offenbar eine höhere Zielablösefähigkeit und das könnte man sich in der Therapie zunutze machen", sagte Rothermund.

"Wenn wir aufhören, Depression allein als ein psychologisches Hindernis zu sehen, das einfach wegtherapiert werden muss, können wir die Krise des Patienten vielleicht auch als Chance zur persönlichen Weiterentwicklung nutzen", schließt Koppe, doch mehr Forschung sei dafür notwendig.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry - DOI: 10.1016/j.btep.2016.10.003; Feb. 2017

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