Probiotika gegen Depression

Depressive Störungen - Behandlung/Therapie

Verbindung zwischen Probiotika und der Linderung von Depressionssymptomen

23.05.2017 Probiotika können Symptome von Depression und Reizdarm-Syndrom lindern laut einer im Fachblatt Gastroenterology veröffentlichten Studie der McMaster Universität.

Die Wissenschaftler des Farncombe Family Digestive Health Research Institute fanden heraus, dass doppelt so viele Erwachsene mit Reizdarmsyndrom über eine Verbesserung der bestehenden Depression berichteten, wenn sie ein bestimmtes Probiotikum zu sich nahmen als Teilnehmer mit Reizdarm-Syndrom (RDS), die ein Placebo bekommen hatten.

Darmflora und das Gehirn

darmflora
Bild: OpenClips

Die Studie liefert weitere Belege für die Annahme, dass die Darmflora in direkter Kommunikation mit dem Gehirn steht, sagte Studienautor Dr. Premysl Bercik, Professor für Medizin an der McMaster und Gastroenterologe für Hamilton Health Sciences.

Diese Studie zeigt, dass der Konsum eines spezifischen Probiotikums sowohl die Darmsymptome beim RDS als auch die psychologischen Probleme verbessern kann. Dies eröffnet neue Wege nicht nur für die Behandlung von Patienten mit funktionellen Darmstörungen, sondern auch für Patienten mit primären psychiatrischen Erkrankungen, sagte er.

Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom ist die häufigste gastrointestinale Störung weltweit. Es wirkt sich auf den Dickdarm aus und Patienten leiden unter Bauchschmerzen und einem veränderten Darmverhalten wie Durchfall und Verstopfung.

Die Patienten sind auch häufig von chronischer Angst oder Depression betroffen.

Bifidobacterium longum NCC3001

Die Pilotstudie enthielt 44 Erwachsene mit RDS mit leichten bis mittelschweren Symptomen von Angststörungen oder Depression. Sie wurden für 10 Wochen beobachtet, während die Hälfte eine tägliche Dosis des probiotischen Bifidobacterium longum NCC3001 einnahm, und die anderen ein Placebo erhielten.

Nach sechs Wochen hatten 14 von 22 bzw. 64% der Patienten, die das Probiotikum erhielten, verringerte Depressionswerte - verglichen mit sieben von 22 (oder 32%) der Patienten, die ein Placebo erhielten.

Veränderungen in mehreren Hirnbereichen

Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) zeigte, dass die Verbesserung der Depressionswerte mit Veränderungen in mehreren Hirnbereichen einherging, die an der Stimmungsregulation beteiligt sind.

Dies ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen Wegs - von der Identifizierung des Probiotikums, der Prüfung in präklinischen Modellen und der Erforschung der Wege, über die die Signale aus dem Darm das Gehirn erreichen, sagte Bercik.

Die Ergebnisse dieser Pilotstudie sind sehr vielversprechend, aber sie müssen in einer zukünftigen, größeren Studie bestätigt werden, sagte Studienautorin Dr. Maria Pinto Sanchez.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: McMaster University, Gastroenterology; Mai 2017

Die Einnahme eines Probiotikums kann postnatale Ängste und Depressivität verringern

24.10.2017 Forscher der Universitäten von Auckland und Otago haben Belege dafür gefunden, dass ein in der Schwangerschaft verabreichtes Probiotikum zur Vorbeugung oder Behandlung von Symptomen postnataler Depression und Angstzuständen beitragen kann.

Lactobacillus rhamnosus HN001


Bild: Unsplash

Ziel der Studie war es, die Wirkung eines Probiotikums (insbesondere von Lactobacillus rhamnosus HN001), das in der Schwangerschaft und der postpartalen Phase verabreicht wurde auf die Symptome mütterlicher Depression und Angstzustände in der postnatalen Phase zu untersuchen.

Die Studie erfasste die Daten von 423 Frauen aus Auckland und Wellington zwischen Dezember 2012 und November 2014. Sie waren alle zwischen 14 und 16 Wochen schwanger.

Von dieser Gruppe erhielten 212 Frauen das Probiotikum und 211 ein Placebo. Die Kapseln wurden täglich von der Patientenaufnahme bis zur Geburt ihres Babys eingenommen, danach von der Geburt an für weitere sechs Monate, wenn von den Müttern gestillt wurde.

Mütter in der probiotischen Behandlunggruppe zeigten erheblich geringere Depressions- und Angstwerte als die in der Placebogruppe. Darüber hinaus waren die Raten der klinisch relevanten Ängste beim Screening bei Müttern mit probiotischer Behandlung halb so hoch wie in der Kontrollgruppe.

Studienautorin Dr Rebecca Slykerman mahnt jedoch im Fachblatt EBioMedicine zur Vorsicht. Die Ergebnisse müssen erst wiederholt werden, bevor allen Schwangeren empfohlen werden kann, Probiotika zu nehmen.

Es gibt viele unbeantwortete Fragen, darunter die Wahl des Probiotikums, die Dosis und die Dauer der Behandlung. Können Probiotika als primäre Behandlung für psychische Probleme bei Müttern eingesetzt werden oder sollten sie als Begleitbehandlung zur Standardtherapie eingesetzt werden?

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universitäten von Auckland und Otago; EBioMedicine - DOI: 10.1016/j.ebiom.2017.09.013; Okt. 2017

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